#123 Break

RodewaldFoest Produktion



© Julia Marquardt

09.+10.juli 2016

Adham ist Neunundzwanzig, Jurist mit Lachfalten. Zur Zeit der Revolution diente er in der syrischen Armee. Er desertierte, weil er nicht auf seine eigenen Landsleute schießen wollte. Er brauchte elf Monate und siebundzwanzig Tage mit Schlauchboot, Flugzeug und zu Fuß von Homs nach Berlin. Er lernt mindestens sieben Stunden Deutsch am Tag und zuckt kurz zusammen, wenn ein Motorrad vor dem Haus über die Straße knattert. Adham ist einer der sechs Syrer, die an dem Projekt Break teilnehmen.

Der Krieg in Syrien macht keine Pause, aber er schien weit weg zu sein.
Die mediale Präsenz des Konfliktes und die hohe Anzahl syrischer Flüchtlinge prägen unseren Alltag, definiert durch immer wiederkehrende Rituale der Begegnungen beim Einkaufen, am Bahnhof oder auf der Straße. Miteinander kreieren wir unbewusst und bewusst täglich neue Formen des Zusammenlebens.
Vier Syrer und vier Deutsche, ähnlich im Alter, Geschlecht und Beruf, wurden mit deutschen Alltagssituationen auf Polaroids, Sounds und einem Logbuch ihrer Biographie eingeladen, an der Ausstellung Break teilzunehmen. Im Zentrum der dokumentierten Gespräche stand die Frage: Wie hört sich der Alltag in der jeweiligen Heimat an, in Syrien vor dem Krieg und bei uns im Frieden?
Zu Beginn der Ausstellung Break schärft der Besucher mit einer Einführung in die buddhistische Gehmeditation seine Sinne, um die unterschiedlichen Alltagswahrnehmungen von Menschen, die im Krieg waren und Menschen, die im Frieden leben differenziert betrachten zu können.

Marie Rodewald und Holger Foest haben sich 2007 an der Hochschule der Künste in Zürich kennengelernt und arbeiten seitdem miteinander. Der Anlass jeder Produktion ist dokumentarisch, die Praxis der Probe assoziativ, das Mischen von künstlerischen Disziplinen selbstverständlich. Rodewalds und Foests Hintergrund ist Theater, der Vordergrund Performance – persönlich, spielerisch und forschend.

EINE RODEWALDFOEST PRODUKTION IN KOOPERATION MIT DEM BALLHAUS OST
GEFÖRDERT DURCH HEIKE BORMANN & AKTION, KULTURALLIANZEN UND DIE EBERHARD STIFTUNG



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