#30 Erasing Café M

Sebastian Blasius

17.+18.januar 2015

Drei TänzerInnen durchqueren Pina Bauschs prominente Choreografie Café Müller und greifen emblematische Gesten auf. Im Kopf des Zuschauers wird sofort eine Bildmaschine losgetreten: Die sehnsuchtsvoll vor dem Körper geöffneten Handflächen lassen Bilder von christlicher Ikonographie bis zu Zombie-Filmen imaginär entstehen. Doch dann beginnen die TänzerInnen, das Material zu unterbrechen und mit eigenen Fragestellungen zu besetzen. Zwei parallele Prozesse auf der Bühne werden initiiert, die Bewegungen aus Café Müller werden mehr und mehr ausgelöscht und überlagert, ähnlich dem Vorgang des Wiederbeschreibens.
Spätestens seit Wim Wenders‘ Hommage Pina hat sich Café Müller in unser kulturelles Gedächtnis eingeprägt. Die Choreografie wird gern als eine nostalgische Liebesklage gelesen, in welcher Verlust betrauert, Nähe und Verlorenes gesucht wird, in der man sich umarmen, spüren, verletzen, schützen und lieben will. Das Stück entspricht dem, wie wir in unserer Kultur auf Vergangenes zu schauen. Erasing Café M ruft diesen spezifischen Modus des Erinnerns auf, um ihn zu befragen, fragil werden zu lassen und alternative Möglichkeiten zu eruieren, mit Vergangenem und Verlorenem umzugehen.

Der Choreograph, Regisseur und Theaterwissenschaftler Sebastian Blasius rekonstruiert historische Inszenierungen, Performances und Choreographien, um in der Konfrontation mit dem Vergangenen dem gegenwärtigen Verständnis neue Blickwinkel aufzuzeigen und zugleich die vorhandenen Aufführungen aus archivarischen und musealen Prozessen zu entrücken. Zusammen mit dem Dramaturgen Daniel Franz arbeitet er daran, Wahrnehmungsprozesse aufzubrechen und Konventionen der Erinnerung in Frage zu stellen. Die gemeinsamen Projekte entstehen in Kooperation mit Künstlern unterschiedlicher Genres. Im Herbst 2014 zeigte Sebastian Blasius in Berlin das 6-stündige Langzeitformat Verhaltet Euch ruhig, bei dem er u.a. Erdem Gündüz, den „Standing Man“ vom Taksim Platz dazu einlud, seinen Protest des schweigenden Stehens im Kunstkontext zu wiederholen.

tanz MAYA WEINBERG / JORIS CAMELIN / YAARA DOLEV choreographie sebastian blasius dramaturgie daniel franz raum ralf ziervogel sound christoph korn

EINE PRODUKTION VON SEBASTIAN BLASIUS IN KOOPERATION MIT BALLHAUS OST BERLIN, I-CAMP MÜNCHEN UND QUARTIER AM HAFEN KÖLN
GEFÖRDERT DURCH DAS KULTURREFERAT DER LANDESHAUPTSTDT MÜNCHEN, DEN FONDS DARSTELLENDE KÜNSTE E.V., DIE BEZIRKSREGIERUNG KÖLN, DIE RUDOLF-AUGSTEIN-STIFTUNG, DIE KUNSTSALON STIFTUNG UND DIE BEZIRKSREGIERUNG OBERBAYERN



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