#01 Heimliches Berlin

nach Franz Hessel / Daniel Schrader

Heimliches Berlin_1

Heimliches Berlin_2

Heimliches Berlin_3

© Cameron Matheson

28.august 2014 premiere
30.august / 04.+05.september / 05.+06.+07.+09.november 2014
27.mai 2016

„Bis zum Frühjahr 1924 lebte in Berlin ein junger Mensch, dessen Erscheinung die Männer und Frauen seines Bereiches erfreute, ohne dass sie seinem Wesen tiefer nachforschten. Erst als er fortging, erregte er bei einigen ein schwer zu erklärendes Abschiedsweh.“

Franz Hessel verfügte über das, was man heute wohl ein interessantes Netzwerk nennen würde. Er war, unter anderem, Freund Walter Benjamins, Vater Stéphane Hessels und Rollenmodell für François Truffauts Film Jules et Jim. 1927 veröffentlichte er den kleinen Berlin-Roman Heimliches Berlin, der eine Gruppe junger Menschen eine Nacht und einen Tag lang durch Kneipen, Bars, Theater, Salons und Wohnungen im Berlin der 1920er Jahre begleitet. Die Figuren Hessels und ihre Sehnsüchte nach Liebe, Anerkennung, Erfolg und der weiten Welt zeichnen sich aus durch ein seltsam unverbindliches Verhältnis zur Realität. Ein Verhältnis, das überhaupt charakteristisch für die vielfach heraufbeschworene Atmosphäre und das Lebensgefühl dieser Zeit scheint.
Aus heutiger Sicht regt sich der Verdacht, dieser verschobene Realitätsbezug könnte sich an irgendeiner Stelle in die DNA der Stadt eingeschrieben haben und fortwirken. Daniel Schraders Inszenierung erweitert deshalb die Geschichte von Heimliches Berlin und erzählt sie über ein ganzes Jahrhundert hinweg. Sie verringert die Distanz zum nostalgisch verklärten und oftmals mit Kitsch und Klischees überladenen Bild Berlins in den 20ern und führt zugleich eben diese Verklärung als typische Berliner (Über-)Lebensstrategie vor.
So finden sich Wesensverwandte von Wendelin, Karola, Margot und Clemens an zahlreichen Berliner Orten und zu allen Zeiten. Ihr Anklammern an der Gegenwart, als einem kleinen, doch wertvollen Rest von Vergangenheit, spiegelt sich im Wesen der Stadt und konstituiert deren Aura als Hauptstadt des XX. Jahrhunderts.

mit roland bonjour / gina henkel / toni jessen / tina pfurr / conrad rodenberg / wieland schönfelder / ina tempel regie daniel schrader bühne wieland schönfelder kostüme nina kroschinske musik conrad rodenberg dramaturgische mitarbeit nicola ahr licht volker m. schmidt

eine produktion von daniel schrader / ballhaus ost
gefördert durch den hauptstadtkulturfonds

HKF



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