#20 Hussein

suite42 / zoukak





21.november 2014 premiere
22.+23.november 2014
06.+07.+08.+09.mai 2015

Hussein. Zurück aus der Schlacht, neugeboren. Sein Drama ist vorbei. Beim morgendlichen Kaffee verflucht er, der Verfluchte, Hegel und die selbsternannten Propheten. Draußen, in der Stadt, bei jedem Wetter: der Tod. Das Ich explodiert ins Nichts, das banale Paradies gähnt ihn an. Die Sphinx hat ihre Antwort, und uns fliegen die Trümmer der Geschichte um die Ohren.

Im Arabischen hat der Name Hussein zwei Bedeutungen. Je nach Aussprache meint er entweder den ersten schiitischen Märtyrer, der in der Schlacht von Kerbala den Tod einer Allianz mit denen vorzog, die in seinen Augen die Muslime geteilt und gegeneinander aufgebracht haben. In der zweiten Form der Aussprache ist Hussein ein normaler Vorname. Omar Abi Azars Theatertext Hussein konfrontiert die mythologische Figur und deren tonnenschwere Geschichtlichkeit mit Menschen von heute, in deren Städten, in deren Heimat der Tod zur alltäglichen Möglichkeit geworden ist. Der Gedanke, für eine Idee so brennend zu leben, dass man dafür sterben will, ist für Menschen in Beirut genauso fremd wie für uns in Berlin. Doch Argumente versagen, es gibt wenig Ansatzpunkte für ein Gespräch, wenn der Tod anderer vermeintlich etwas verbessert, seien es die Chancen auf das Paradies oder der Status Quo des Lebens, das gewaltsam verlassen wird. Der Tod hat sein Geheimnis verloren, blickt uns aus allen Kanälen entgegen. Das mythologische Chaos hat uns eingeholt. Was bedeuten Spiritualität und Individualität angesichts dessen, dass der Tod uns leicht und allgegenwärtig umgibt? – „Hegel really fucked us up.“ (Omar Abi Azar)

zoukak (=kleine Straße) wurde 2006 in Beirut gegründet, um eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit ihren gesellschaftlichen und politischen Themen zu gewährleisten, aber auch als Struktur für ihre eigene Entwicklung als Theaterkünstler. Wegen der weitergehenden Konflikte im Libanon arbeiten sie viel in Schulen und Flüchtlingslagern, kreieren öffentliche Interventionen und laden im Programm Sidewalks internationale Partner zu sich nach Beirut ein. suite42 bringt internationale Theater- und andere Künstler für Projekte zusammen, die sich mit geschichtlichen Knotenpunkten und besonders mit den Auswirkungen von Krieg, Gewalt und Migration befassen. Der Fokus richtet sich dabei nicht nur auf die Bühnenpräsentation; zusätzlich wird immer ein akademischer und künstlerischer Kontext geschaffen. zoukak und suite42 arbeiten seit 2010 in Form von Workshops, Diskussionen und Austausch von Produktionen zusammen. Dies ist die erste Koproduktion, sie wurde in Beirut und Berlin erarbeitet.

in arabischer, französischer und deutscher sprache

mit JUNAID SARIEDDEEN / LUCIE ZELGER / VINZENT FALK text omar abi azar regie lydia ziemke dramaturgische mitarbeit elke ranzinger musik houwaida goulli licht malwine kurella design claire schirck assistenz lena heeschen / marie golüke übertitel david maß

eine produktion von suite42 (berlin) und zoukak (beirut) in kooperation mit dem ballhaus ost
gefördert durch den regierenden bürgermeister von berlin – senatskanzlei – kulturelle angelegenheiten