#31 Insight Men

AnonymoUS

27.januar 2015 premiere
28.+29.+30.januar / 01.+02.+03.+04.oktober 2015

>>>ENGLISH

Die anonyme Theatergruppe anonymoUS hat sich nach ihrem Premieren-Run im Januar wie ein Geschwür ausgebreitet. Immer mehr SchauspielerInnen haben sich dem Kollektiv angeschlossen – es ist einfach zu verführerisch, endlich einmal nur in Maske und mit veränderter Stimme den Raubüberfall von Spike Lee’s Inside Man zu spielen.
Trotz einiger Aufregung in den Medien und Missverständnissen zwischen den KünstlerInnen und der Kulturverwaltung gilt auch für die Wiederaufnahme von Insight Men der 10-Euro-Deal: die ersten zehn ZuschauerInnen pro Abend erhalten jeweils 10 Euro und eine Freikarte. Niemand hat bisher sein Publikum so direkt bezahlt. Warum der Wahnsinn? Es gilt, Theater auch mal radikal anders zu machen: Ohne berühmte Namen. Ohne Netzwerk- und Klüngel-Connections. Einzig was im Stück passiert, zählt. Und die außergewöhnliche Reise, auf die das Publikum mitgenommen wird. „The experience matters“. Jede Show ist anders. Die Besetzungen und Geschichten variieren jeden Abend.
Die PerformerInnen verbergen ihre Gesichter hinter Guy-Fawkes Masken und spielen mit elektronisch veränderten Stimmen. Zu keiner Zeit vor, während oder nach dem Projekt werden die Namen der beteiligten KünstlerInnen bekannt gegeben. anonymoUS setzt sich mit dem Paradox der Marketing-Kritik auseinander: Widerstand wird zum Markenzeichen. Neoliberale Selbst-Vermarktungs-Strategien gelten nicht nur für die wachsende Gruppe von FreiberuflerInnen sondern auch für Angestellte. Auch der Kulturbetrieb wird immer stärker von neoliberalen Strukturen geprägt. Statt künstlerischer Ideen wird Wert auf die Namen und Netzwerke von KünstlerInnen gelegt. Diese haben einen „Marktwert”, der durch bestimmte Festivals oder Spielstätten gesteigert wird. Die KünstlerInnen von anonymoUS pfeifen auf dieses Spiel und widersetzen sich den üblichen Regeln.
Inside Man von Spike Lee (USA, 2006) ist ein Spiel mit maskierten Motiven. Bei Lee geht es um eine radikale Form der Geschichtsaufarbeitung der Bankgeschäfte aus dem Nationalsozialismus. Bei der Performance Insight Men geht es um das Neo-Liberale im Alltag: alle verkaufen sich und ihre Lebensentwürfe, ihre Biographien, ihre Geschichten. Die Erwartungshaltung der ZuschauerInnen wird mehrfach unterlaufen – statt einer Bankraubgeschichte kommt die Kritik am Selbstmarketing in der heutigen Arbeitswelt. Das De-Maskieren von Motiven konterkariert das Maskieren der Beteiligten.

(*) 10-euro-deal:

Um das Publikum zusätzlich zum Besuch zu motivieren, obwohl es die KünstlerInnen bei Insight Men nicht kennt, hat sich AnonymoUS entschieden, 10 ZuschauerInnen jeweils 10 Euro für den Besuch des Stückes zu schenken. Zusätzlich zu einer freien Eintrittskarte. Dieses Angebot gilt für die ersten 10 ZuschauerInnen an der Abendkasse pro Vorstellungsabend.
Dieser Versuch ist eine Weltpremiere. Noch nie hat ein Theater sein Publikum so direkt bezahlt.

in deutscher und englischer sprache

von und mit anonymous pressekontakt k3 berlin

eine produktion von anonymous in kooperation mit dem ballhaus ost
gefördert durch den regierenden bürgermeister von berlin – senatskanzlei – kulturelle angelegenheiten



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