Wunderblock 1
BADIOU / DATH / FALDBAKKEN / FLUSSER
Wunderblock 2
BRASCH / SCHERNIKAU / TURNBULL

Lubricat Theatre Company


WUNDERBLOCK 1
BADIOU / DATH / FALDBAKKEN / FLUSSER

Das Neue ist entsetzlich, und wir selbst sind das Neue. (Vilém Flusser, 1981)

1989. Am Anfang steht der Zufall. Ein tanzender Schauspieler und ein akademischer Monteur treffen aufeinander, sagen „Ja“, tun sich zusammen und bilden eine Gruppe: LUBRICAT. Sie sind Genossen im Haß auf eine ICH schreiende, in jede Ritze dringende Psychologie und Genossen im Glauben an das Formale. Es ist 1989 und sie suchen Raum. Sie träumen davon, über die Bedeutungen zu gleiten, um so den Zumutungen des Realen zu entkommen.
2009. Wir sind nicht entkommen, wir sind verstrickt. Also gehen wir noch einmal zurück auf Los. Wir nehmen Texte von Alain Badiou, Dietmar Dath, Matias Faldbakken und Vilém Flusser in die Hand und eröffnen einen Dialog: Wie können wir den Imperativen der demokratischen Kommunikation und kommerziellen Zirkulation entkommen, die behaupten „Alles ist möglich“, was hinterrücks sagt „Nichts ist möglich“!?

WUNDERBLOCK 2
BRASCH / SCHERNIKAU / TURNBULL

(...) heutzutage darf man niemandem den Kopf streicheln – die Hand wird einem sonst abgebissen. Schlagen muß man auf die Köpfe, unbarmherzig schlagen (...) (Ronald M. Schernikau, 1990)

Alle ziehen um: Der Schriftsteller Thomas Brasch und die Krankenschwester Binz mit dem Knaben Ronald M. Schernikau von der DDR in die BRD, der Schriftsteller Ronald M. Schernikau von der BRD in die DDR, der letzte Ik mit Namen Jo vom Sudan in das neue Deutschland. Schernikau erhält als letzter BRD-Bürger die DDR-Staatsbürgerschaft. Brasch verzichtet ganz auf eine deutsche Staatsbürgerschaft. Jo hat garkeine Staatsbürgerschaft. Alle sind tot. Brasch versagt das Herz und Schernikau stirbt an den Folgen von AIDS. Frau Binz fällt die Treppe runter und von Jo weiß man nur, daß er tot ist.
Als Tote sind sie verdammt, in einer Krypta zu hocken; der letzte Kommunist, der englische Jude, der Neger, die Krankenschwester – gemeinsam von einem 120jährigen pseudokatholischen Polen beobachtet und bewacht. Während Schernikau sich die po-langen Haare mit Hingabe bürstet und Frau Binz Junge komm bald wieder pfeift, schreit Brasch gegen den zugemauerten Eingang, um eine kleine Fuge, einen winzigen Spalt freizusprengen: Du mußt gegen dich selbst schreiben! Schreiben ist Reinigung! Sich offen halten! Sich den Stachel ins eigene Fleisch setzen! Versuchen zu leben, anstatt abgestorben dahinzuvegetieren!

von und mit JUDICA ALBRECHT, SANTIAGO BLAUM, DIRK CIESLAK, ARMIN DALLAPICCOLA, ANNETT HARDEGEN, OLF KNEISSEL, WIEBKE HENSLE, KATHARINA MEVES, LENA MODY, URSULA RENNECKE, MARKETA RICHTEROVA, VOLKER M. SCHMIDT, PAWEL SCHWEJKA, S.R. N’SONDÉ, HENDRIK UNGER

EINE PRODUKTION DER LUBRICAT THEATRE COMPANY IN KOOPERATION MIT DEM BALLHAUS OST

GEFÖRDERT DURCH DEN REGIERENDEN BÜRGERMEISTER VON BERLIN – SENATSKANZLEI – KULTURELLE ANGELEGENHEITEN

DOPPELPREMIERE 14. NOVEMBER
WEITERE VORSTELLUNGEN
15. / 27. / 28. NOVEMBER (WUNDERBLOCK 1 + 2)
17. / 26. NOVEMBER (WUNDERBLOCK 1)
18. / 25. / 29. NOVEMBER (WUNDERBLOCK 2)

20 / 14 EURO BZW. 13 / 8 EURO