Brigitte Reimann besteigt den Mont Ventoux!

Marlene Kolatschny | Jan Koslowski

© Amelie Amei Kahn-Ackermann

Einen Berg erklimmt man man am besten zu zweit. Erst recht einen so windigen! Doch die ideale Begleitung zu finden, das wusste Francesco Petrarca schon 1336, kann sich durchaus als knifflig erweisen. Keiner der guten Freunde erscheint ihm so richtig geeignet: »Der eine ist mir zu träge, der andere zu lebhaft, der ist zu langsam, der zu hastig, der zu trübsinnig, der zu lustig, der hat weniger, und der hat mehr Verstand als mir lieb ist.« Vielleicht lässt man es dann doch darauf ankommen und wartet ab, wen der Zufall noch auf den Gipfel treibt? Bei guten Luftverhältnissen trifft man so auf andere kühne Spezialistinnen des Ankommens, die eine persönliche Rückschau und Sinnsuche bereichern anstatt sie zu stören, denn — jetzt bitte festhalten und nicht umpusten lassen — auch Brigitte Reimann besteigt den Mont Ventoux!
Ausgehend von Petrarcas Bericht seiner Bergbesteigung aus dem 14. Jahrhundert, gekürt zur »Geburtsstunde des Alpinismus«, sowie dem Werk Brigitte Reimanns, die das in der DDR gewachsene Genre der Ankunftsliteratur entscheidend prägte, lädt der Abend ein zu einer Auseinandersetzung mit der Idee des Ankommens, der Zäsur, der Um- und Neuorientierung. Das ungleiche Schriftsteller*innenpaar begegnet sich auf der Bühne als zwei Figuren, welche die Ruhe des Gebirges nutzen wollen, um jeweils auf ihr Leben zu blicken. So entfalten sich in schwindelerregender Höhe zwei Monologe zwischen provenzalischer Natur und sozialistischem Produktionsalltag, die notgedrungen auch zum Zwiegespräch werden.

Jan Koslowski, aufgewachsen in Berlin Prenzlauer Berg, arbeitet als Autor, Regisseur und Schauspieler. Seine Arbeiten wurden u.a. gezeigt am Staatsschauspiel Stuttgart, Schauspiel Magdeburg, Connecting Space Hong Kong, Volkstheater Rostock und der Volksbühne Berlin, am Schauspielhaus Graz sowie Schauspiel Frankfurt und ist Teil der künstlerischen Leitung des Zürcher Hyperlokals, des Wanderbühnenprojekts STAGE sowie der Festspiele am Plötzensee. Er liebt und lebt in Berlin und Marseille.
Marlene Kolatschny, geboren und aufgewachsen in Berlin, studierte Kulturwissenschaft und Deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin, am Goldsmiths College in London sowie an der Università La Sapienza in Rom. Als Autorin und Dramaturgin arbeitete sie zuletzt am Jugendtheater P14 der Volksbühne Berlin, im Rahmen der Masterclass der Ruhrtriennale, am Meyerhold-Theater Moskau, Gare du Nord Basel sowie am LAC (Lugano Arte e Cultura).
Die beiden verbindet eine langjährige Freundschaft und Zusammenarbeit. Zahlreiche Theaterprojekte in verschieden Konstellationen führen sie regelmäßig ans Ballhaus Ost.

Dauer: ca. 75 Minuten
In deutscher Sprache

mit Julius Feldmeier, Larissa Sirah Herden, Lisa Hrdina Künstlerische Leitung, Text Marlene Kolatschny, Jan Koslowski Regie Jan Koslowski Bühne Marilena Büld Kostüme Svenja Gassen Musik Larissa Sirah Herden Dramaturgie Marlene Kolatschny Mitarbeit Regie Justin Franklin-Stokes Bildgestaltung Tara Afsah Produktion ehrliche arbeit – freies Kulturbüro

Eine Produktion von Marlene Kolatschny und Jan Koslowski in Kooperation mit dem Ballhaus Ost. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.