#293 Jenseits der Natur – Volksherrschaft im Garten_Berlin

Club Real

03. November 2019, 20.00 Uhr
»Justizpalast der Volksherrschaft« im Ballhaus Ost


08. September 2019
»Parlament der Organismen« auf der Grünfläche Osloer Str. 107|108, 13359 Berlin-Wedding

29. September 2019
»Tag der Gartenexekutive« auf der Grünfläche Osloer Str. 107|108, 13359 Berlin-Wedding

15 | 10 Euro
Karten

>>>English

Weg mit der Natur! Her mit der Politik! Bei Jenseits der Natur – Volksherrschaft im Garten wird ein Ökosystem zur Demokratie der Organismen: Über 200 Arten von Lebewesen, die eine Grünfläche in der Osloer Straße 107|108 in Berlin bewohnen, werden zu gleichberechtigten Bürger*innen. Wie begegnen sich Pflanzen, Blattläuse und Schnecken im politischen Kontext? Was will das Wolbachia-Bakterium? Wovon träumt der Trauerrosenkäfer? Jenseits der Natur – Volksherrschaft im Garten ist ein Kunstprojekt, das ein Ökosystem als Demokratie behauptet, in der alle Lebewesen eine Stimme haben. Das Bild von Natur als stummer Ressource und kränkelnder Schutzbefohlenen wird durch eine politische Gemeinschaft aller Lebewesen ersetzt.

Was bisher geschah: Im »Parlament der Organismen« kämpften menschliche Vertreter*innen zunächst für die Anliegen der von ihnen repräsentierten nichtmenschlichen Organismen und fassten gemeinsam zahlreiche Regierungsbeschlüsse. Am »Tag der Gartenexekutive« wurden diese Beschlüsse dann in die Tat umgesetzt, um einen Paradigmenwechsel bezüglich der politischen Rechte aller Lebewesen einzuleiten.

Der »Justizpalast« ist das erste Finale des performativen Prozesses. Das Publikum spielt bei diesem immersiven Performanceabend die zentrale Rolle der Geschworenen und entscheidet gemeinsam über zwei eingebrachte Klagen: Die Organismengruppe der Kräuter, Gräser und Stauden verlangt Kompensation für systematische Diskriminierung und weitere Verdrängung an einem für sie ohnehin schon sehr schwierigen Standort (zu schattig) und die Organismengruppe der Weichtiere und Würmer klagt gegen den Verlust von Feuchthabitaten durch die Entfernung des Plastikmülls durch die Exekutive.

Bis zur abschließenden Verhandlung wird es auf dem Gelände der Osloer Straße 107|108 wöchentliche Führungen geben. Mehr Infos werden hier bekanntgegeben.

Die Künstler*innengruppe Club Real verwirklicht seit 2000 partizipative, ortsspezifische Projekte: Installationen, Eins-zu-Eins-Begegnungen, politische Rollenspiele und partizipative Stadtentwicklungsprojekte laden die Besucher*innen dazu ein, alternative Realitätsentwürfe mitzugestalten.
Projekte von Club Real wurden realisiert unter anderem in Berlin, Wien und Plovdiv. Zuletzt entwickelte die Gruppe in Frankfurt/Oder und Słubice im Rahmen von »Folkstheater/Teatr Ludowy« 2015 bis 2017 Praktiken zur kollektiven Kunstproduktion und gab darüber 2018 im Verlag Theater der Zeit das Buch »Partizipation Stadt Theater« heraus.

Dauer: ca. 2 Stunden.
In deutscher und englischer Sprache.

von und mit Club Real (Marianne Ramsay-Sonneck, Georg Reinhardt, Mathias Lenz, Paz Ponce) und Flora Schanda (Allegorie der Volksherrschaft im Garten), Carolin Geisler (Klägerin, Gefleckte Schlüsselschnecke | Discus rotundatus), Johannes Kraak (Kläger, Giersch | Aegopodium podagraria), Lennart Hertz (Gerichtsassistenz), Aurelie Richards (Beratendes Parlamentsmitglied, Rotschopfige Sandbiene | Andrena haemorrha), Evgenia Chetvertkowa (Beratendes Parlamentsmitglied, Hensels Katzenbakterium | Bartonella haensele), Heiner Schücker (Beratendes Parlamentsmitglied, Rötelmaus | Myodes glareolus), Joseph Jelemani (Beratendes Parlamentsmitglied, Bergahorn | Acer pseudoplatanus) Beratender Ökologe Rene Jarling Hörspiel David Lindemann Darstellerinnen Hörspiel Anna Brooks-Beckman, Aurelie Richards Akkordeon Silke Lange English guides Paz Ponce, Daniel Belasco-Rogers Projektassistenz Paulina Schute Ökologische Mitarbeit Carolin Geisler

Eine Produktion von Club Real in Kooperation mit dem Ballhaus Ost und der Bibliothek am Lusienbad. Gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa, spartenoffene Förderung. Mit freundlicher Unterstützung des Kulturamts Mitte.