#324 Mund-Stück (Mouth Piece)

Ant Hampton | Rita Pauls



© Ant Hampton

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Sie wollen Deutsch lernen. Sie trampen durch Deutschland. Sie stellen allen die gleiche Frage: »Was müsste Ihrer Meinung nach mal gesagt werden?«. Sie lernen die Antworten auswendig.
Es war Ant Hamptons und Rita Pauls trotziger und derber Versuch, sich selbst zu integrieren, angetrieben von einer Mischung aus Dringlichkeit, Neugier, Freundschaft und eigener Geschichte. Rita kommt aus Argentinien, ist aber Deutsche, obwohl sie bisher keinen Bezug zum diesem Land hatte. Ant, im Augenblick noch Brite, will europäischer Bürger bleiben.
Bei dieser Frage kamen die Menschen ins Stottern, wichen aus, schimpften, lamentierten und missverstanden auf wunderbare Weise. Wie eine Schallplattennadel in der Landschaft lasen Ant und Rita auf den Straßen diese Stimmen auf, verleibten sie sich sechs Monate lang ein und übten dann, sie zusammen zu sprechen, synchron, wie Musik.
Durch das Wiedergeben aller Atemzüge, Momente des Zögerns und Fehler in den Originalaufnahmen ist Mund-Stück ein witziger, bewegender und beunruhigender Sprechakt geworden, der einen gnadenlos ehrlichen Blick auf die Realität der Assimilation in das heutige Deutschland wirft.

Die Arbeiten des britischen Performancekünstlers Ant Hampton führen die Zuschauer*innen seit 1999 oft durch ungeprobte performative Situationen, die von einer deutlichen Spannung zwischen strengen formalen und strukturellen Elementen und solchen geprägt sind, die im Moment der Aufführung gelebt und verhandelt werden. Seit 2007 entwickelte er kleinformatige, intime Projekte, die den Zuschauer selbst einbezogen, und in Cafés oder im Lesesaal einer Bibliothek stattfanden. Seine letzten Arbeiten verhandeln die Kunst nicht mehr innerhalb eines sicheren oder autonomen Ortes, sondern ermutigen das Publikum, selbst Wagnisse einzugehen, mit realen Konsequenzen. Mit Mund-Stück setzt er diese Strategie fort und geht von sich selbst als Subjekt des Experiments aus.
Die argentinische Performerin und Autorin Rita Pauls lebt in Buenos Aires. Neben Auftritten in Film und Fernsehen hat sie mit Künstler*innen wie Federico León, Dora García, Paula Salomón und Dudú Alcón Quintanilha zusammengearbeitet, wobei sie sich mit Sprache, Intimität und der Suche nach nicht-kontrollierten performativen Situationen auseinandersetzte.

Dauer: 60 Minuten.
In deutscher Sprache.

Konzept, Performance Ant Hampton, Rita Pauls Produktionsleitung Livia Andrea Piazza, Ana Veiga Riscado Transkription, Übersetzung Britt Hatzius, Anna Galt

Eine Produktion von Ant Hampton und Rita Pauls in Koproduktion mit Schauspiel Leipzig, Theater Rampe Stuttgart, Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt und NFT – Netzwerk Freier Theater.









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