Wie kann ich durchdrehen und dabei trotzdem sympathisch rüberkommen?!
Mit ihrer Musik verhandelt Verena Unbehaun das aktuelle Gefühl des Lost-Seins: Frühere, nur vermeintlich verlässliche, aber bis heute tief verwurzelte Werte ihres linken Elternhauses sind in Auflösung begriffen, waren aber auch schon damals, in der Kindheit, viel schöner Schein. Die »heile Welt« des Opas aus Lüneburg mit seinen Operettenkompositionen – der Gegenentwurf und ebenso Schein – rettete sie als Kind über familiäre Krisen. Diese komische Mischung aus leichter Muse und verkopften Idealen des 68er Lehrer-Vaters (er war seinerseits Friedenslieder- und »AKW-nee«-Komponist), bildet die Ambivalenz in Verena Unbehauns Songtexten und ihrer Performance.
So verwirrend es immer schon war, zwischen gestern und vorgestern eine verlässliche Wahrheit zu finden: Gut, dass jetzt daraus Musik wird. Und alle zusammen an der Bar sitzen und Bier trinken. Manche in Eierkostümen.
Das Duo Unbehaun (Sängerin / Texterin Verena Unbehaun und Musiker Stefan Hillebrand) tut sich mit Patrick Wengenroth (Performer / Regisseur) zum Konzert zusammen – ganz wie zu »Planet Porno« – Zeiten am TD, HAU, Sophiensäle, Schaubühne – um gemeinsam einen Abend zwischen Irrsinn, Tiefe und Trivialität zu feiern.