Epilog:Abriss

»Die Zerbrechlichkeit oder Hinfälligkeit des menschlichen Daseins als Maßstab zu nehmen bedeutet, grundsätzlich von einer zeitlichen Beschränkung sowie der physischen Unstetheit aller Erscheinungen auszugehen. Weil die Kunst hingegen traditionell für sich den Anspruch erhoben hat, unvergängliche Formalisierungen zu gestalten, galt sie auch immer als apotropäische Geste gegen die Vergänglichkeit. Als Ort, an dem Körper, in eine visuelle Form übertragen, verstetigt werden können, hält die Kunst der Gewissheit, dass alle Leiblichkeit, dem Prozess der sterblichen Zersetzung ausgeliefert ist, eine Vorstellung von Dauer entgegen.« (Elisabeth Bronfen aus »Vergänglichkeit im Blickfeld«)

»Epilog:Abriss« führt uns in einen Raum, den wir im Leben nie sehen werden. Der nach unserer Zeit kommt, der sich mit dem Versuch beschäftigt, sich von seinem Besitz, dem Leben und dessen Umständen, zu trennen und der Kunst zu verschreiben. »Epilog:Abriss« soll das Publikum durchdringen, alle Sinne ansprechen, das Draußen vergessen machen, den Konzertraum zu einer neuen in sich geschlossenen Welt werden lassen. »Epilog:Abriss« soll mehr einen Zustand evozieren, denn einen zeitlich begrenzten Abend, die vielen dystopischen Formen der Gegenwart in eine utopische Idee von Zukunft verwandeln. Dabei werden verschiedene Revolutionen durchlaufen, in denen die Zuschauer*innen gemeinsam mit den Musiker*innen nach und nach die Kontrolle verlieren, sich mehr verabschieden müssen, um sich in eine morphende-transformierende Masse zu verwandeln und den Blick zu öffnen, für die Ungewissheit der Zukunft.

LUX:NM contemporary music ensemble berlin ist ein Solist*innenensemble für Neue Musik, das sich seit seiner Gründung 2010 innerhalb kurzer Zeit zu einem international gefragten Ensemble entwickelt hat. Das undirigierte Ensemble widmet sich der Interpretation zeitgenössischer Musik und versteht sich zugleich als Initiator neuer Werke. Intensive Ensemblearbeit und enge Zusammenarbeit mit Komponist*innen ermöglichen außergewöhnliche Projekte, in denen Elektronik und genreübergreifende Ideen ihren Platz finden.

Die Vier in der Nähe

Du bist eine Person, wir sind vier. Du bist Zuschauer:in, wir sind Theater. Unsere Sehnsucht nach Nähe wandeln wir in ein lustvolles Spektakel nur für dich. Zusammen sind wir nah, wir sind keine Familie, nicht verheiratet und auf gar keinen Fall zu zweit. Zu viert bewegen wir uns ekstatisch und innig umeinander. Wir stoßen aneinander, wir reiben uns, wir wärmen uns gegenseitig – aber berühren tun wir uns wahrscheinlich nicht. Lange haben wir uns nur selbst gepudert, unergründliche Organismen in unseren Hautritzen erforscht und mit unseren Tränen den Abstand zwischen uns überwunden. Nach dieser ewig langen Zeit kommst du dazu. Und so performen wir exklusiv für dich die Auflösung jeglicher Exklusivität.

»Die Vier in der Nähe« ist eine Performance von Hysterisches Globusgefühl für nur eine Person im Publikum. In dem zwanzigminütigen Beziehungs Quickie suchen die vier Performer:innen nach Möglichkeiten eines grenzenlosen solidarischen Miteinanders und lassen sich selbst und ihre Beziehungsvorstellungen mutieren. Sie versuchen verzweifelt eins zu werden und drehen sich gemeinsam für eine einzige Person um Fragen, die sie immer aber nun mehr denn je beschäftigen und berühren. Was bedeutet es grundsätzlich miteinander in Kontakt zu treten? Wie können wir weicher werden? Und: wie bitteschön können wir vier Menschen auf einmal in die Augen schauen? Die Arbeit ist in Berlin im November-Lockdown 2020 in der 4. Etage des Ballhaus Ost entstanden.

Hysterisches Globusgefühl ist ein queer-feministisches Performancekollektiv aus Berlin. In ihren Arbeiten bewegen sich die Performer:innen an der Schnittstelle zwischen Kunst und politischer Aktion. Formen des Protests und Ästhetik der Subkulturen werden bei Hysterisches Globusgefühl verfremdet, auf ihre Grundformen reduziert und daraus neu entworfen. Antrieb ist die Suche nach alternativen Möglichkeiten, sich angesichts der diffusen politischen Verhältnisse zu positionieren. Die Frage nach bewusstem Handeln, politischer Interaktion und was Politik eigentlich ist oder sein könnte steht dabei im Zentrum ihrer Arbeit. Hysterisches Globusgefühl formierte sich erstmals 2011 und arbeitet seit 2016 am Ballhaus Ost.

Name Her. Eine Suche nach den Frauen+

»Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, wird man an mich erinnern.«
Katherine Briçonnet (ca. 1494–1526), Bauleiterin des Château de Chenonceau, Loiretal

»Name Her. Eine Suche nach den Frauen+« ist die archäologische Mission einer alternativen Geschichtsschreibung aus weiblicher* Sicht. Die Long Durational Performance bildet ein performatives Lexikon prägender Frauen* und rückt dabei jene in den Mittelpunkt, die bislang einen blinden Fleck der Historiografie darstellten, um sie alle beim Namen zu nennen: Weibliche* Comicfiguren, Künstlerinnen*, Wissenschaftlerinnen*, Mütter*, Urgroßmütter*, Märtyrerinnen*, Spioninnen*, Kriegerinnen*, Herrscherinnen*, Aktivistinnen* und Superheldinnen*. »Name Her.« sucht und findet sie – unabhängig vom sozialen oder kulturellen Hintergrund, von A bis Z, in Form hunderter Schicksale aus der Weltgeschichte. Entstanden durch monumentale Recherchearbeit präsentieren Marie SchleefAnne Tismer und Jule Saworski ein lebendiges Wissens-Triptychon aus YouTube-Schnipseln, Gewinnspielen, Reenactments, getanzten mathematischen Formeln – und den Lücken derjenigen Quellen, die endgültig verschollen sind.

Beim Anblick des Urknalls

Hysterisches Globusgefühl zieht sich selbstbestimmt aus dem politischen Leben zurück. Auf der Suche nach einer Utopie, die alles auf null setzt und einen politischen Neuanfang ermöglicht, begleitet das Publikum das Performance-Kollektiv auf die Suche nach einer unspezifischen und allumfassenden Einsamkeit. Wenn schon Rückzug, dann richtig! Wenn Rückzug, dann radikal. »Beim Anblick des Urknalls« besteht aus zwei Teilen. Teil 1 wird als Video im öffentlichen Raum des Internets gezeigt. Für den 2. Teil arbeitet Hysterisches Globusgefühl das erste Mal in seinem 10jährigen Bestehen mit der Form der Videoinstallation.

Hysterisches Globusgefühl ist ein queer-feministisches Performancekollektiv aus Berlin. In ihren Arbeiten bewegen sich die Performer:innen an der Schnittstelle zwischen Kunst und politischer Aktion. Formen des Protests und Ästhetik der Subkulturen werden bei Hysterisches Globusgefühl verfremdet, auf ihre Grundformen reduziert und daraus neu entworfen. Antrieb ist die Suche nach alternativen Möglichkeiten, sich angesichts der diffusen politischen Verhältnisse zu positionieren. Die Frage nach bewusstem Handeln, politischer Interaktion und was Politik eigentlich ist oder sein könnte steht dabei im Zentrum ihrer Arbeit. Hysterisches Globusgefühl formierte sich erstmals 2011 und arbeitet seit 2016 am Ballhaus Ost.

Appointment on stage

»Appointment on Stage«, ein choreografisches Rendez-Vouz mit dem „Anderen“ und eine Begegnung mit sich Selbst.

 5 Performer*innen unterschiedlicher Generationen und Nationalitäten beginnen den Körper als fühlend-denkende Einheit zu akzeptieren.

 

Angela Lamprianidou, geboren in Griechenland, studierte Choreogrpahie und neue Techniken der Interpretation am »Institut del Teatre« in Barcelona, wo sie bis vor kurzem lebte und arbeitete. Sie kollaborierte mit Theatern wie dem Mercat de les Flors, dem National Theater von Catalonien, sowie mit der Underground & Off Szene.