Das Drag-Theaterstück LINEAGE beleuchtet queeres Erbe – einer Herkunft, die sich den Normen der Blutsverwandtschaft entzieht und Menschen durch ähnliche biografischen Erfahrungen verbindet. Corazón, AzulySuave, Bala BimBamBum, Na Fallera Fatal und Papi Pistola begeben sich auf eine emotionale Reise und erkunden das Leben der Ikonen, die das Rückgrat der LGBT+-Kultur(en) bilden. Im Laufe der Show entführt Corazón das Publikum mithilfe musikalischer und visueller Darbietungen zu Meilensteinen queerer Beziehungen. Ausgehend von der geisterhaften Präsenz ihrer Großmutter durchlebt sie die Ikonen Rampova, Almodóvar und Grace Jones und behandelt dabei Themen wie das Exil von LGBT+-Personen, Subversion im Nachtleben, Folklore und den Einfluss der Religion als Kultur. Corazón ist eine valencianische Drag-Künstlerin und Bühnenbildnerin, die in Berlin lebt. Sie bringt ein Ensemble Drag-Künstler*innen aus der spanischen Drag-Szene zusamen: Von Punk bis Glamour zeigen sie ihre eigene queere Realität in Valencia, Barcelona, Cuenca und Madrid.
Archiv: Produktionen
Sancha Laura
Die erste zufällige Begegnung: Beatriz kommt am Bahnhof Friedrichstraße in der DDR an, die schwangere Laura übergibt sich. Die zweite: Laura sieht Beatriz’ Zirkusauftritt und schreibt einen feministisch-kritischen Brief. Im hochmittelalterlichen 12. Jahrhundert, enttäuscht von den patriarchalen Strukturen ihrer Zeit, lässt sich die professionelle Minnesängerin Beatriz de Dia von Persephone in einen 810-jährigen Dornröschenschlaf versetzen. Sie erwacht bereits im Jahr 1968, als ihre Burg in Südfrankreich von einer Autobahn platt gemacht werden soll und in Paris die Unruhen der Studentenbewegung toben. Beatriz hatte gehofft, in einer Ära des gesellschaftlichen Fortschritts und der Verwirklichung der dritten Welle des Feminismus zu landen – zu früh gefreut. Aus einem Frankreich, das seine revolutionären Versprechen nicht einhält, fliegt Beatriz auf dem Rücken der schönen Melusine in die DDR. Dort begegnet sie der Philologie studierten S-Bahn Triebwagenführerin Laura Salman, die Beatriz’ sehnsüchtig gesuchte Spielfrau wird…Inspiriert von der Schriftstellerin Irmtraud Morgner verbündet sich SANCHA LAURA mit zwei ungleichen Frauen aus scheinbar längst überholten Zeiten – dem Mittelalter und der DDR – die sich mit dem uneingelösten Versprechen einer emanzipatorischen Zukunft herumschlagen und gemeinsam zu einer poetisch-wilden Aventüre aufbrechen. Das Musiktheaterkollektiv Hauen und Stechen entwickelt seine Arbeiten in Kellern und auf Opernbühnen und arbeitet seit 2012 an einem radikal zugänglichen Musiktheater. Es vereint in seinen Arbeiten prominente und verborgene Musiken verschiedener Stilrichtungen mit Einflüssen aus Schauspiel, Oper, Film, Philosophie, bildender Kunst und Performance. www.hauen-und-stechen.com
Tänze fast vergessener Geister
»Es ist nun mal eine unverwüstliche Überzeugung, dass Liebe irdisch ist, bleibt und sein wird – denn der Tod kann nicht küssen.«– Liddy Bacroff Die interdisziplinäre Performance beginnt auf den Spuren der trans* Künstlerin und Sexarbeiterin Liddy Bacroff, die im Nationalsozialismus ermordet wurde. Die Hamburger Choreografin René*e Reith folgt jenen Geistern, die Besitz von einem ergreifen, jenen, die man selbst hinterlässt, und jenen, die rastlos zu einem zurückkehren, weil etwas unvollendet geblieben ist. »Tänze fast vergessener Geister« eröffnet dem Publikum einen Raum, in dem die eigenen Körper und Bewegungen zu Trägern von Erinnerung und Imagination werden. In einer interaktiven Performance verbindet René*e Reith und ihr Team zeitgenössischen Tanz und biografische Performance. René*e Reith promoviert im Rahmen eines künstlerisch-wissenschaftlichen PhD Projektes an der MUK in Wien zu der Inszenierung von transness im zeitgenössischen Tanz und Performance. Auf der Bühne stehen Heinrich Horwitz, Géraldine Schabraque, Tubi Malcharzik und Alexander Hahne, deren performative Handschriften Tanz, Gesang und Performance zu einem vielschichtigen Erinnerungsraum verbinden. Sie alle sind Expert*innen ihrer Kunst und verfolgen seit mehreren Jahren durch ihre eigene trans Perspektive in Aktivismus, Bildung und Performance patriarchale und hegemoniale Strukturen zu kritisieren und gleichzeitig die Sichtbarkeit und Rechte von trans Personen zu stärken.
Infinity 2026
So many adventures couldn’t happen todaySo many songs we forgot to playSo many dreams swinging out of the blueWe’ll let them come true - Alphaville Es ist spät geworden und plötzlich kommt da ein Lied, dein Lied! In deinem Kopf bricht ein Staudamm, Gefühle und Euphorie überfluten dich. Endlich! Du hebst ab! Kaum ein kulturelles Produkt vermag derart zu emotionalisieren wie die Musik. Ob während eines Konzerts, auf einer Autofahrt oder allein im Jugendzimmer – die geteilten und ganz individuellen Gefühle, die wir durch Musik erlebt haben, sind in uns eingebrannt. Gleichzeitig wird gerade Popmusik als oberflächliche Kunst rezipiert und wenn im Theater ein emotionalisierender Hit gespielt wird, ist das nicht selten ironisch. vorschlag:hammer haben 16 Jahre lang an der Rampe erzählt und erzählt und nun ist es Zeit für einen Unterbruch: Gesine, Stephan und Kristofer gönnen sich für eine Inszenierung die Emotionen des Pop. In der Tanzschule ihrer Jugend stellen sie die Showtreppe auf und inszenieren ein Konzert mit ganz großen Hits. Über mindestens 10 Songs von System of a Down und Adele bis Rondo Venziano gehen die drei der Frage nach, wie und wann gute Unterhaltung gelingt. Schaffen Sie es, einen Abend zu erzeugen, der magical ist? Sie referieren auf große Momente und kleine Gesten aus dem Kanon der Popkultur oder der persönlichen, nächtlichen Autofahrt. Sie versuchen zu berühren und gönnen sich Theater der Peinlichkeit. Das große Ziel: Katharsis. Mit Pathos und Wehmut feiern sie das, was ist, was war und was hätte sein können. Sie singen Power Ballads und teufelsgeigen, machen Standardtänze, sitzen am Schlagzeug und spielen Power Metal. Zwischen Konzert und Videoclip, Fernsehshow, Tanztheater und der zarten Ausgelassenheit des Abrockens im eigenen Wohnzimmer versuchen sie so sich und das Publikum echt und ehrlich zu berühren und gönnen sich dabei auch Momente der Peinlichkeit. Ein Pop Abend voller Gefühle, der nach Unendlichkeit und gemeinsamen Momenten der Freiheit und Losgelöstheit sucht. vorschlag:hammer entwickeln seit 2009 als Kollektiv Theaterproduktionen. Ihr performatives Erzähltheater hat sich in den vergangenen Jahren für unterschiedlichste ästhetische Strategien geöffnet, zu visuell-atmosphärischen oder körperlorientierten Arbeiten. Dabei adaptieren sie sowohl frei bereits existierende Stoffe oder entwickeln recherchebasierte Inszenierungen zu immer neuen Themenfeldern.
9. Parlament der Organismendemokratie
Seit 2019 besteht die Organismendemokratie auf einer Grünfläche im Wedding. Sie versteht sich als politisches System, in dem alle Lebewesen Bürger*innen mit gleichen Rechten und gleichem Anspruch auf politische Teilhabe sind. Am 6.6. tagt das Parlament der Lebewesen und entscheidet, wie es mit der Fläche weitergeht. Kommt vorbei und diskutiert mit! Im Anschluss: Ausklang an der Dschungelbar. Die Künstler*innengruppe Club Real entwickelt seit 2000 ortsspezifische Projekte. Installationen, politische Multispezies Formate und partizipative Stadtentwicklungsprojekte laden Besucher*innen dazu ein, alternative Realitätsentwürfe mitzugestalten.
Unsere kleine Farm
Das Helmi Puppentheater macht endlich »Unsere kleine Farm«, nach dem berühmten Buch von Laura Ingalls und der gleichnamigen TV-Serie aus den 70er Jahren! Wahnsinn, eine Farm mitten in der Natur zu gründen, mit einem Haufen kleiner Kinder und kaum Erfahrung. Es gab so wenig Vertrauen in unserem Leben, aber hier ist alles anders. Die Natur ist wunderschön, das Schwein ist riesig geworden und es gibt zwei junge Esel, leider sind beide männlich. Dazu die gute Luft und die Ruhe. Dann das Familienleben und die Fremden, also die Nachbarn – aber für die Nachbarn sind wir ja die Fremden – und von den Fremden gibt es auch verschiedene Sorten, einige scheinen schon länger da zu sein. Wo wir genau sind, wissen wir nicht. Es könnte Wyoming sein oder die Uckermark. Warum sind all die Leute hier? Wovor sind sie geflohen? Bei diesem neuen Helmi-Projekt wird es sich auch um eine radikale Konfrontation handeln. Hier knallt Traum auf Realität, Fakten auf Fiktion, Deutschland auf sich selbst. Die Schönen auf die Hässlichen. Wir haben genug Puppen und Lieder, um es auszuhalten. Das Expeditionsteam wird erweitert durch Leute, die über intensive Extremerfahrungen verfügen: Peter Frost, Tania Elstermeyer, Silke Schönfleisch und Johnboy, der Hund. Wir nähern uns dem Walnuss-Hain ganz unvoreingenommen! Das Helmi Puppentheater produziert seit vielen Jahren im Ballhaus Ost im Helmholtzkiez sowie in vielen anderen (öffentlichen) Räumen. Das Expeditionsteam wird erweitert durch Leute, die über intensive Extremerfahrungen verfügen: Cora Peter Frost, Tania Elstermeyer, Silke Schönfleisch und John-Boy, der Hund.
Epiclogue
»Epiclogue« präsentiert Anfänge, Erzählungen, Geschichten und formt neue Mythen. Die Tänzer*innen Jonathan Ibsen und Bjørk-Mynte Paulse erobern Raum für den queeren Körper – stark, sichtbar und dominant. Die Performance fragt, was es bedeutet – oder kostet –, sich Raum zu nehmen, der anderen selbstverständlich zugestanden wird. Aus den Perspektiven einer trans Frau of Color und eines weißen schwulen Mannes hinterfragen sie die Welt, in der sie leben, und stellen Fragen zu Geschlecht, Sexualität und Identität in einen größeren Kontext. Indem sie die Rolle des Verletzlichen ablehnen, entwerfen Køteren og Terrieren eine spekulative Realität, in der dominante Normen nicht mehr existieren. Sie suchen nach Möglichkeiten im Spannungsfeld zwischen dem, was ist, und dem, was hätte sein können. In »Epiclogue« entstehen intime Begegnungen, in denen Körper durch Liebe, Fürsorge und Vertrauen zueinander Mut und Willen finden. Kjøteren og Terrierens künstlerisches Interesse gilt der Herausforderung und Hinterfragung gesellschaftlicher Normen. Mit Neugier und einer ungefilterten Ästhetik nähern sie sich Fragen, die uns alle betreffen – auf ungebändigte Weise. Ihr Ziel ist es, durch Choreografie und die Inszenierung unserer Realität zu begeistern, herauszufordern und Dialoge anzuregen. Im Anschluss an die Vorstellung am 29.5. findet ein Publikumsgespräch statt. Das Gespräch wird auf Englisch stattfinden.
Antisex
Iokaste verspürt ein Unbehagen. Ihr Sohn Ödipus, der seit Jahrtausenden dauernd mit ihr schlafen will, hat sich vervielfacht, und jetzt will die ganze Welt sie ficken. Das Gesetz des Vaters gibt es nicht mehr (der Pisser ist einfach abgehauen), und auch am Inzestverbot rütteln die Jungen Liberalen schon seit 2020. Nur ob Iokaste eigentlich Lust hat, mit ihrem Sohn zu schlafen, danach hat nie jemand gefragt. Frustriert macht sich Iokaste auf die Suche nach einer eigenen Subjektposition, doch trifft stattdessen: eine Gruppe Cheerleader, die nicht mehr wissen, wen sie eigentlich anfeuern. Ein Polycule, das sie unbedingt inkludieren will. Und ein paar junge Männer, die glauben, der biologische Körper sei die Lösung.ANTISEX untersucht das Thema Begehren im Spätkapitalismus und fragt insbesondere nach der Rolle der Frau: Was sind die Kehrseiten eines (Dating-)Marktes, auf dem alle immer verfügbar sein müssen? Warum boomt die Sexindustrie mit fetischisierenden Darstellungen von »MILFs«, während die reale Arbeit von Müttern unsichtbar gemacht und abgewertet wird? Und was für ein Begehren steckt hinter dem antifeministischen Backlash? Wünschen wir uns alle unseren Daddy zurück? Hampel / Helbig / Kießling macht Theater gegen die große Geste. Mit feministischem Anspruch und ihrem 4 Meter hohen Bühnenbild betritt die frisch gegründete GbR die Freien Szene und spricht erst mal… über Sex. Oder: sich gegen den bestehenden aus.
Liquid Bodies
In ihrer Trilogie »Open Water« untersucht die Glitch AG über drei Jahre das utopische Potential von Wasser im Hinblick auf unser gesellschaftliches Miteinander. Die Relaxed Performance »Liquid Bodies« bildet den Auftakt dieser Reihe, in der vier Performerinnen der Glitch AG gemeinsam mit dem Publikum eine aquatische Gemeinschaft bilden, um das Thema Fürsorge in den Fokus zu rücken. Denn Wasser verbindet alle Körper, die Wasser in sich tragen. Wasser erinnert, speichert, vergisst, migriert und zirkuliert. Mit Schlagwerk und Piano, Aquaphone und Flüssigkeiten in und um uns herum erfahren wir unsere wässrige Verbundenheit. Wasser berührt, umspült, dringt ein. Wir essen Algenpopcorn und verweilen, tragen andere Wasserkörper und Verantwortung füreinander, werden zu singenden Sirenen, bewegen uns miteinander durch den Raum, als ozeanische Wirbel, flexibel in unseren Identitäten, wandelbar, einander durchdringend und empathisch. Raha Emami Khansari, Eva-Maria Glitsch, Anna Hubner und Christine Kristmann sind das Hamburger Performancekollektiv Glitch AG. Seit 2016 produzieren sie Theater- und Tanzperformances, Hörspiele sowie Beteiligungsformate und Interventionen im öffentlichen Raum.
Mitternacht. Sendung aus dem Sperrgebiet
Eine Piratenradiosendung im Sperrgebiet der DDR sendet nachts Sinti-Stimmen. Im Inneren der Station entsteht über Jahre hinweg eine heimliche Übertragung. Gespräche, Lieder und fragmentierte Erinnerungen lagern sich übereinander. Während draußen Sperrgebiet und Todesstreifen die Landschaft entlang der innerdeutschen Grenze prägen, entwickelt sich eine Radiotransmission, die nie Teil der offiziellen Archive wurde.»MITTERNACHT. Sendung aus dem Sperrgebiet« ist ein lyrisches Drama über Sinti-Lebensrealitäten in Ostdeutschland während des Kalten Krieges. Ausgangspunkt der Inszenierung sind Interviews, Archivmaterial und familiäre Erinnerungen, aus denen dokumentarische und poetisch-fiktionale Szenen entwickelt werden. Aus Stimmen, Klang und Archiv entsteht ein Theaterabend über Widerstand, Gemeinschaft und Erinnerung. CAT Jugravu und das Rom*nja Theaterkollektiv / Kelipen e.V. entwickeln Theater an der Schnittstelle von Performance, Archivarbeit und Erinnerungskultur. Im Zentrum stehen Perspektiven von Sintizze und Rom*nja sowie dokumentarisch-performative Formen, gesprochen und gesungen überwiegend in Romanes.