Mariannes großes Debüt

Ein unvollkommener Theaterabend wird zum Spiegel innerer Umbrüche: Marianne träumt von einem glamourösen Debüt als weibliche Ikone im Rampenlicht – mit Tanz, Gesang und atemberaubenden Kostümen. Doch das Publikum kommt zu früh und begegnet Marianne nicht im Glanz der Perfektion, sondern in Verletzlichkeit und Unsicherheit. Obwohl die Umstände widrig sind, hält Marianne an ihrem Traum fest. Dabei wird das Unfertige zum zentralen Element: Es eröffnet einen Raum, in dem Sehnsüchte, Nöte und die komplexen Verflechtungen queerer Identität verhandelt werden. Paul Marianne Furtwängler, geboren 1999 in München, schloss 2025 den Master »Expanded Theatre« an der HKB Bern ab. Deren Fokus liegt auf der Schnittstelle von Schauspiel, Bewegung und queeren Erzählformen. Vor der Aufführung am 29.9. eröffnen die Kurator*innen das Festival mit einer kurzen Rede. Nach dieser Aufführung findet auch ein Publikumsgespräch statt und noch ein paar Überraschungen erwarten euch mit einer Performance von Mohamad Moe Sabbah und Musik. »Mariannes größes Debüt« ist Teil des Le Lampenfieber 2026 Festival »Are We A Thing?«.

Buster, my love

Elise und Sarah, beide in den 90ern geboren, durchsuchen, durchwühlen und verfälschen ihre jeweilige Kindheit, um deren Fäden aufzurollen und ihre eigene Mythologie der Liebe zu erschaffen. Bewaffnet mit Neugier und einer Prise Wahnsinn begeben sie sich auf eine unerschrockene Reise in ihr Inneres. Als Schreibgefährt*innen begleiten sie Carmen Maria Machado mit ihren Reflexionen über verschmelzende Liebesbeziehungen und Gewalt in gleichgeschlechtlichen Paaren, Yann Andréa mit Texten über seine verzehrende Liebe zu Marguerite Duras, sowie Dorothy Allison und ihr Denken über das Entstehen von Begehren. Sie weben ein komplexes Gewebe aus Autofiktion und einem großen bewussten Traum, der von Lyon nach Grenoble führt, von Forks bis nach Transsilvanien. Ihre Geschichten vermischen sich zu parallelen Chronologien, zu Leben, die sie gerne gelebt hätten, und zu anderen, die sie auflösen möchten. Im Hintergrund stets diese Frage: Wie können sie sicher sein, am Ende gemeinsam am selben Strand zu landen? Die Compagnie troisbatailles wurde 2022 von Sarah Delaby-Rochette in der Drôme gegründet und ist seit 2024 für drei Jahre an die Comédie de Valence assoziiert. Sie arbeitet an zeitgenössischen Texten und fiktionalen Erzählungen über ländliche Räume und stadtnahe Übergangszonen, in enger Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Autorinnen und Autoren. Zu ihren Produktionen zählen Dany coiffure (2021, Solo mit Gaïa Oliarj-Inés), Gloria Gloria von Marcos Caramés-Blanco (2023, Prix Incandescences und Prix Prémisses 2022), Buster, my love mit Élise Martin (2024, u. a. am Théâtre de l’Athénée Louis Jouvet) sowie A sec von Marcos Caramés-Blanco (2025, Comédie de Valence). Nach der Aufführung am 30.9. findet ein Publikumsgespräch statt. »Buster, my love« ist Teil des Le Lampenfieber 2026 Festival »Are We A Thing?«.

Le Grand Soir

Mille und Alissia haben viel gemeinsam: Lesbentum und Väter, die Tausende von Kilometern entfernt in einst-kommunistische-nun-kapitalistische-Diktaturen Ländern leben, sowie eine Vorliebe für rohe rote Paprika. In dieser chinesisch-russischen Version von »Les Misérables« trifft auf »Never Have I Ever« laden sie euch zu einer lebhaften, bissigen und ehrlichen Feier von Vaterkomplexen, queeren Freundschaften, kommunistischer Geschichte … und mehrsprachiger Vergebung ein. Freut euch auf physisches Theater, Gesangsrituale, russische Gurken, chinesischen Tee und dramatische PowerPoint-Präsentationen, während sie ihre Beziehungen zueinander, zu ihren Vätern und zur Politik erkunden. Seid ihr bereit für die Reise? Unter der Leitung von Mille Zhong und Alissia Pervozvanski-Dangles hat sich das Ensemble 88 mètres/seconde zum Ziel gesetzt, mutige, ambitionierte, lesbische und dekoloniale Werke zu schaffen, die physisches Theater und experimentelle Performance miteinander verbinden, um sich für radikale Repräsentation, Heilung und politischen Wandel einzusetzen. Nach der Aufführung am 1.10. wartet eine Überraschung auf euch.Nach der Aufführung am 2.10. findet ein Publikumsgespräch statt. Das Ensemble 88 mètres/seconde leitet in dieser Woche auch die Schreibwerkstatt »Famili(es) – a writing workshop«.Sowohl »Famili(es) – a writing workshop« als auch »Le Grand Soir« sind Teil des Le Lampenfieber 2026 Festival »Are We A Thing?«.

Rapport sur ma vie antérieure de femme noire

Zu schwarz für die Theaterwelt, zu weiß für meine Mutter – ich habe die Bühne als Ausweg gewählt. »Bericht über mein früheres Leben als schwarze Frau« ist eine hybride Solo-Performance, die Tanz, DJing und Märchen miteinander verbindet. An den Turntables dekonstruiere ich afro-elektronische Klänge, von Amapiano bis Gqom, um von einer doppelten Existenz und ihren Widersprüchen zu erzählen. Massandje Sanogo ist Performancekünstlerin, Autorin und Regisseurin. Ihre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Körper, Klang und Bild und stützt sich auf das Körpergedächtnis und die Improvisation. Ausgehend von intimen Erzählungen, die mit schwarzen und afro-stämmigen Identitäten verwoben sind, verbindet sie individuelle Erfahrungen und gemeinsame Erzählungen.  Nach der Aufführung am 04.10. findet zusätzlich die kurze Drag-angelehnte Solo-Performance von Marilyn Nova White »You Are Hired #3« über Arbeit, Identität und Selbstermächtigung im Spätkapitalismus statt.Am 4.10. leitet Massandje Sanogo zudem das Stimmlabor »Oxygènes Workshop«. Sowohl »Rapport sur ma vie antérieure de femme noire« als auch »Oxygènes Workshop« sind Teil des Le Lampenfieber 2026 Festival »Are We A Thing?«.

Best Compilation Ever

Liebe Freund*innen der unkomplizierten Unterhaltung!Wir bieten euch genau das, nach dem ihr im Internet gesucht habt!»Best Compilation Ever« macht seinem Namen alle Ehre: Es ist eine Kiss Kiss Kiss-Parade – eine umwerfende Abfolge von Sensationen!Was sich entfaltet, ist ein lebendiges Spektakel aus Näherkommen und Zurückziehen: flüssig, ungezügelt und köstlich ungelöst. Eine magische Show intimer Neugier, in der sich das Verlangen nicht festlegen lässt und keine Erwartungen gestellt werden. »Best Compilation Ever« setzt sich mit der Logik der Kompilation auseinander – einem Format, das aus YouTube, TikTok oder der Pornografie bekannt ist, wo lose miteinander verbundene Höhepunkte ein Genre bilden. Die Kategorie lautet KÜSSEN. Obwohl das Küssen an sich keinen Höhepunkt hat, wird es oft als vertraglicher Abschluss inszeniert: das sprichwörtliche »Happy End«, ein konsumierbares Bild. Doch im Akt selbst schließen sich die Augen, und die Aufmerksamkeit wendet sich vom Visuellen ab. Durch Improvisation und Wiederholung verwandeln die Performer*innen den Höhepunkt in eine andauernde, sich ausdehnende Begegnung. Zwischen Bild und verkörpertem Prozess suchen sie nach einer performativen Sprache des Begehrens, die kapitalistische Logiken der Kommodifizierung destabilisiert und sich Wiederholung als Ort des Widerstands wiederaneignet. »Best Compilation Ever« ist eine Performance von Livi Scheucher in Kollaboration mit der Schauspielerin Thea Ehre und der Soundkünstler*in Kirikou Gueye. Nach der Vorstellung am 3.10. gibt es eine Performance von Mohamad Moe Sabbah.Nach der Vorstellung am 4.10. findet ein Publikumsgespräch statt.Und an beiden Abenden lassen wir’s danach mit Musik ausklingen. Bleibt doch noch ein bisschen, auf einen Drink und ein Tänzchen mit uns! »Best Compilation Ever« ist Teil des Le Lampenfieber 2026 Festival »Are We A Thing?«.

Smelling Gossip

Eine performative Lagerfeuer-Installation für Menschen ab 10 Jahren Am Lagerfeuer knistert es, es riecht nach Rauch, nach Wald, süßlich, verbrannt. Es wird erzählt, vermutet, gesponnen und weitergegeben. Doch was liegt hier in der Luft – und was entsteht erst beim Weitererzählen?Gemeinsam entzünden wir ein Kunstlagerfeuer und kochen eine Gerüchtesuppe: Holz wird nachgelegt, Stockbrote und Folienkartoffeln wandern durch den Rauch, Gerüche verbreiten sich – warm, nah und voller Spannung. Geschichten machen die Runde: kleine Beobachtungen, Behauptungen, Gerüchte. Manche verändern sich, andere bleiben hängen.Zwischen Qualm, Klängen und flackerndem Licht entsteht ein kollektives Gerücht, Satz für Satz, Duft für Duft. Wir erzählen ja so gerne Dinge weiter! Doch schnell entsteht ein Urteil. Was braucht es, damit aus Raunen und Geflüster nicht plötzlich Wirklichkeit wird? Wie schnell wird aus einem Gerücht etwas, das man nicht mehr zurückdrehen kann?Ein Spiel am Feuer über soziale Dynamiken, Hörensagen, Ausgrenzung und Gemeinschaft. Sebastian Mauksch & Team entwickeln Theater als Erlebnis- und Erfahrungsraum für Kinder und Jugendliche. Im Zusammenspiel aus Schauspiel, Text, Bildenden Künsten, Sound und Technik erkunden sie mit dem Publikum gesellschaftliche Fragen und laden dazu ein, eigene Haltungen und Handlungen zu erproben.

True Romance

Wie viel bist du bereit, für die Liebe zu geben? »True Romance« nimmt das Publikum tief mit ins Herz des Pig Butchering  – der härtesten Form digitalen Liebesbetrugs. Es ist ein milliardenschweres Geschäft mit perfekt konstruierten emotionalen Drehbüchern: Über endlose Nachrichten wird eine echte und schöne Beziehung verkauft, die verdammt beste Beziehung, die du je haben wirst! Und die kostet eben was. Bis dein Konto leer ist. Bis alles weg ist, was du hast. Bis zu 15 Zuschauer*innen erleben pro Show die Arbeit von drei Figuren in einem Scam-Center. Die immersive Performance spielt live im Büro zwischen Karaoke zu Lana Del Reys »Video Games« und Bier-Pong und über Handys, die am Anfang ausgeteilt werden. Über eine eigens für die Performance entwickelte App, werden Teile der Handlung in persönlichen Chats und Videos direkt auf die neuen Endgeräte der Zuschauer*innen gespielt. »True Romance« – Ein Stück über das Versprechen von Liebe im digitalen Zeitalter. Ein Stück, wie eine Nachricht von der Person, die du liebst. Ein Stück nur für dich. Stefan Mießeler ist Autor und Regisseur. Er entwickelt Performances und Theaterarbeiten, die Sprechtheater mit immersiven Settings und Trash-Ästhetiken verschränken.

Lineage

TICKETS Das Drag-Theaterstück LINEAGE beleuchtet queeres Erbe – einer Herkunft, die sich den Normen der Blutsverwandtschaft entzieht und Menschen durch ähnliche biografischen Erfahrungen verbindet. Corazón, AzulySuave, Bala BimBamBum, Na Fallera Fatal und Papi Pistola begeben sich auf eine emotionale Reise und erkunden das Leben der Ikonen, die das Rückgrat der LGBT+-Kultur(en) bilden. Im Laufe der Show entführt Corazón das Publikum mithilfe musikalischer und visueller Darbietungen zu Meilensteinen queerer Beziehungen. Ausgehend von der geisterhaften Präsenz ihrer Großmutter durchlebt sie die Ikonen Rampova, Almodóvar und Grace Jones und behandelt dabei Themen wie das Exil von LGBT+-Personen, Subversion im Nachtleben, Folklore und den Einfluss der Religion als Kultur. Corazón ist eine valencianische Drag-Künstlerin und Bühnenbildnerin, die in Berlin lebt. Sie bringt ein Ensemble Drag-Künstler*innen aus der spanischen Drag-Szene zusamen: Von Punk bis Glamour zeigen sie ihre eigene queere Realität in Valencia, Barcelona, Cuenca und Madrid. Es wird nach jeder Vorstellung ein Publikumsgespräch geben. Das Gespräch wird auf Englisch stattfinden.

Sancha Laura

Die erste zufällige Begegnung: Beatriz kommt am Bahnhof Friedrichstraße in der DDR an, die schwangere Laura übergibt sich. Die zweite: Laura sieht Beatriz’ Zirkusauftritt und schreibt einen feministisch-kritischen Brief.  Im hochmittelalterlichen 12. Jahrhundert, enttäuscht von den patriarchalen Strukturen ihrer Zeit, lässt sich die professionelle Minnesängerin Beatriz de Dia von Persephone in einen 810-jährigen Dornröschenschlaf versetzen. Sie erwacht bereits im Jahr 1968, als ihre Burg in Südfrankreich von einer Autobahn platt gemacht werden soll und in Paris die Unruhen der Studentenbewegung toben. Beatriz hatte gehofft, in einer Ära des gesellschaftlichen Fortschritts und der Verwirklichung der dritten Welle des Feminismus zu landen – zu früh gefreut. Aus einem Frankreich, das seine revolutionären Versprechen nicht einhält, fliegt Beatriz auf dem Rücken der schönen Melusine in die DDR. Dort begegnet sie der Philologie studierten S-Bahn Triebwagenführerin Laura Salman, die Beatriz’ sehnsüchtig gesuchte Spielfrau wird…Inspiriert von der Schriftstellerin Irmtraud Morgner verbündet sich SANCHA LAURA mit zwei ungleichen Frauen aus scheinbar längst überholten Zeiten – dem Mittelalter und der DDR – die sich mit dem uneingelösten Versprechen einer emanzipatorischen Zukunft herumschlagen und gemeinsam zu einer poetisch-wilden Aventüre aufbrechen.  Das Musiktheaterkollektiv Hauen und Stechen entwickelt seine Arbeiten in Kellern und auf Opernbühnen und arbeitet seit 2012 an einem radikal zugänglichen Musiktheater. Es vereint in seinen Arbeiten prominente und verborgene Musiken verschiedener Stilrichtungen mit Einflüssen aus Schauspiel, Oper, Film, Philosophie, bildender Kunst und Performance. www.hauen-und-stechen.com

Tänze fast vergessener Geister

»Es ist nun mal eine unverwüstliche Überzeugung, dass Liebe irdisch ist, bleibt und sein wird – denn der Tod kann nicht küssen.«– Liddy Bacroff Die interdisziplinäre Performance beginnt auf den Spuren der trans* Künstlerin und Sexarbeiterin Liddy Bacroff, die im Nationalsozialismus ermordet wurde. Die Hamburger Choreografin René*e Reith folgt jenen Geistern, die Besitz von einem ergreifen, jenen, die man selbst hinterlässt, und jenen, die rastlos zu einem zurückkehren, weil etwas unvollendet geblieben ist. »Tänze fast vergessener Geister« eröffnet dem Publikum einen Raum, in dem die eigenen Körper und Bewegungen zu Trägern von Erinnerung und Imagination werden. In einer interaktiven Performance verbindet René*e Reith und ihr Team zeitgenössischen Tanz und biografische Performance. René*e Reith promoviert im Rahmen eines künstlerisch-wissenschaftlichen PhD Projektes an der MUK in Wien zu der Inszenierung von transness im zeitgenössischen Tanz und Performance. Auf der Bühne stehen Heinrich Horwitz, Géraldine Schabraque, Tubi Malcharzik und Alexander Hahne, deren performative Handschriften Tanz, Gesang und Performance zu einem vielschichtigen Erinnerungsraum verbinden. Sie alle sind Expert*innen ihrer Kunst und verfolgen seit mehreren Jahren durch ihre eigene trans Perspektive in Aktivismus, Bildung und Performance patriarchale und hegemoniale Strukturen zu kritisieren und gleichzeitig die Sichtbarkeit und Rechte von trans Personen zu stärken.