WOLF

»The Wolf is crying and weeping in pain
As his love for little red is in vain
She has a crush on the handsome hunter*
And luckily, it’s them who want her
So sorry Wolf, you have to say bye
I guess in this story you have to die«
(old saying)

Der liebeskranke Wolf ertränkt seinen Kummer in Blut, Tränen und Karaokesongs.
Als einer der letzten Vertreter einer Weltordnung, die schon längst dem Untergang geweiht ist, schildert er uns seine Version der Geschichte, die keine Widerrede akzeptiert, bis endlich die anderen Protagonist:innen in Gestalt von Rotkäppchen und der Jäger:in die Bildfläche betreten. Der Wolf ist tot, es lebe der Wolf. Ein neues Zeitalter einläutend, feiern wir mit ihnen den kurzen Moment einer Utopie von Liebe und Solidarität, die jedoch schon bald in neue Formen von Unterdrückung mutieren wird.

Mit dem Rotkäppchen-Stoff im Gepäck, erzählt »WOLF« eine blutrünstige lovestory, die für einen Augenblick eine freiheitliche Vision aufscheinen lässt, bevor die Revolution ihre Kinder im ewigen Kreislauf von Fressen und Gefressenwerden doch wieder verschlingt.
Zusammen mit dem queeren Performer*innenpaar Lucy Wilke und Lotta Ökmen erzählt Sahar Rahimi & Team in eindringlichen Bildern vom allerletzten Aufbäumen alter und dem Erstarken neuer Systeme, von identitätspolitischem Getöse, romantischem Gesülze und falschen Gedärmen.

Dirty Debüt

Nach einer langen Pause ist »Dirty Debüt« zurück am Ballhaus Ost. Zum vorerst letzten Mal stellt »Dirty Debüt« hier eine Plattform für vier emerging performance artists zur Verfügung, die in diesem Rahmen skizzenhafte, unfertige, eben schmutzige Arbeiten zu einem konkreten Thema oder Begriff zeigen können. Im Anschluss an die Aufführungen laden wir – soweit es die Hygienebestimmungen zulassen – zu einem gemeinsamen Drink oder Abendessen ein, bei dem das Publikum Gelegenheit hat, auf die Künstler:innen einen Toast auszusprechen. »Dirty Debüt« #9 findet im Ballhaus Ost am 18. Dezember statt; das Thema ist »after life«.

Anders als im Tanz oder Schauspiel gibt es in Berlin keinen hochschulischen Kontext, in dem sich Performance-Macher:innen von Anfang an begleiten und voneinander lernen können. Die meisten kommen erst nach dem Studium hierher, und vielen fällt es oft über Jahre hinweg schwer, Kontakte außerhalb ihrer bestehenden Zirkel zu knüpfen. Björn Pätz und Sandra Umathum haben daher 2018 »Dirty Debüt« ins Leben gerufen – für eine größere Sichtbarkeit von emerging performance artists, aber auch um die Bandbreite der gesamten Performance-Landschaft Rechnung zu tragen und sie auf derselben Bühne zu versammeln. Darüber hinaus möchte »Dirty Debüt« einen Austausch über die gezeigten Arbeiten ermöglichen, der die üblichen Logiken des Urteilens und Kritisierens hinter sich lässt.

Interessierte bewerben sich mit einem Projektentwurf. Für jede Ausgabe von »Dirty Debüt« wählt dann eine Jury vier Einsendungen aus, deren künstlerischer Ansatz und qualitativer Anspruch als eigenständig und vielversprechend beurteilt werden. Die eingeladenen Performance-Macher:innen erhalten ein kleines Budget für die Produktion, eine minimale Bühnenausgestaltung sowie für Materialien und Transporte.

Ich lieb dich nicht, du liest mich nicht – aha

Cool sein wollen wir doch alle – also die meisten zumindest. Freimütig stehen hierfür unsere Körper offen, werden permanent gelesen und bewertet: aha, so sieht dieser Körper also aus, oh, nein, nein, cool ist was anderes, oh, warte mal, dieser Körper da, ja der, ziemlich großer Coolness-Faktor, thumbs up! Aber wer legte eigentlich die Bewertungskriterien fest und wieso sind diese seit Jahren so ziemlich gleich: nämlich kapitalismusorientiert und weiß? Und was ist mit den ganzen Körpern, die richtig schön vielfältig sind und deswegen durch dieses eng geformte Raster fallen: worin liegt ihre Schuld?
In »Ich lieb dich nicht, du liest mich nicht – aha« steht ein solcher, nicht in die Norm passender, Körper im Mittelpunkt, wird permanent beobachtet und verurteilt: Elektra, eine junge Performerin, ist gefangen in ihrer Garderobe, wird gezielt daran gehindert, aufzutreten. Wird sie ihren Weg ans Licht finden? Und wer oder was steckt hinter der Sabotage?

Die neue Performance

Wir sind Hysterisches Globusgefühl: Mitte dreißig, weder richtig jung noch richtig alt und in der Blüte unseres Schaffens. Seit 10 Jahren machen wir Kunst, die um politische Erneuerung ringt. Aber dieses jugendhafte Streben nach dem Neuen ist in die Jahre gekommen. Höchste Zeit für etwas wirklich Innovatives: »Die neue Performance«!
Wir laden euch ein, uns in unser hysterisches Nimmerland zu folgen. Eingehüllt von der Zuckerwatte eurer Kindheit könnt ihr hier der Zeit beim Tropfen zuhören und gemeinsam mit uns altern. Während wir uns der Musik aus unseren schwermütigen Backfischjahren hingeben, frönen wir unserer Sehnsucht nach dem Neuen und feiern den Verfall unserer Körper. Jedes Ende beginnen wir von Vorn und hören nicht mehr auf anzufangen. Als Grandes Dames blicken wir in unseren Memoiren auf eine ereignishafte Zukunft zurück. Seid dabei, wenn wir als ewige Kinder in unseren Jungbrunnen steigen, als alte Frauen* wieder herauskommen und die Zeit zu einer magischen Pause gefrieren lassen.
Für den Eintritt in unser hysterisches Zeitalter ist es jedoch vorgesehen, dass ihr nicht alle gleichzeitig kommt. Nur so kann es gelingen, die Fesseln des ewig Linearen zu lösen. Mit einem gestaffelten Einlass werdet ihr jeweils Zeug:innen eines anderen Ablaufs unseres Theaterabends. Lasst uns auf diese Art gemeinsam unsere Vorstellungen von Zeit und Altern zersetzen. Fordern wir zusammen das politische Potential des Neuen aufs Neue heraus.

Hysterisches Globusgefühl ist eine performistische Vereinigung aus Berlin und Wien. Sie richtet sich mit vollem Herzen und solidarischer Zusammenarbeit gegen das heteronormative Patriarchat und entwickelt Utopien für eine antirassistische, klassenbewusste, queerfeministische und respektvolle Zukunft.
In ihren Arbeiten bewegen sich die Performer:innen an der Schnittstelle zwischen Kunst und politischer Aktion. Formen des Protests und Ästhetik der Subkulturen werden bei Hysterisches Globusgefühl verfremdet, auf ihre Grundformen reduziert und daraus neu entworfen. Antrieb ist die Suche nach alternativen Möglichkeiten, sich angesichts der diffusen politischen Verhältnisse zu positionieren. Die Frage nach bewusstem Handeln, politischer Interaktion und was Politik eigentlich ist oder sein könnte steht dabei im Zentrum ihrer Arbeit. Hysterisches Globusgefühl formierte sich erstmals 2011 und arbeitet seit 2016 am Ballhaus Ost. Zuletzt zeigte sie hier ihre Arbeiten Beim Anblick des Urknalls und Die Vier in der Nähe.

Pippi: Gebt endlich auf! Es ist vorbei

Mehr als 50 Jahre haben die Fans auf die nächste Episode gewartet! Nun ist es soweit! Doch wird das Staffelfinale die während des Wartens gealterten Fans begeistern können?

Durch die Augen des melancholischen Pferdes und renitenten Affen schauen wir auf das Geschehen. Pippi macht sich die Welt noch immer, wie sie ihr gefällt. Ihre regelfreien und anarchistischen Prinzipien sind nicht weniger geworden. Und wir beobachten Annika und Thomas, wie sie sich in ihrem Kampf um ein selbstbestimmtes Leben verheddern.

Doch alles weist auf Pippi zurück und hier entscheidet sich das Drama um Freiheit, Erwachsenwerden und ein erfülltes Leben. Es ist die letzte Episode der letzten Staffel. Das letzte und kompromisslose Kapitel einer Geschichte von Kindheit und Altwerden und unserem Verhältnis zur Welt. Beim Erzählen helfen dem Helmi Menschen aus aller Welt: eine legendäre Tänzerin aus Japan, einer der stärksten Männer Mexikos, eine achtzigjährige Aktivistin ebenso wie die Kinder aller Hinterhöfe von Berlin.

Das Helmi hat die Erzählung um Pippi und ihre Freund:innen seit der ersten Präsentation im November letzten Jahres weiter gesponnen, zusammen mit Pippis echtem Vater, und Astrid Lindgren hat auch geholfen. Multiperspektivische Ansätze, philosophische Ideen und Pippi verdeutlichen uns, dass es nie eine einfache Lösung gibt. Vor Verkrustungen im Leben helfen nur Freundschaften und Humor. Aufgeben gilt nicht, das wusste schon Pippi!

Frederick die Maus

Die Mäusefamilie arbeitet im Sommer hart und hortet Nahrung für den Winter. Frederick jedoch sammelt Sonnenstrahlen, Farben und Wörter. Als dann der lange Winter immer mehr auf die Gemüter der Mäuse drückt, kann Frederick seine Schätze hervorholen und bringt in einem großen Auftritt den Sommer in die kalte Höhle.
Leo Lionnis »Frederick« erzählt vom Wert künstlerischer Arbeit in einer arbeitenden Gesellschaft und von der Kraft dieser Arbeit, ein wohltuender, wenn nicht sogar überlebenswichtiger Teil dieser Gesellschaft zu sein. Mit vorschlag:hammer wird der Kinderbuchklassiker zum Bühnenstück, denn Fredericks Schätze sind nichts weniger als die Grundelemente des Theaters: Farben, Licht, Wörter und Töne. Mit Hilfe der Kinder bedient Frederick die Theatermaschine und lässt sie auch selbst zu aktiven und kreativen Zuschauer:innen werden, die spielerisch die Mittel der Bühne kennenlernen und so gemeinsam das Theater entstehen lassen.

vorschlag:hammer entwickeln seit 2009 als Kollektiv Theaterproduktionen. Ihr performatives Erzähltheater hat sich in den vergangenen Jahren für unterschiedlichste ästhetische Strategien geöffnet, zu visuell-atmosphärischen oder körperorientierten Arbeiten. Dabei adaptieren sie sowohl frei bereits existierende Stoffe oder entwickeln recherchebasierte Inszenierungen zu immer neuen Themenfeldern. Im Ballhaus Ost zeigten sie zuletzt »Twin Speaks: Telegram Edition«.

Festspiele am Plötzensee

Schon zum zweiten Mal in Folge bringen Die Festspiele am Plötzensee vom 23. bis zum 29. Oktober 2021 allerlei Künste im Strandbad Plötzensee zusammen: Am 23.10. feiert das Theaterstück Diesseits von Gut und Böse seine Premiere, dazu gibt es eine Woche lang eine Ausstellung, Performances, Lesungen und Filmvorführungen zu besuchen. Ganz Berlin ist herzlich eingeladen, mit uns das Strandbad zu erweitern, aufzuladen und zu hinterfragen!

Programm:

»Diesseits von Gut und Böse«
Theater
Premiere 23. Oktober 2021
Weitere Vorstellungen 25. | 27. | 29. Oktober 2021
jeweils 18.00 Uhr

»Cala Blanca«
Ausstellung
Vernissage 23. Oktober 2021, ab 14.00 Uhr
Ausstellung bis 29. Oktober 2021

Duygu Agal und Charlotte Krafft
Zwei Lesungen am Lagerfeuer, präsentiert vom Korbinian Verlag
27. Oktober 2021, 19.30 Uhr

»The Vachine Monologues« (Fan Popo)
Filmvorführung
25. Oktober 2021, 19.30 Uhr

»Alles Rauchen | Smoking Everything«
Performance
29. Oktober 2021, 17.00 Uhr

»Die Klassenfahrt«
Performance mit musikalischer Begleitung
27. Oktober 2021, 17.00 Uhr
29. Oktober 2021, 19.30 Uhr

Der Ausflug

Wir sind eine ganz gewöhnliche Schulklasse und machen einen Ausflug ins Planetarium: Unsere Schule ist in Lomé, Berlin oder vielleicht auch Taipei, ein klein wenig in der Zukunft. Alle Großstädte ähneln sich. Auch Erwachsene können zur Schule gehen! Wir sind im Unterricht, bis die Schulglocke klingelt. Dann begeben wir uns in den Mittagsverkehr. Wir kommen zur Bushaltestelle, warten kurz, steigen dann ein und fahren bis zur Endstation am Waldrand. Dann steigen wir aus und wandern durch einen Wald zum Planetarium. Wir sind auch selber der Wald! Vom Planetarium aus reisen wir durch das Weltall. Eine freundliche und sehr engagierte Reisebegleiterin erklärt alles Nötige für unsere Reise ins Universum. Wir sind Passagiere und gleichzeitig Objekte im Universum! Wir reisen durch das Sonnensystem, die Milchstraße, die lokale Gruppe, den Virgo Superhaufen, die lokale Superstruktur bis zum Ende des sichtbaren Universums. Zum Schluss machen wir Rast auf einem beliebten Aussichtsplatz und genießen den schönen Blick…
Die gesamte Reise erleben wir tänzerisch. Wir haben verschiedene Hintergründe: Hip Hop, Ballett, Modern Dance, Philosophie, Physik, Performance und Traditional.

P.S. unser momentaner Forschungsstand bis zu Proxima Centauri:
Proxima Centauri ist ein roter Zwerg und zur Zeit der nächstgelegene Stern außerhalb unseres Sonnensystems. Er ist circa 4,2 Lichtjahre entfernt. Eigentlich ist es ein Dreifachsternensystem zusammen mit Alpha Centauri A und Alpha Centauri B. Proxima Centauri b und eventuell Proxima Centauri c, die potentiell erdähnlichen Planeten, umkreisen dieses Dreifachsternensystem in gebundener Rotation. Mit den Raumschiffen, die uns im Moment zur Verfügung stehen, brauchen wir wahrscheinlich 75.000 Jahre, um dorthin zu gelangen. Außerdem dürften sie nur einige Gramm wiegen. Wenn wir eine menschliche Generation mit 25 Jahren ansetzen, dann wird es sicherlich 3.000 Generationen dauern, bis das Raumschiff angekommen ist. Wenn wir errechnen, dass uns Proxima Centauri in 20.000 Jahren eine Zeitlang näher kommt und nur 3,2 Lichtjahre entfernt sein wird, eine Generation mit 30 Jahren angesetzt werden kann und wir in nächster Zeit noch etwas schnellere Raumschiffe bauen können, die auch schwerer sein dürften, dann brauchen wir wohl immer noch 57.142 Jahre und 1.904 Generationen, bis wir auf unserer neuen eventuellen Heimat angekommen sein werden. Das wäre von jetzt zurückgerechnet bis ins Paläolithikum.
Wir können aber auch in unserer Eigenzeit reisen, wenn wir uns an die allgemeine Relativitätstheorie halten und auf unserer Geodäte bleiben. Dann brauchen wir nur 1 Stunde und 20 Minuten und haben sogar das gesamte Universum durchquert. Hierzu orientieren wir uns an einer 2 Millionen Jahre alten Tradition, dem Tanz, und zwar dem Hip Hop Mix mit seinen verschiedenen Ausrichtungen.

Die NEWSTARDANCECOMPANY ist eine Hip Hop Mix Gruppe und besteht aus Tänzer:innen verschiedener Stilrichtungen, die sich zunächst in Lomé und später auch in Berlin regelmäßig treffen, um sich ihre Choreografien und Improvisationen gegenseitig beizubringen. Die NEWSTARDANCECOMPANY wurde von Meier Edem Akakpo und Koffi Mawuena Tchao 2010 in Lomé (Togo) gegründet. Hilère Anoumou Messan ist von Anfang an dabei. 2016 wurde Anne-Kathrin Tismer in Lomé in die Company aufgenommen. 2017 gingen Meier Edem Akakpo und Anne-Kathrin Tismer nach Berlin. Nuria Hoeyng und auch Dominique Wenzel sind in Berlin in die Company aufgenommen worden. Für »Der Ausflug« sind nun noch in Berlin Merav Leibküchler, Joy Maria Bai, Nora Fuchs, Kefei Cao, Charlotte Bohn, Okka-Esther Hungerbühler, Felix Loycke und Fabian Bischof dabei.

Typografien

Mazen Kerbaj »Learning Arabic« (2021), UA | Komposition für 5 Musiker:innen (Stimmen, Objekte, Instrumente)

Ann Noël »YOU« (1982), Version 2021, UA | Vokalkomposition aus 405 Grafiken des Buchstabens I (i)

Federico Barabino »Silencio Visual« (2011), UA | Komposition für eine offene Anzahl Stimmen

Annette Schmucki »staben« (2014) | Komposition für drei spielzeugklaviere (3 Tastaturreihen à 13 Tasten im selben Oktavbereich) und Sprechstimme(n)

Gerhard Stäbler »SPEED« (1997) | Komposition für zwei Gruppen von 3 Vokalist:innen

Laura Mello | Nicolas Wiese »Hesitation Choir« (2021), UA | Komposition für dynamisch-typografischen Score, Elektronik und dreistimmiges Vokal-Ensemble

In ihrer erfolgreichen Reihe »maulwerker performing music« präsentieren die Maulwerker – nach »Die Rache. Rachen, Mundhöhlen und andere akustische Räume« (2020), »Oberflächen« (2019), »Vokale Räume« (2018) und »Augenlieder. Körperkompositionen« (2017) – nun »Typografien. Über die musikalische Interpretation von Schrift. Konkrete Poesie & Grafische Notationen«.

Es sind zwei verschiedene Achsen, die diesem Programm konzeptuell zugrunde liegen: Sprache als musikalisches Material zu begreifen und zum anderen Schrift als grafische Notation zu behandeln. Die an diesem Abend interpretierten Kompositionen sind ausschließlich durch Schrift notiert, in verschiedenen grafischen Anordnungen und Schriftbildern, die von den Maulwerkern in sprachmusikalische Prozesse übersetzt werden. Der Abend öffnet Räume zwischen Sprache und Musik, schafft synästhetische Verbindungen von Klang und Bild. Die Schriftbilder und Notationen werden dem Publikum während der Aufführung durch Projektionen sichtbar gemacht, teilweise als Live-Video animiert. Im Artists Talk im Anschluss an die Vorstellung am 14. Oktober sprechen die Komponist:innen über ihre Arbeiten.

Die Maulwerker sind Vokalensemble, Musikperformer:innen, Musiktheatermacher:innen, Komponist:innenkollektiv. Sie sind Spezialist:innen in den Schnittmengen von Musik und Theater, Musik und Sprache, in der Durchdringung von Musik und Raum, von Klang und Stille.
Neben den Klassikern der Neuen (Vokal-)Musik und des Experimentellen Musiktheaters – wie Schnebel, Cage und Fluxus – bilden jüngere Tendenzen den Schwerpunkt der Arbeit und damit die rege Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponist:innen, Hörspielautor:innen, Klangkünstler:innen und Regisseur:innen, einschließlich Werke der Ensemblemitglieder selbst.

KARELIA. A Queer Forest Fantasy in Two Parts

Das queere Performancekollektiv ONCE WE WERE ISLANDS fantasiert sich in »KARELIA« in eine Zukunft jenseits des Stadtlebens und fragt sich, wie queere Liebe an stillen Orten gelebt werden kann. In einer Live-Performance reisen Chris Gylee und Aslan in drei Szenarien durch die Zeit. Fernab im Wald erkunden sie zunächst im Heute, dann Jahrhunderte zurück im Dunkel der Inquisition und schließlich in einer Sci-Fi-Variante im schwerelosen Reich der Sterne die Liebe, das Landleben und die Möglichkeit, dort queer zu sein.

»Kann sich queeres Leben wirklich nur in der Stadt entfalten?«

Karelien nennt sich eine Region an der Grenze zwischen Russland und Finnland, die die beiden Performer mit einer Künstler:innen-Residenz für drei Wochen erkunden. Im finnischen Wald finden sie den perfekten Ort, um sich von der romantischen Sagenwelt ebenso inspirieren zu lassen wie von der einsamen Realität des Waldes selbst und der Frage: Wovor fliehen wir eigentlich? Und wohin treibt es uns?

Die wortreiche Performance, die an einer langen festlich gedeckten Tafel vor einem grün-blauen Wandteppich beginnt, verwebt sich mit einem Kunst-Film, der online auf der Seite des Ballhaus Ost gestreamt wird. Er ergänzt die Geschichten der drei Fantasiereisen durch Raum und Zeit mit Eindrücken aus Karelien, dem dunklen Rauschen der Blätter, dem Knacken der Äste unter den Füßen und macht so den Wald zu einem dritten Protagonisten.

»Macht mich der Wald verletzlich?«

ONCE WE WERE ISLANDS arbeiten im unerschöpflichen Feld zwischen den Disziplinen und kombinieren dafür bildende Kunst, Performance, Choreografie und wissenschaftliche Forschungsarbeit. Die beiden Performer* aus Manchester und London nutzen für ihre poetischen Arbeiten (auto)biografische Erzählung ebenso wie akribische Recherche zu queeren Lebensrealitäten.