Remote Together

Mörtelwespe, Neuberlinerin mit Migrationsgeschichte, trifft Hering, zu Gast aus Helsinki, um die Regierungsform der Organismendemokratie kennenzulernen. Besucher:innen begleiten die beiden auf einer Stadterkundung mitten ins demokratische Ökosystem an der Osloer Straße in Berlin Wedding. Beim Wasserholen wird die Sinnhaftigkeit von Demokratisierungsbewegungen im Bezug auf das Internet diskutiert. Ein mobiler Altar mit Aggregat ermöglicht in der Berliner Nacht das Miterleben und die Kommunikation mit drei weiteren, parallel stattfindenden Stadterkundungen in Zürich, Wien und Amsterdam.

Die Künstler:innengruppe Club Real verwirklicht seit dem Jahr 2000 partizipative, ortsspezifische Projekte, viele davon mit dem Ballhaus Ost: Installationen, politische Rollenspiele und partizipative Stadtentwicklungsprojekte laden Besucher:innen dazu ein, alternative Realitätsentwürfe mitzugestalten. Seit 2018 arbeitet Club Real zum Thema Organismendemokratie – gleiche politische Rechte für alle Lebewesen. 2019 war die Gruppe mit dieser Arbeit beim Impulse Theater Festival.

»Remote Together – Reality Vaccine« ist ein Format, das nach neuen digitalen und hybriden Formen des gemeinsamen Theatererlebnisses sucht und gleichzeitig verschiedene internationale Künstler:innen mithilfe neuer digitaler Werkzeuge zusammenbringt. Für die erste Ausgabe entwickelt Transit Productions Zürich mit dem Theatermacher Pankaj Tiwari (Amsterdam), dem Kollektiv Club Real (Berlin) sowie den bildenden Künstlern Thomas Hörl & Peter Kozek (Wien) eine Serie von Simultanperformances, die sowohl lokal als auch digital erlebbar sind.

All watched over by machines of loving grace

Zum zweiten Mal gastiert der extrem gemischte Chor aus Amateur:innen, Profis und Halbwissenden in Berlin und widmet sich nun dem Zusammenleben im »Digitalozän«. Wie verändern zeitgenössische Technologien unser Zusammenleben? Ist angstfreies und verantwortungsvolles Handeln in Anbetracht der allgegenwärtigen medialen Dauerbeschallung möglich? Mitten zwischen Zuschauer:innen, Lautsprecherbäumen und Kabelgehölz, umgeben von akustischer Über- und digitaler Entlastung, entsteht ein installatives Konzert für menschliche und nicht-menschliche Klangkörper: Ein Gesang über die Einsamkeit der Menschen, die Liebe der Maschinen und die Unübersichtlichkeit der Welt.

Der extrem gemischte Chor ist ein multiprofessionelles, diverses und intergenerationales Gesangskollektiv, das sich 2018 für die Musiktheaterproduktion »Abhängigkeitserklärung« gegründet hat. Das künstlerische Leitungsteam besteht aus den Komponisten Lukas Huber und Leo Hofmann, dem Regisseur Benjamin van Bebber und der Szenographin Zahava Rodrigo. Gemeinsam suchen sie nach Möglichkeiten eines gleichberechtigten Miteinanders von Raum, Musik und Szene in der kompositorischen und inszenatorischen Zusammenarbeit.

Theaterfilm-Festival

Das Ballhaus Ost wird zum Kino und zeigt Filme, die eigentlich auch Theater sind. Elf ausgewählte Arbeiten bekommen einen großen Bühnenauftritt, nachdem sie meist im Lockdown gedreht und in Isolation gestreamt wurden. Das Festivalpublikum erwartet eine breite Mischung an Genres der Theater- und Filmschaffenden: Performance, Tanz, Dokumentarisches und Musik, als Kurz- oder Langfilm, von den Macher:innen im Alleingang produziert oder mit Support von Theatern. Und wie bei jedem guten Filmfestival gibt es nicht nur frisches Popcorn, sondern auch nach jedem Film ein kurzes Q&A, nach zwei Filmen eine kleine Pause und am Samstag Abend eine fette Festivalparty.

Freitag, 17.06. ab 18:00

»Keshava / Tharayil«
8’, mehrsprach. mit engl. UT
Theater: Anjali Keshava, Sumitra Keshava, Ralph Tharayil, Norwin Tharayil
Film: Michelle Ettlin

»Der DJ ist mein Vater«
100’, dt./engl./bulg. mit engl. UT
Theater: BAMBI BAMBULE (Marie Jordan & Lisa Marie Stojčev)
Film: Lisa Marie Stojčev, Grigory Shklyar, Marilena Büld, Rahel Hutter

»Ori Cleanse«
49’, engl./fr./port. mit engl. UT
Theater: Ricardo de Paula
Film: Zé de Paiva, Kathleen Kunath


 

Samstag, 18.06. ab 18:00

»Die Zweitbesetzung«
14’, dt.
Theater: Zeno Gries
Film: Zeno Gries

»Brigitte Reimann besteigt den Mont Ventoux«
68’, dt.
Theater: Jan Koslowski, Marlene Kolatschny
Film: Jan Koslowski, Marlene Kolatschny

»Fallsucht«
37’, dt. mit engl. UT
Theater: schaefer||scherpinski
Film: schaefer||scherpinski

»How to get rid of a body. A video tutorial series«
50’, ohne Sprache / engl.
Theater: Léonard Engel
Film: Harumi Terayama, Jubal Battisti, Léonard Engel

Anschließend Party!


 

Sonntag, 19.06. ab 18:00

»Oh My Film«
12’, dt. mit engl. UT
Theater: Henrike Iglesias
Film: Lara RCZ

»Arbeiterinnen / Pracujące kobiety«
73’, dt./pol. mit dt./pol. UT
Theater: werkgruppe2
Film: werkgruppe2

»DOOM (The Movie)«
40’, ohne gesprochene Sprache
Theater: Layton Lachmann, Samuel Hertz
Film: Ethan Folk 

»Autistische Spiele«
46’, dt./engl. mit dt./engl. UT
Theater: Tobias Yves Zintel
Film: Tobias Yves Zintel

Wir wollen, dass es schön ist

Content Note | Triggerwarnung (BITTE LESEN)

Die Performance dauert etwa 90 Minuten und findet in einem abgedunkelten Theatersaal statt. Sie sind eingeladen, die intensiven, sinnlichen Eindrücke auf sich wirken zu lassen. Vor der Performance werden die Menschen im Publikum, die sehen können, gebeten, eine Augenbinde (Schlafmaske) für die Dauer der Vorstellung aufzusetzen. Falls diese Situation zu unangenehm sein sollte, ist es jederzeit möglich, die Augenbinde selbstständig wieder abzunehmen.
Nicht sehen zu können bzw. sich in Dunkelheit zu begeben kann unter Umständen zu Unwohlsein führen. Es gibt jederzeit die Möglichkeit, die Augenbinde abzunehmen und/oder durch Handzeichen darauf hinzuweisen. Ist dies der Fall, wird sich die anwesende Ansprechperson an Sie wenden. Personen, die mit Dunkelheit und Nicht-sehen-können traumatische Erlebnisse verbinden (bspw. aufgrund von Nahtoderfahrungen, Kriegserfahrungen, Eingeschlossen-sein) raten wir generell vom Besuch der Vorstellung ab.

Während der Performance kommt es zu intensiven Sinneserfahrungen, diese können folgendes beinhalten:
Gerüche: Es kommt während der Performance zu intensiven Gerüchen, die synthetisch und natürlich erzeugt werden.

Geräusche: Es kommt während der Vorstellung zu intensiven und lauten Geräuschen und Musik. Der Sound wird von vielen verschiedenen Quellen erzeugt.
Lautsprachlich werden neben vielen anderen Themen auch Themen zur Sprache gebracht, die für manche Menschen aufwühlend sein können. Dazu gehören: Beschreibung von Gewalt, sexuelle Handlungen, Mobbing, Ausgrenzung aufgrund von Identätsmerkmalen, Gefahr.
Die Performer:innen werden das Publikum nicht absichtlich berühren, können aber nahe kommen.

Es kann durch die Kombination der künstlerischen Mittel in Verbindung mit den verbundenen Augen zu einer Orientierungslosigkeit oder dem Gefühl von Kontrollverlust kommen.

Wir möchten Sie zu einer intensiven, angenehmen und vielschichtigen Erfahrung einladen.

Corona-Hinweise

Die Belüftungsanlage vom Ballhaus Ost ist während der Performance eingeschaltet. Das Ballhaus Ost hat eine Maskenempfehlung. Sie können selbst entscheiden, ob Sie ihren Mundnasenschutz während der Veranstaltung tragen möchten. Es besteht die Möglichkeit, vor Ort eine OP-Maske zu erhalten. Die Sicherheitsabstände von 1,5m werden unterschritten, die Performer:innen tragen keine Maske.

Hinweise für blindes und sehbehindertes Publikum

Die Performance ist für blinde und sehbehinderte Personen zugänglich. Bei Bedarf bieten wir einen Abholservice von der U-Bahnhaltestelle Eberswalder Straße an. Anmeldung unter: knrd.anna [at] gmail.com

Es ist dunkel. Es gibt nichts zu sehen. Kein Lüftchen bewegt sich. Nimm Platz, lehn dich zurück und öffne Nase und Ohren! Nichts ist besonders schön, außer vielleicht die Ruhe der Abwesenheit. Das ist die Ausgangssituation. Mitten in dieser Dunkelheit begibt sich Hysterisches Globusgefühl auf die Suche nach der Schönheit kollektiven Erlebens. Zwischen Anarcho-Aromen und tastenden Körpern schwebt die Sehnsucht nach dem Schönen am Schönen. Denn alle begehren etwas und das Begehrte nennen wir schön. Doch das Schöne ist ein Imperativ, eine Norm. Und eine Norm ist nicht schön. Sollen wir also nach dem Schönen, nach Wahrheit und dem Guten streben? Oder ist das alles Quatsch und wir müssen etwas anderes finden? Gerüche und Geräusche vermischen sich mit Text und Politik und ein Hauch von Hysterisches Globusgefühl liegt in der Luft.

Hysterisches Globusgefühl ist ein Performance-Kollektiv aus Berlin und Wien bestehend aus Elisabeth Lindig, Lea-Sophie Schiel, Arne Schirmel, Milena Seidl, Laura Steinl und Melanie Zipf. Seit 2011 entwickelt das Kollektiv Performances, die an der Schnittstelle von Kunst und politischer Aktion operieren. Dabei stehen die Fragen, was Politik ist oder sein könnte wann sie sich ereignet und was es bedeutet politisch zu sein im Zentrum der Arbeiten. Behandelt werden diese Fragen aus einer feministischen und queeren Perspektive. Das Kollektiv richtet sich ferner in solidarischer Zusammenarbeit und mit vollem Herzen gegen das heteronormative Patriarchat und entwickelt Utopien für eine antirassistische, klassenlose, queerfeministische und lebenswerte Zukunft.

Als Susan Sontag im Publikum saß

Der neue Film von Studio RPK »Als Susan Sontag im Publikum saß« wird mit vier performativen Previews präsentiert: diskursiv unterbrochen, literarisch ergänzt, musikalisch live vertont und mit verwandten Filmen verschnitten. Das Theater wird zum kollektiven Wohnzimmer des gemeinsamen Watchens und der Film kehrt an seinen Ursprung zurück.
»Als Susan Sontag im Publikum saß« basiert auf einer Performance von Studio RPK im Ballhaus Ost. 50 Jahren war es her, dass die berühmte Panel-Diskussion »A Dialogue on Women’s Liberation« in New Yorks Town Hall stattfand: Auf der Bühne stritten, lachten und perfortmen Norman Mailer, Germaine Greer, Jill Johnston, Jacqueline Ceballos und Diana Trilling. Im Publikum Susan Sontag, Cynthia Ozick und Betty Friedan, die intellektuelle Elite New Yorks. Die Filmemacher Hegedus und Pennebaker ikonisieren das Ereignis später mit ihrem Dokumentarfilm »Town Bloody Hall«. Aus dem Reenactment auf der Theaterbühne entstand mit »Als Susan Sontag im Publikum saß« ein filmischer Kommentar der Geschehnisse von 1971, ein tiefgründiger Schlagabtausch im Jetzt, dem Zeitalter von #MeToo.

Link zum Film: als-susan-sontag.de

Un Renversement – von Don Giovanni

Im Rahmen von BAM! – Berliner Festival für aktuelles Musiktheater 2022

Mit feministischer Brille widmen sich Alíenor Dauchez und ihr Team von La Cage hier einer Dekonstruktion von »Don Giovanni«. Die Handlung ist auf ein Filmset der Pornoindustrie verlegt, nicht immer geht es auf der Bühne jugendfrei zu. Scham wird zu einem wichtigen Schlüsselwort: Wer muss sich schämen hier, warum und wofür? Neben der passiven Rolle von Mozarts Frauen, die entweder Verführte, Betrogene, Verspottete oder Missbrauchte sind, kommt deren komplexe Psychologie in den Blick. Unerwartet tritt hierbei die Nebenfigur des Komtur aus dem Schatten und zeigt sich als wichtiges ergänzendes Glied eines von Männern dominierten Systems.
Trotz des extrem reduzierten Ensembles bleibt bei dieser Umkehrung (»renversement«) kaum eine Szene der Oper außer acht, mag sie gestreift werden auch nur im turbulenten Sprechdialog oder im Ausschnitt aus Opernfilmen, die mit dem Stück auch dessen Rezeptionsgeschichte reflektieren. Historische Einspielungen in originaler Besetzung werden unter den Händen Marta Zaparollis elektronisch verlangsamt oder verzerrt, andere Teile der Partitur in den Bereich alter und neuer Instrumente (Barockflöte, Synthesizer) übertragen – das sind Aufforderungen, »Don Giovanni« nicht neu nur zu sehen, sondern auch neu zu hören.

Die Musiktheatercompagnie La Cage wurde 2015 in Berlin und Paris gegründet. Sie bedient sich eines vielseitigen Repertoires, verbindet neue Musik mit Musik anderer Epochen und anderen Genres. In jedem Stück von La Cage wird eine musikalische Idee mit einer bildhauerischen Idee verknüpft. Der Blickwinkel auf den Raum und auf die Körper ist von der Tradition der Bildenden Kunst beeinflusst. Das künstlerische Team, das sich für die jeweiligen Projekte zusammen mit einem Musikensemble bildet, ist interdisziplinär und sucht nach neuen performativen Formen für das Genre Musiktheater.

Chalet Utah

Ein Paar zieht sich auf einer einsamen Berghütte zurück. Sie fechten, tanzen, singen. Als der Schneefall einsetzt, fangen sie an Ermittler:in zu spielen. Was ist in der Hütte vorgefallen? Sie tun so, als würden sie Zeug:innen befragen und Verdächtigen auflauern. Dieses True Crime Theater verknüpft Selbstfindung mit Spurensuche und Realitätsverlust mit Erkenntnisgewinn. Oder wird hier tatsächlich ein Verbrechen aufgeklärt? »Chalet Utah« nutzt Mittel, die im Lockdown Notwendigkeit waren, aber auch neue Wege eröffneten: Der Laptop als Mitspieler, die Kamera als Verbindungskanal und der Bildschirm als Bühne. Und für Zuschauende im Theatersaal immer auch die Möglichkeit, hinter die Kamera zu schauen.

Schauplatz International wurde 1999 von Anna-Lisa Ellend und Albert Liebl gegründet und hat seitdem über 50 Stücke, Performances, Aktionen, Filme und Hörspiele entwickelt. Im Ballhaus Ost war zuletzt ihre Trilogie (»Idealisten | Fundamentalisten | Egoisten«) sowie »Cap Escape Plaisance Club« zu sehen und als Shutdown Special der Live-Podcast »Le garage de la grande promenade (Part I & II)«, ein erster Entwurf von »Chalet Utah«.

COSMICBODIES

Zittre. Berühre. Spüre ob der Stein ein Stein oder ein Alien ist. Rolle. Harmonisiere mit den Chemikalien. Verwandle dich. Vibriere. Vermenge das Menschliche mit deinen Geruchsorganen. Atme.

Aliens verkörpern das Bedrohliche – das absolut Andere – das Fremde Unverständliche das Weibliche Wildnis Chaos und das Monströse! Ihre Körper bewachen die Grenzen des Möglichen und bedrohen jegliche Ordnung. In »COSMICBODIES« bewegen sich sieben außerirdische Körper von der eigenen Innenwelt ins Weltall – bis Outer Space und Inner Space zusammenfließen.
»COSMICBODIES« ist ein Tanzstück für Menschen mit und ohne Sehbehinderung und integriert eine künstlerische Audiodeskription. Nach »Blue Moon« und »Witches« ist es die dritte Arbeit von Ursina Tossi aus »EXCESSIVE SHOWING you can only dismantle the master’s house with the monster’s tools!«, einer choreografischen Serie kritischer queer-feministischer Perspektiven auf die Konstruktionen von Weiblichkeit und monströsen Körpern im Kontext von Mythologie Geschichte(n) und Popkultur.

</A “Manifesto” of= {every} One.s Own>

»a woman must have money and a room of her own… daher bleibt den aufgeklärten, verantwortungsbewussten und sensationsgierigen Frauen nichts anderes übrig, als die Regierung zu stürzen… Hunderte von Geschichten und Geschlechtern erblühen zu lassen… to embrace masturbation… denn Bitches are beautiful… und wir haben nichts zu verlieren – außer unserer Angst.«

Manifeste haben die feministischen Bewegungen seit Anbeginn begleitet. Ihre Autor:innen kritisieren den Status Quo, imaginieren neue Zukünfte, rufen nach einem solidarischem »Wir« und stellen Forderungen. Als Virginia Woolf 1929 ihr Manifest »A Room of One’s Own« verfasste, hätte sie sich wohl nicht vorstellen können, dass fast hundert Jahre später immer noch für Räume, Zugänge und Unabhängigkeit gekämpft wird. So lesen sich viele der feministischen Manifeste des letzten Jahrhunderts immer noch überraschend aktuell.
In der Installation </A “Manifesto” of= {every} One.s Own> trifft die Besuchende auf ein Archiv von Texten, Tönen und Bildern, auf ein Ensemble aus Bühnentechnik und eine Künstliche Intelligenz, mit der sie gemeinsam die Puzzleteile vergangener Kämpfe in neue Zusammenhänge bringt. Gleichzeitig befragt die Installation den codierten Raum als Vorstellungsraum für kollektives politisches Handeln und setzt sich auf den Spuren feministischer Geschichte mit den Möglichkeiten einer utopischen Zukunft auseinander.

Swoosh Lieu (Johanna Castell, Katharina Pelosi, Rosa Wernecke) wurde 2009 am Institut für Angewandte Theaterwissenschaften gegründet und entwickelt Performances, Installationen, Hörspiele und Filme. Das queerfeministische Kollektiv schafft temporäre Räume und Bilder in Echtzeit und thematisiert gleichzeitig ihre Herstellung. </A “Manifesto” of= {every} One.s Own> ist die erste Zusammenarbeit mit dem Ballhaus Ost.

Vögel

Steuerschulden treiben Peisetairos und Euelipides ins Exil zum freien Volk der Vögel. Machthungrig redet Peisetairos den Vögeln ein, einer überlegenen Art anzugehören. Die Manipulation gelingt und als Herrscher über Götter und Menschen organisiert er den neuen Staat Wolkenkuckucksheim, beseitigt unwillige Untertanen und rekrutiert ein sich für ihn und seine Ideen begeisterndes Vogelvolk.
Der 2400 Jahre alte Stoff »Die Vögel« hat nichts von seinem anarchischen Humor und seiner kritischen Aktualität verloren. Possible World lassen nun in ihrer Adaption taube Welt, Taubenkultur und hörende Welt aufeinandertreffen. Was heißt Inklusion in einer Demokratie – und im täglichen Probenprozess? Ein tauber und eine hörende Regisseur:in, zwei taube, zwei hörende Darsteller und ein »child of deaf adults« (Coda) entwickeln für die Bühne inklusive Kommunikationswege in Deutscher Gebärdensprache, Lautsprache und Visual Vernacular. Es wird von Macht und Machtmissbrauch, Grabenkämpfen und vielleicht auch von Lösungen erzählt.

Das inklusive Theaterkollektiv Possible World wurde 2009 gegründet. Ziel ist es, ein inklusives Modell für die Zusammenarbeit von Tauben und Hörenden beständig weiterzuentwickeln und in die Kulturlandschaft einzubringen. In den Jahren 2009-2020 entstanden vier Theaterproduktionen: »Frühling Erwache!« (2009), »ME DEA(F)« (2011), »Die Taube Zeitmaschine – eine Lecture-Performance über die Geschichte der Gehörlosen« (2014) und »Ein Sommernachtstraum« (2018) sowie die Filmproduktion »WIR. I & II« (2013). Alle Produktionen entstanden in Kooperation mit dem Ballhaus Ost. »Vögel« ist die erste Zusammenarbeit von Possible World Regisseurin Michaela Caspar und dem Gebärdensprachpoeten Giuseppe Giuranna.