WHISTLE ist ein Duett an der unbequemen Schnittstelle zwischen der Aufforderung zur Performance und dem Bedürfnis nach Ruhe. Ausgehend von der Erfahrung von Tinnitus sowie der Redewendung „Pfeifen im Walde“ wird das „Pfeifen“ hier sowohl als göttlicher Weckruf als auch zur Beruhigung eingesetzt, um Angst zu überspielen. Inmitten von Alarme und Wiegenliedern erschließen die Performer:innen herzöffnende Bewegungen als instabile choreografische Zustände, in denen das Öffnen sowohl das Versprechen von Verbindung als auch die Gefahr der Überforderung birgt.
Wie unterscheidet sich ein auf das Aushalten konditionierter Körper von einem, der Gewalt ausübt?
Miguel Witzke Pereira nähert sich dem Körper als psychosomatisches Archiv an und erforscht die Politik der Affekte durch Tanz, Choreografie und verkörperte Formen des Aberglaubens. Seine Arbeit nutzt Praktiken des Schutzes und der Weichwerdung, um den durch das Patriarchat auferlegten „maskulinen Panzer“ zu verunsichern. Diese Recherche begreift den Körper als Whistleblower und entfaltet sich in enger Zusammenarbeit mit der Tänzerin Dasha Belous und dem Musiker Angelo Harmsworth.