Monika Ertl, Tochter des Riefenstahl-Kameramanns Hans Ertl, verlässt Ende der 1960er Jahre ihre privilegierte Ehe in Bolivien, schließt sich 1969 der von Che Guevara im Land aufgebauten Guerilla an und radikalisiert sich von einer Aktivistin zu einer mutmaßlichen politischen Attentäterin. Ihr Kampf gegen die bolivianische Diktatur führt auch zur Konfrontation mit dem NS-Kriegsverbrecher Klaus Barbie, der vom US-Geheimdienst CIC eingeschleust wurde und für das Militärregime tätig ist. Ihm sind wiederum die französischen Nazi-Jäger Serge und Beate Klarsfeld und Régis Debray auf der Spur. Für Monika Ertl endet die Spirale aus Staatsgewalt und Gegengewalt tödlich.
In »Eine Frage des Widerstands« entwerfen vier Schauspieler*innen aus Deutschland, Frankreich und Bolivien mit einer Vielzahl von filmischen Sequenzen, Zeitzeug*innen-Interviews, Archivmaterial, theatralen Szenen und musikalischen Entwürfen ein Stück über das Leben und die Motive von Monika Ertl. Im Spannungsfeld von Widerstand, Gewalt und Revolution fragen sie: Wie können wir von diesem filmreifen, revolutionären Leben erzählen? Ab wann und warum greift eine Zivilistin zur Waffe? Wer legitimiert Gegengewalt? Und wie würden wir selbst handeln, wenn sich unsere Demokratie zu einer Diktatur wandeln und beginnen würde, Menschen verschwinden zu lassen?
Die Inszenierung bildet den dritten und abschließenden Teil in Felix Meyer-Christians zehnjähriger dokumentarischer Theatertrilogie (2016 bis 2026) über das außergewöhnliche und oftmals unbekannte Leben Monika Ertls. Dafür filmte er mit der COSTA COMPAGNIE auf zwei Kontinenten in La Paz und Paris, Santa Cruz und Lyon, den Alpen und den Anden und interviewte ehemalige Kämpfer*innen, Zeitzeug*innen und Historiker*innen. Die Langzeitrecherche mündet 2027 in einen eigenständigen Dokumentarfilm unter der Regie von Meyer-Christian, in Koproduktion mit ZDF und in Zusammenarbeit mit ARTE.
Die COSTA COMPAGNIE aus Berlin entwirft seit 2012 dokumentarische Arbeiten, die performative, filmische und choreografische Methoden miteinander verbinden und in Inszenierungen, immersiven 360°-Performances, Virtual & Augmented Reality und Film umgesetzt werden. Sie fokussiert sich auf globalpolitische Umbrüche, Kriegs- und Konfliktregionen und die Frage nach den Menschen darin, die oftmals in Kunst, Medien und Politik unterrepräsentiert bleiben. Dazu recherchiert und filmt die Gruppe u.a. in der Ostukraine, Palästina, Israel, Libanon, Irak, Afghanistan, den USA, Thailand, Japan, Mosambik und Südsudan. Arbeiten wurden u.a. präsentiert beim Impulse-Festival, dem Festival Politik im Freien Theater, beim Achtung-Berlin Filmfestival und beim Filmfestival Max Ophüls Preis.