Ich sehe mich von oben: ich liege auf einem Sofa und habe Faulpelz an. Es ist kuschelig, warm und hat schöne Muster in blau, grün und weiß. Ich möchte ihn mit meiner Hand berühren, aber die kleinen Köpfe der Pilze entweichen mir. Ich liege auf dem Sofa und warte… warte, bis ich was werde. Das Fenster darf ich aber nicht öffnen, da das Wachstum des Schimmels eine bestimmte Luftfeuchtigkeit braucht. Und so liege ich und warte, bis aus mir was wird – vielleicht Penicillin, Salami oder Camembert.
Die Performance beschäftigt sich mit der Geschichte der Faulheit einer moralischen Einheit, die nur in deren Beziehung zur Arbeit sichtbar wird. Faul ist man nicht dann, wenn man was tut, sondern dann, wenn man was nicht tut.
In ihrer Soloperformance setzt sich die Künstler*in Arnita Jaunsubrēna mit eigener Produktivität auseinander, die durch chronische Erkrankung abgenommen hat. In dem Geiste von Lecture Performance konfrontiert sie sich mit der Scham und gesellschaftlichen Erwartungen. Sie erzählt persönliche Geschichten und untersucht Arbeitstiere aus eigener Familie, redet über Schimmel und Kompost und untersucht den Arbeitszwang des Staates. Am Ende findet sie Zuflucht in der Ruhe der Faultiere.
Wo finden wir Platz für Fehlern, Pausen und Veränderungen in der westlichen Arbeitskultur?
almost good (LV/DE) ist das Solo Kollektiv von Arnita Jaunsubrēna. Die Künstlerin lebt in Berlin, studierte im unabhängigen Lettland und wuchs im Lettland der 80er auf, als Teil der Sowjetunion. Seit 2015 lebt Arni in Berlin. almost good wurde Anfang 2023 gegründet, als Versuch die Kunst als einen Prozess, in dem Perfektion nicht die oberste Priorität hat, zu begreifen. Mit almost good möchte Arnita Jaunsubrēna sich selbst Mut machen die Kunst als Beruf nicht aufzugeben, nur weil man chronisch krank ist und neue Arbeitswege finden muss, um mit der Krankheit und dadurch bedingten Unfähigkeiten umzugehen.