1925 feiert »Der Fröhliche Weinberg« Premiere – im selben Jahr, in dem Adolf Hitlers Hassschrift »Mein Kampf« erscheint. Der Theaterautor Carl Zuckmayer besingt in seinem Lustspiel die deutsche Gemütlichkeit, erwähnt die faschistische Gefahr jedoch kaum. »Damals glaubten wir noch, sie aus vollem Halse weglachen zu können – bis es eines Tages nichts mehr zu lachen gab«, stellt er 1961 fest. Genau 100 Jahre später nimmt das Performancekollektiv Boys* in Sync, Carl Zuckmayers deutsche Weinberg-Idylle zum Anlass, um über das Theater und die Lust am Lachen nachzudenken. Während sich an vielen Orten der Welt, rechte Regierungen an die Macht schwingen, produzieren die Künstler*innen aus Polen, Schweden, Norwegen und Deutschland ihr ganz eigenes, »internationales Lustspiel«: In SECOND SEASON beleuchten sie mit Ernsthaftigkeit und queerem Vergnügen, welche Geschichten wir im Theater erzählen – und warum das nie egal ist… Die Berliner Vorstellung ist Teil der »BOYS* IN SYNC Going Home Tour«: Einen Monat lang, reisen die Künstler*innen mit ihrer Erzählperformance durch fünf verschiedene Europäische Länder. Dieses Projekt wird gefördert von Performing Arts Hub Norway, Arts and Culture Norway, Nordic Culture Point und Kulturstöd Göteborg. BOYS* IN SYNC ist ein Performancekollektiv mit Mitgliedern aus Deutschland, Norwegen, Polen, Südafrika, Schweden und Dänemark. Ihre Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld zwischen queerer Körperpraxis, Popästhetik und dokumentarischer Performance.Ständige Mitglieder sind die Puppenspielerin Ragni Halle, die Schauspieler:innen Livia Hiselius und Jay Tebogo Fiskerstrand, der Musiker Gregers Hansen, der Tänzer Jakob Krog und der Regisseur Simon David Zeller. Die Gruppe wurde seit 2019 u. a. zum Fringe Festival Edinburgh, Fast Forward Festival Dresden, Performing Arts Festival Berlin, Frie Felts Festival Kopenhagen und den Autor:innentheatertagen Berlin eingeladen. Zuletzt waren Boys* in Sync mit ZAPFENSTREICH im Ballhaus Ost. www.boysinsync.com
Archiv: Produktionen
Seedling
Wir ziehen den Kult-Science-Fiction-Roman aus unserer hinteren Hosentasche und beginnen zu lesen. Die Geschichte beginnt – Schlangen und Narben. Briefe einer Ausreißerin. Studiennotizen und Coverversionen. Ein Volkslied in einer neuen Sprache. Ein Happy End, und wir schließen das Buch.Wir versuchen es erneut – ein Tonstudio in Nashville. Ein Antiquariat. Ein Busbahnhof, eine Zwischenstation, eine Samenbank. Die Scala und der Jeong. Ein weiteres Ende.Noch einmal – ein Raumschiff, angetrieben von Sehnsucht. Eine Hülle, die unsere Seelen offenbart. Ein Wald, der zu einem anderen Wald singt. Flut.Noch einmal …?Was tun wir, wenn uns das Happy End nicht glücklich macht? / Was tun wir mit einer Utopie, die von Geistern heimgesucht wird? / Woher wissen wir, wann die Geschichte endet? »Seedling«, ein neues Bühnenwerk von ONCE WE WERE ISLANDS, navigiert durch ein Multiversum auf der Suche nach Schönheit und Sinn in dem endlosen Kreislauf unseres queeren Lebens. Es ist das neunte Kapitel des zweijährigen Kunstprojekts With Forests in Our Mouths und eine Ergänzung zu »Palace of Ash & Rain«, das im Herbst 2024 im Ballhaus Ost gezeigt wurde.. www.withforestsinourmouths.com Das Queer-Performance-Kollektiv ONCE WE WERE ISLANDS macht multidisziplinäre Performance-Arbeiten, bei denen sie oft die Queer-konstruierte Sprache Damiá als künstlerisches Mittel einsetzen. Im Jahr 2023 verließen sie Berlin für ein neues Zuhause am Waldrand in Nordkarelien, Finnland.
Labor Sonor – Celebrating 25 Years
25 Jahre Labor Sonor. Fünf Konzerte. Ein langer Abend. 1) krautfuzz ist geprägt von einer kantig-futuristischen Spannung, die von Neo-Psych-Rock über abstrakten Minimalismus bis hin zu purem Noise reicht: mit Live-Videoimprovisationen von iLan katin. 2) INK ist eine biegsame Blase aus schwebender Erregung, romantischen Verlangsamungen und fröhlichen Refrains. 3) Christian Kesten bewegt Objekte auf einem amplifizierten Tisch und erzählt dazu seltsame Geschichten. 4) Fernanda Farahs neues Stück FEED•IN•ATTENTION ist ein Soundtrack, der aus ihrem Instagram-Feed und seinen algorithmischen Diskrepanzen besteht (Premiere). 5) Contagious ist die zukunftsweisende Mischung aus avantgardistischem Experimentieren und elektronischer Musik. Labor Sonor ist die älteste Konzertreihe für Echtzeitmusik und prägt seit ihren Anfängen eine breite Szene. Sie präsentiert das Spektrum aktueller experimenteller Musikformen jenseits genrespezifischer Bestimmbarkeit.
THE WATS
In der abgelegenen, apokalyptischen Wüstenlandschaft Neuseelands begegnen drei Reisende einer mysteriösen Frau und ihrem Kind. Was als sowohl anstrengende, als auch heitere Reise beginnt, entwickelt sich zu einer absurden, aber humorvollen Nacht, die eine Geschichte von Gewalt, Isolation und Emanzipation erzählt. Die Berliner Komponistin und Musikerin Stepha Schweiger präsentiert mit »THE WATS« ein neues, genreübergreifendes Musiktheater basierend auf der Kurzgeschichte The Woman at the Store von Katherine Mansfield (1888–1923). Sie übersetzt die Motive Mansfields – die Rolle der Frau, zwischen-menschliche Beziehungen und das Verhältnis zur Natur – in einen aktuellen gesellschaftlichen Kontext. Das Musiktheater thematisiert hochaktuelle Fragen wie sexualisierte Gewalt, Klimakatastrophe und die Suche nach Selbstbestimmung mit musikalischen Mitteln der Repetition und subtilen catchy Variationen. Stepha Schweiger ist eine avantgardistische Komponistin, Produzentin, Pianistin/Keyboarderin und Singer/Songwriterin in den Bereichen Neue Musik, Experimentelle Musik, Free Jazz, Song, Indie-Pop, Minimal, Konzeptmusik, Industrial, Natural Tuning und Spectral Music. Im Anschluss an die Vorstellung vom 03.10. findet ein Publikumsgespräch in Kooperation mit Theaterscoutings Berlin statt. Besetzung: Stepha Schweiger (der Wind, Sängerin), Anke Retzlaff (Woman, Sängerin, Schauspielerin, Avatar), Ziv Frenkel (Kind Else, Tänzer:in, Avatar), Deborah Rawlings (Erzählerin, Performerin, Avatar), Raphael Dwinger (Jo, Bariton, Schauspieler) und Adam Goodwin (Hin, Kontrabassist, Avatar), Musikensemble: LUX:NM-Silke Lange (Akkordeon), Ruth Velten (Saxophon), Florian Juncker (Posaune) und Zoé Cartier (Violoncello) Konzept, Komposition, Regie- und Videoinhalte: Stepha Schweiger, Dramaturgie: Dag Lohde, Regieassistenz: Luca Anthony, Sounddesign: Florian Tippe, Bühnenhintergrund / Video: PFA-STUDIOS, elektronisches Arrangement: Pyrolator, Lichtdesign: Aslı Atasoy Öner. Maske & Kostümberatung: Sofie Röhrig, Drawing / Requisite Unterstützung: Sofia Casas, Produktionsleitung: Johanna Madden
Dissolving
Dissolving ist ein regelmäßiges Zusammenkommen für einen Austausch mit Crip-bezogenen Themen. Der Fokus liegt dabei auf neurodivergenten, chronisch kranken und nichtsichtbar Be_hinderten Perspektiven. In einem Relaxed Environment laden wir dazu ein, sich über (Access)-Bedürfnisse und crip-spezifische Organisationsweisen und Ästhetiken auszutauschen. Wir suchen lustvoll nach neuen Verbindungen und Handlungsmöglichkeiten.Die Treffen sind eine Mischung aus den akuten Themen der Teilnehmenden und den vorbereiteten Themenschwerpunkten von Juliet und Wanda. Alle Menschen, die Interesse haben, sind eingeladen, in der Form teilzunehmen, wie es ihnen möglich ist. Am 15.9. beschäftigen wir uns mit dem Thema von diversen (crip-) Zeitlichkeiten. 24.9. 17:00 (Uferstudios, Unrenewable Energies Festival Berlin) Thema: cross-community-Räume Am 9.10. wird es um (Körper-) Archive gehen. Die Treffen dauern ca. drei Stunden (mit einer 30-minütigen Pause).Wir bitten um eine Anmeldung unter dissolving.gathering@posteo.de, damit wir besser planen können, ihr könnt aber auch ohne Anmeldung vorbeikommen. Wanda Dubrau und Juliet Meding tauschen sich seit einer Weile zur Auflösung vorstrukturierter Räume und Zeitlichkeiten aus sowie über Inklusion marginalisierter Körper und Seinsweisen.Seit 2024 hosten sie gemeinsam die Reihe DISSOLVING.
Draghaus Ost: König Opera
Buba Sababa und Dick Hunt, zwei der legendärsten Opernsänger, erhalten ein verlockendes Angebot: sie können ein Stück aufführen, das seit über 100 Jahren nicht mehr gesungen wurde. Gerüchten zufolge ist das Stück verflucht und ein schreckliches Schicksal erwartet diejenigen, die wagen es zu interpretieren… Die Live-Drag-King-Theatershow endlich im Ballhaus Ost! Finde heraus, wie das Schicksal von Buba und Dick aussieht! Das Projekt König entstand aus einer langjährigen Community-Arbeit. Ziel ist es, einen starken und wachsenden Raum für Drag Kings, Trans-Personen und nicht-binäre Drag-Performer*innen in Berlin zu schaffen. Sichere und kreative Umgebungen, in der sich Menschen treffen, austauschen und gemeinsam entwickeln können und um Vielfalt auf der Bühne zu feiern. www.konigdragshow.com
Voyage de Genre: Transition in Three Movements
In einem performativen Tryptichon nehmen The Dames und ihre drei Gäste das Publikum mit auf eine musikalische Reise von Weiblichkeit zu Männlichkeit durch Spiritualität. Ein rituelles Zusammenkommen, das Glamour, Mut und Gefühl zu einer unvergesslichen Geschichte verwebt. Die dreistündige Performance ist das große Finale einer Serie von Shows, die Nancy Nutter (Gesang) und Madame Eve (am Klavier) im Roten Salon der Volksbühne entwickelt haben. Im Ballhaus Ost führen sie die Stationen ihrer Reise mit Burlesque-Ikone Chiqui Love, Jade Lees außergewöhnlicher Zirkuskunst und der Drag-King-Legende Bridge Markland zusammen. The Dames (gegründet 2022 in Berlin) ist ein Live-Kabarett-Musik-Duo. Mit einem Klavier und ihren Stimmen nutzen sie Musik für Momente kollektiver Erinnerung und queerer Kraft. Ausgehend von ihren Ursprüngen in Queer- und Burlesque-Bars brechen diese Trans-Schwestern nun ins Theater auf. »Voyage de Genre« ist sowohl eine Zusammenfassung all dessen, was sie bisher erreicht haben, als auch ein Ausblick auf das, was noch kommen wird.
Sterben 1, 2, 3: Hopp!
Du kannst mich doch nicht die ganze Zeit so anschreien! – Dann zieh dein Hörgerät an! Eine interaktive Performance über die Liebe zu den eigenen Müttern und der Angst vor Verlust, Verfall und zukünftiger Armut. Ein Abend zwischen Crosstrainer, Albrecht Dürer und Trauer – mit Karaoke, Gymnastik und Popmusik der 80er. Michaela Caspar und Peter Marty kennen sich aus der langjährigen Zusammenarbeit mit dem Theaterkollektiv Possible World. Die Erfahrung die beide bei der Pflege ihrer Mütter machen ist intensiv. Das Umfeld reagiert auf die Pflegesituation mit Unbehagen, Unverständnis und Missbilligung. Ein eigenartiges Verschweigen entsteht. Um die Perspektive auf häusliche Pflege zu öffnen, um sie zu ändern und dafür einen Ort des Austausches zu schaffen, bringen Michaela und Peter »Sterben 1,2,3: Hopp!« auf die Bühne. www.possibleworld.eu
Linke Hände
Die musikalische Lecture Performance »Linke Hände« widmet sich Künstlerinnen der DDR, begibt sich auf ihre Spuren und in ihr Werk hinein, ist Dokumentation, Liebeserklärung, Punkkonzert – mit Rosa Beton – und Essay zugleich.
Das Musiktheaterkollektiv Hauen und Stechen entwickelte seine Arbeiten in Kellern und auf Opernbühnen. Es steht für eine poetische, vielgestaltige und wilde Theatersprache, die im Musiktheater eine politische und eigenwillige Position markiert.
H I N W E I S :
Die Aufführung beinhaltet die Darstellung von Nacktheit sowie laute Popmusik.
KÖNIGIN IM DRECK – eine musikalische Lesung
«schreiben schwulsein kommunistsein, glaube liebe hoffnung, kindlich tuntig selbstbewußt.» Ronald M. Schernikau ist schwul und Kommunist. Er lebt in der BRD und will unbedingt in die DDR. Sein Ziel: Ein Studium am Literaturinstitut «Johannes R. Becher» und die DDR-Staatsbürgerschaft. Pointiert, kämpferisch, albern, erhaben. Schwule Fantasien mischen sich mit politischer Analyse. Klassik begegnet Camp. Glamour trifft auf Trauer. 1991 bereits stirbt Schernikau an AIDS. Die musikalische Lesung möchte euch einen queeren Autor nahe zu bringen, der bedauerlicherweise 1991 seiner AIDS-Erkrankung erlag. Noch kurz vor seinem Tod stellte Schernikau das Buch „Legende“ fertig. Das Manuskript blieb lange Zeit unveröffentlicht. Schernikaus Opus Magnum ist Bibel und Travestie, Epos und Musical, ist als dokumentarische Bestandsaufnahme beider Deutschlands in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts von nachgerade bestürzender Aktualität – und immer heiter vertieftes Spiel mit der Änderbarkeit der Welt. Tucké Royale und Jens Friebe haben sowohl getrennt als auch gemeinsam bereits zu Schernikau gearbeitet. Kristin Bönicke ist Nachlassverwalterin Schernikaus und arbeitet an einer Edition seiner Briefe für den Verbrecher Verlag. Elmira Bahrami wirkte bereits bei der ersten Aufführung des Programms am Theater Basel mit.