Können wir den Moment erkennen, in dem wir eine Grenze nicht überschreiten, nicht zustimmen oder nicht wegsehen sollten? Können wir dem Spiel der Zensur widerstehen, es überleben, stören oder unterlaufen? Und wann beginnen diese Strategien, genau jenes System aufrechtzuerhalten, das sie ursprünglich auszuhalten oder zu überwinden suchten?
»The Game We Knew but Didn’t Play« untersucht Zensur als Machtkampf, der in künstlerische Prozesse, Beziehungen und alltägliche Begegnungen eingreift. Die Performance fragt danach, wie Zensur bestimmt, was gesagt und gezeigt werden kann, aber auch, wie sie Institutionen, Gemeinschaften und die Art und Weise prägt, wie Künstler*innen verhandeln, sich anpassen, schweigen, Risiken eingehen oder ihre Arbeit innerhalb restriktiver Strukturen fortsetzen.
Die Arbeit basiert auf Azadeh Ganjehs Forschung zu deutschen Theaterproduktionen, die nach der Revolution von 1979 in staatlich kontrollierten Spielstätten der Islamischen Republik Iran gezeigt wurden. Geprägt von den Perspektiven exilierter Künstler*innen, die Zensur erfahren haben, dienen diese Fallbeispiele als Ausgangspunkt für eine Untersuchung von Zensur in unterschiedlichen politischen, kulturellen und institutionellen Kontexten.
Entwickelt von den Rebel-IST-hah!-Mitgliedern Foad Esfahani und Azadeh Ganjeh in Zusammenarbeit mit Lisa Lucassen, Jule Flierl und Philine Rinnert, greift die Performance auf dokumentarische Materialien, historische Fallstudien, persönliche Archive, Biografien und performative Handlungen zurück. Gemeinsam erweitern diese Materialien die Auseinandersetzung mit der Frage, wie unser Leben, unsere Entscheidungen und unser Handeln in Systeme der Zensur verstrickt werden.
Jede Aufführung eröffnet einen Raum für Fragen. Wie dringt Zensur in diesen Raum ein? Wie wird sie zu einem unsichtbaren Bestandteil ästhetischer Entscheidungen, institutioneller Vereinbarungen oder künstlerischer Kooperationen? Und wer profitiert von den Kompromissen und Verflechtungen, die daraus entstehen?
Was wussten wir über das Spiel? Und was könnte geschehen, wenn wir dieses Wissen in Handeln verwandeln?
Rebel-IST-hah! ist ein Performance- und Forschungskollektiv, das 2006 von Azadeh Ganjeh und Foad Esfahani in Teheran (Iran) gegründet wurde und seit 2022 seinen Sitz in Berlin hat. Durch Performancekunst, künstlerische Forschung und kollaborative Arbeitsprozesse setzt sich das Kollektiv mit gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen auseinander und untersucht, wie Menschen Macht durch Körper, Räume, Institutionen und Narrative erfahren. Im Laufe der Jahre hat Rebel-IST-hah! sowohl in konventionellen als auch in ungewöhnlichen Räumen gearbeitet und mit interdisziplinären Künstler*innen, Performer*innen, Forscher*innen sowie unterschiedlichen Communities zusammengearbeitet. Das Spektrum ihrer Arbeiten reicht von Performance-Aktivismus über immersives Theater, Hörspiele und Lecture Performances bis hin zu Bühnenproduktionen. Dabei verbinden sie dokumentarische und Archivmaterialien mit verkörperten Praktiken, Erinnerung und performativen Experimenten. So entstehen Arbeiten, die Aktivismus bezeugen, Räume des Erscheinens eröffnen, zur Teilhabe an der Performance und/oder an der gesellschaftlichen Realität einladen und alternative Formen politischen Miteinanders entwerfen.