Das anschauliche Klaffen

»Das anschauliche Klaffen« beschäftigt sich mit dem Einbruch des Chaos in unseren intimsten Lebensbereichen am Beispiel des Mutter-seins. Der Akt des Aufräumen als Sehnsucht nach Kontrolle aber auch als rituelle Verbindung zum ursprünglichen Chaos und was davon noch in uns übrig ist, bildet die Grundlage dieses Tanzduetts.
Moss Beynon Juckes und Maria Walser, beide Mütter, spielen Familie, strapazieren Hierarchien und springen von einer Generationen zur anderen. Bedroht von einer Allianz des Haushalts aus Möbeln, Spielzeug, Büchern, Kosmetik, Bürokratie, Mutterbildern und Rollenklischees, suchen die beiden ihre eigene Ordnung mal miteinander, mal gegeneinander und erproben so gleichzeitig Strategien, Beziehung und Verantwortung immer wieder neu zu denken.
In der scheinbar geordneten Welt der Bühnenbildnerin Mirella Oestreicher und begleitet von den musikalisch zerlegten Schöpfungsmythen von Vera Pulido, werden die Urmütter, besungen, wie sie den ewigen Kreislauf von Chaos zu Ordnung bewerkstelligen. Sie dienen als Inspiration, wie wir beim spielen der überlieferten Rollenbilder, sowohl uns als auch die präexistenten Formen verändern können.
Für dieses Stück gilt: Was sich schon nicht organisch fügt, soll gefälligst anschaulich Klaffen.

Labor Sonor : Translating Spaces

How do places and spaces influence our thoughts, actions and experiences? What do spaces offer, what do they allow, demand or prevent? How do spaces emerge and change through what happens in them and with them? The festival »Labor Sonor : Translating Spaces« explores the power of space in contemporary experimental music and sound art. The motto of the festival is: Listen twice! The audience will have the opportunity to experience sound and music simultaneously or consecutively in changing situations, places and spaces. To this end, the festival presents nine original works by composers and installation artists, which will be presented over three days in extremely different locations. An accompanying symposium explores the development processes of the works premiered at the festival and brings artists and audiences into direct dialogue. Program at Ballhaus Ost:August 27, 20214.00-10.00 pm: »Auditory canals A and B – 2 proposals« – Installation (Sabine Ercklentz)4.00-10.00 pm: »A Small Leak of an Interior Monologue« – Installation (Raed Yassin)6.00-10.00 pm: »Reverse-Side« – for double video projection and 4-channels of sound (Joanna Bailie) August 28, 20213.00-10.00 pm: »Auditory canals A and B – 2 proposals« – Installation (Sabine Ercklentz)3.00-10.00 pm: »A Small Leak of an Interior Monologue« – Installation (Raed Yassin)6.00-10.00 pm: Eric Bauer | Lena Czerniawska | Carina Khorkhordina August 29, 20213.00-10.00 pm: »Auditory canals A and B – 2 proposals« – Installation (Sabine Ercklentz)3.00-10.00 pm: »A Small Leak of an Interior Monologue« – Installation (Raed Yassin)6.00-10.00 pm: »DREAM LIFE« (Frank Bretschneider)

Social Capsule

»Social Capsule« ist das Wohlfühlwohnen von morgen. Sicher, sauber, einfühlsam und vor allem mobil! Die WELCOME HOME GROUP öffnet nun ihren Showroom und lädt in ein smartes Tiny House, das in 30-minütigen Einzelterminen zur Probe bewohnt werden kann. In freundlicher Koexistenz mit dem hauseigenen KI und der Augmented Reality-Mitbewohnerin ist mensch in jeder Ecke des Tiny Houses in bester Gesellschaft. Die persönliche Komfortzone wird zu einer Begegnungsstätte, die empathisches Miteinander bietet und anregt, ohne anzustrengen! Eine Berührung der eigenen vier Wände mit Emotionen on demand.»Social Capsule« fragt, welche Leerstellen digitales Miteinander aufweist. Kann das Gefühl von sozialer Distanz – ob als Folge zunehmender Digitalisierung, pandemiebedingt oder durch großstädtliche Vereinzelung – artifiziell substituiert werden oder gibt es ein Begehren, das nur das menschliche Gegenüber ausfüllen kann?Das Monopol Berlin, eine ehemalige Destillerie in Reinickendorf, ist das erste Zuhause des Showrooms der Welcome Home Group. Ganz im Sinne eines mobilen Tiny Houses zieht die »Social Capsule« von der urbanen Peripherie im September in den Holzmarkt, zwischen Cafe und Weinladen an der Mediaspree. Theresa Reiwer ist Medienkünstlerin, Bühnen- und Kostümbildnerin. In ihren Arbeiten kombiniert sie Augmented und Virtual Reality mit physisch begehbaren Räumen und verweist auf popkulturelle wie neoliberale Phänomene. Ihre narrative Rauminstallation »Slow Rooms« beschäftigte sich mit den Themen Künstliche Intelligenz und Kommodifizierung von Freizeit. Sie brachte ihr den Mart Stam Preis 2019 und das Berliner Nachwuchsförderstipendium Elsa Neumann ein. Als Szenenbildnerin für das Kino war sie zwei Mal auf der Berlinale vertreten (»Jibril«, »Glück«), ihre Bühnen- und Videoarbeiten wurden zum Impulse Theater Festival (»The Kids are alright«) und zum PAF (»Wüste Zukunft«) eingeladen.

The Story of an Hour

»The Story of an Hour« is about Louise Mallard, who has just learned of her husband’s sudden death in an apparent train accident. Her sister Josephine attempts to deliver the news delicately since Louise suffers from a weak heart. She bursts into tears and locks herself in her bedroom. There, Louise is unexpectedly overcome with something she’s never felt before.

In the span of exactly sixty minutes, Kate Chopin’s short story unpacks and determines a utopia of self-determined transformation. First published in 1894, »The Story of an Hour« exemplifies this American writer’s work, but is still little known to readers outside of the United States. It will be performed for the first time on the German stage. For Marie Schleef and her team, the short story, in the form of an hour-long silent piece, becomes the basis for examining new narrative and dream spaces void of the spoken word. In this way, the artistic team expands on their experiments with visual and performative storytelling explored in two previous works. Together with the adaptation of the novel »To the Lighthouse« (Volksbühne Berlin, 2018) and »Name Her. Eine Suche nach den Frauen+« (Ballhaus Ost, 2020), a collaborative work by Marie SchleefJule SaworskiAnne Tismer, and Laura Andreß that was invited to the 58th Berlin Theatertreffen, »Die Geschichte einer Stunde | The Story of an Hour« completes Marie Schleef’s trilogy dealing with »rooms of emancipation« in which literature and history are investigated in terms of new and forgotten spaces of possibility.

Die Ausschreitung

Misty summer morning, Glitch and Copper Key are walking towards the Digital Park. They are friends. It’s 2101. The world has been flooded, and yes, that has challenged architecture ever since. As they pass, the »Safety, Sanity and Security« sign flashes on the door. A vague memory pops up, they remember they don’t remember. Caught in an autocratic virtual world that feeds them with synthetic fries, they wonder how long can they continue to adapt ? Will they succeed to hack the future?

Choregrapher Cécile Bally and Emma Tricard create with the foley artist Niels Bovri a dance performance based on a Science Fiction novel. Written collectively during workshops in Kortrijk, Santiago de Chile, Aix-en Provence and Berlin, »Die Ausschreitung« became a political thriller.

Emma Tricard, currently based in Marseille, graduated from the Master Exerce at the ICI-CCN in Montpellier. Dancer and choreographer, she loves to talk. Since 2015, she develops a choreographic research based on the observation and distortion between »saying« and »doing«. Thrown into an adventurous quest, she invents dances of conjugation, thinks her work in the future and plays humorously with the causal relationships between things, thoughts, movements and natural phenomena.

Cécile Bally is a Berlin-based choreographer with degrees in dance (HZT Berlin) and economics (École Normale Supérieure de Paris-Saclay). Her artistic work creates links between these two milieus and questions, with humor, the place of rationality and magical realism in performance. Cécile Bally anchors her work in the world of science fiction as a social critique and looks at predominant entities of current popular culture provoking dreams and nightmares at the same time.

PALMASOLA

Kokain ist die zweithäufigste illegale Droge in Europa. Handel und Konsum steigen europaweit stetig. 2021 wurden allein in Deutschland zwischen Januar und März 16 Tonnen Kokain sichergestellt, 2020 waren es insgesamt 10 Tonnen. Wer sich als Europäer:in als Drogenkurier verdingt, kann mit Glück an den unglaublichen Gewinnspannen im Handel mit dem weißen Gold teilhaben. Wer dabei in Bolivien von der Polizei aufgegriffen wird, landet mit hoher Wahrscheinlichkeit in Palmasola, dem größten Gefängnis des Landes. Der Ort nimmt in der zynischen Rankingliste der »härtesten Knäste« der Welt seit Jahren zuverlässig einen Spitzenplatz ein. Der bolivianische Staat stellt keine Zellen, sondern die Insassen müssen sich ihre Unterkünfte mieten, kaufen oder bauen, unter Umständen auch erkämpfen. Die Spannweite reicht von einfachen Pritschen bis zu komfortablen Unterkünften der Wohlhabenden und Bandenführer. Hier sitzen 70 Prozent der Häftlinge ohne Urteil ein. Viele warten seit Jahren vergeblich auf ein Gerichtsverfahren, doch ohne Geld gibt es auch kein Recht. »PALMASOLA« erzählt von den Überlebenstrategien, den Träumen und Albträumen der Häftlinge in der neoliberalen Versuchsanstalt und untersucht die Gesetzmäßigkeiten dieses »Staates im Staat«, die sich durch die Pandemie noch verschärft haben. Seit 1991 erforscht KLARA unterschiedliche Theatersprachen, neue Dramaturgien und die Vermischung von fiktionalen und dokumentarischen Spielweisen. Alle Produktionen sind Stückentwicklungen in einem kollektiven Prozess. In den Arbeiten der letzten Jahre fokussierte KLARA vermehrt gesellschaftliche Fragen zu sozialer Teilhabe und Ökologie. Wichtiger Teil der jüngsten Projekte war oft ein mehrjähriger Rechercheprozess. KLARAs künstlerischer Leiter ist der Regisseur Christoph Frick.

I just called to say.. sHe’s dead.

Oft ist es nur die ungewöhnliche Uhrzeit, die zu lange Atempause, diese ganz bestimmte Stimmlage oder einfach der übersprunghafte Einstieg ins Gespräch, der verrät, dass dieser Anruf alles verändert. Die Nachricht vom Tod eines geliebten Menschen überbringt. Eine Lücke reißt. Die Zeit gefrieren lässt und nichts danach mehr so ist, so sein kann, wie noch Minuten davor. Der Moment, in der die Trauer beginnt, bevor wir überhaupt den Tod vernehmen, verstehen oder von uns weisen können. Jede Zeitrechnung eine andere wird. Diesem Moment zwischen der Benachrichtigung und dem Annehmen des Unbegreiflichen, widmet die Performerin Tina Pfurr mit ihren Weggefährt:innen fünf Video-Miniaturen. Entlang und zugleich gegen jedwede Dramaturgie oder Logik folgt sie den fünf Phasen der Trauer. Weil sie geteilt werden muss. Weil sie politisch ist. Weil sie damit nicht allein ist. Weil wir viel zu selten dazu einladen und damit wichtige Räume zwischen uns verschließen. Weil wir doch wenigstens einmal diesen einen Song zu Ende hören müssen – ohne sie. Eine Trauernde erinnert sich in wortlosen performativen Stillleben an all die Täler, durch die sie gewandert ist. Stellvertretend für so viele von uns. Wieder und wieder durch Leugnung, Wut, Verhandlung, Depression und Akzeptanz. In unterschiedlichen Reihenfolgen und mit immer neuen Vertiefungen. Ohne Wertung. Die Geister, die hier gerufen werden, wollen und sollen sich verbinden. In der Trauer. Im Tod. Unbedingt im Leben. In uns. Tina Pfurr ist Performerin, Kuratorin und Schauspielerin. Sie arbeitet im Theater, für Film und Fernsehen und erarbeitet ihre eigenen Performances. Gemeinsam mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Romy Springsguth und der Kamerafrau und Cutterin Ute Schall erschließt sie sich in ihrer sehr persönlichen Arbeit mit theaterbasierten Video-Sound-Essays ein neues künstlerisches Feld.

Frauen der Revolutionsstraße | دختران خیابان انقلاب

دختران خیابان انقل داستان خیابانی به درازای ۵ کیلومتر در قلب شهر تهران است که از اسفند ۱۳۵۷ تا کنون صحنه‌ی ایستادگی زنان در برابر نظام اسلامی حاکم بر ایران بوده است. جایی که در ویرانه‌ها و خانه‌های متروک آن طرح‌های نو و تئاتر شوریدن پدیدار می‌شود.  

 

The play is about people who refuse to submit. Of women who challenge generations of oppression and find their identity, their voices and their expression. It connects the story of the protagonist and her mother with the collective struggle for freedom – a struggle that finds its most visible expression on the revolutionary street.

 

در پاییز ۱۴۰۱ همزمان با خیزش زنان، آیت نجفی در تهران مجموعه‌ای از کارگاههای زیرزمینی تئاتر را هدایت می‌کرد. این پروژه از سال ۱۴۰۲ با پیوستن جمعی از هنرمندانِ سایر کشورها به گروه در برلین ادامه یافته است.

 

In fall of 2022, Ayat Najafi led a series of underground theater workshops in Tehran during the women’s uprising. From this work, an ensemble emerged, which he has continued to develop in Berlin with international artists since 2023.

Epilog:Abriss

»Die Zerbrechlichkeit oder Hinfälligkeit des menschlichen Daseins als Maßstab zu nehmen bedeutet, grundsätzlich von einer zeitlichen Beschränkung sowie der physischen Unstetheit aller Erscheinungen auszugehen. Weil die Kunst hingegen traditionell für sich den Anspruch erhoben hat, unvergängliche Formalisierungen zu gestalten, galt sie auch immer als apotropäische Geste gegen die Vergänglichkeit. Als Ort, an dem Körper, in eine visuelle Form übertragen, verstetigt werden können, hält die Kunst der Gewissheit, dass alle Leiblichkeit, dem Prozess der sterblichen Zersetzung ausgeliefert ist, eine Vorstellung von Dauer entgegen.« (Elisabeth Bronfen aus »Vergänglichkeit im Blickfeld«) »Epilog:Abriss« führt uns in einen Raum, den wir im Leben nie sehen werden. Der nach unserer Zeit kommt, der sich mit dem Versuch beschäftigt, sich von seinem Besitz, dem Leben und dessen Umständen, zu trennen und der Kunst zu verschreiben. »Epilog:Abriss« soll das Publikum durchdringen, alle Sinne ansprechen, das Draußen vergessen machen, den Konzertraum zu einer neuen in sich geschlossenen Welt werden lassen. »Epilog:Abriss« soll mehr einen Zustand evozieren, denn einen zeitlich begrenzten Abend, die vielen dystopischen Formen der Gegenwart in eine utopische Idee von Zukunft verwandeln. Dabei werden verschiedene Revolutionen durchlaufen, in denen die Zuschauer*innen gemeinsam mit den Musiker*innen nach und nach die Kontrolle verlieren, sich mehr verabschieden müssen, um sich in eine morphende-transformierende Masse zu verwandeln und den Blick zu öffnen, für die Ungewissheit der Zukunft. LUX:NM contemporary music ensemble berlin ist ein Solist*innenensemble für Neue Musik, das sich seit seiner Gründung 2010 innerhalb kurzer Zeit zu einem international gefragten Ensemble entwickelt hat. Das undirigierte Ensemble widmet sich der Interpretation zeitgenössischer Musik und versteht sich zugleich als Initiator neuer Werke. Intensive Ensemblearbeit und enge Zusammenarbeit mit Komponist*innen ermöglichen außergewöhnliche Projekte, in denen Elektronik und genreübergreifende Ideen ihren Platz finden.

Die Vier in der Nähe

Du bist eine Person, wir sind vier. Du bist Zuschauer:in, wir sind Theater. Unsere Sehnsucht nach Nähe wandeln wir in ein lustvolles Spektakel nur für dich. Zusammen sind wir nah, wir sind keine Familie, nicht verheiratet und auf gar keinen Fall zu zweit. Zu viert bewegen wir uns ekstatisch und innig umeinander. Wir stoßen aneinander, wir reiben uns, wir wärmen uns gegenseitig – aber berühren tun wir uns wahrscheinlich nicht. Lange haben wir uns nur selbst gepudert, unergründliche Organismen in unseren Hautritzen erforscht und mit unseren Tränen den Abstand zwischen uns überwunden. Nach dieser ewig langen Zeit kommst du dazu. Und so performen wir exklusiv für dich die Auflösung jeglicher Exklusivität.

»Die Vier in der Nähe« ist eine Performance von Hysterisches Globusgefühl für nur eine Person im Publikum. In dem zwanzigminütigen Beziehungs Quickie suchen die vier Performer:innen nach Möglichkeiten eines grenzenlosen solidarischen Miteinanders und lassen sich selbst und ihre Beziehungsvorstellungen mutieren. Sie versuchen verzweifelt eins zu werden und drehen sich gemeinsam für eine einzige Person um Fragen, die sie immer aber nun mehr denn je beschäftigen und berühren. Was bedeutet es grundsätzlich miteinander in Kontakt zu treten? Wie können wir weicher werden? Und: wie bitteschön können wir vier Menschen auf einmal in die Augen schauen? Die Arbeit ist in Berlin im November-Lockdown 2020 in der 4. Etage des Ballhaus Ost entstanden.

Hysterisches Globusgefühl ist ein queer-feministisches Performancekollektiv aus Berlin. In ihren Arbeiten bewegen sich die Performer:innen an der Schnittstelle zwischen Kunst und politischer Aktion. Formen des Protests und Ästhetik der Subkulturen werden bei Hysterisches Globusgefühl verfremdet, auf ihre Grundformen reduziert und daraus neu entworfen. Antrieb ist die Suche nach alternativen Möglichkeiten, sich angesichts der diffusen politischen Verhältnisse zu positionieren. Die Frage nach bewusstem Handeln, politischer Interaktion und was Politik eigentlich ist oder sein könnte steht dabei im Zentrum ihrer Arbeit. Hysterisches Globusgefühl formierte sich erstmals 2011 und arbeitet seit 2016 am Ballhaus Ost.