Der neue Film von Studio RPK »Als Susan Sontag im Publikum saß« wird mit vier performativen Previews präsentiert: diskursiv unterbrochen, literarisch ergänzt, musikalisch live vertont und mit verwandten Filmen verschnitten. Das Theater wird zum kollektiven Wohnzimmer des gemeinsamen Watchens und der Film kehrt an seinen Ursprung zurück.
»Als Susan Sontag im Publikum saß« basiert auf einer Performance von Studio RPK im Ballhaus Ost. 50 Jahren war es her, dass die berühmte Panel-Diskussion »A Dialogue on Women’s Liberation« in New Yorks Town Hall stattfand: Auf der Bühne stritten, lachten und perfortmen Norman Mailer, Germaine Greer, Jill Johnston, Jacqueline Ceballos und Diana Trilling. Im Publikum Susan Sontag, Cynthia Ozick und Betty Friedan, die intellektuelle Elite New Yorks. Die Filmemacher Hegedus und Pennebaker ikonisieren das Ereignis später mit ihrem Dokumentarfilm »Town Bloody Hall«. Aus dem Reenactment auf der Theaterbühne entstand mit »Als Susan Sontag im Publikum saß« ein filmischer Kommentar der Geschehnisse von 1971, ein tiefgründiger Schlagabtausch im Jetzt, dem Zeitalter von #MeToo.
Link zum Film: als-susan-sontag.de
Ein Paar zieht sich auf einer einsamen Berghütte zurück. Sie fechten, tanzen, singen. Als der Schneefall einsetzt, fangen sie an Ermittler:in zu spielen. Was ist in der Hütte vorgefallen? Sie tun so, als würden sie Zeug:innen befragen und Verdächtigen auflauern. Dieses True Crime Theater verknüpft Selbstfindung mit Spurensuche und Realitätsverlust mit Erkenntnisgewinn. Oder wird hier tatsächlich ein Verbrechen aufgeklärt? »Chalet Utah« nutzt Mittel, die im Lockdown Notwendigkeit waren, aber auch neue Wege eröffneten: Der Laptop als Mitspieler, die Kamera als Verbindungskanal und der Bildschirm als Bühne. Und für Zuschauende im Theatersaal immer auch die Möglichkeit, hinter die Kamera zu schauen.
Schauplatz International wurde 1999 von Anna-Lisa Ellend und Albert Liebl gegründet und hat seitdem über 50 Stücke, Performances, Aktionen, Filme und Hörspiele entwickelt. Im Ballhaus Ost war zuletzt ihre Trilogie (»Idealisten | Fundamentalisten | Egoisten«) sowie »Cap Escape Plaisance Club« zu sehen und als Shutdown Special der Live-Podcast »Le garage de la grande promenade (Part I & II)«, ein erster Entwurf von »Chalet Utah«.
Tremble. Touch. Sense if that rock is a rock or an alien. Harmonize with chemicals. Transform. Vibrate. Breath. Confound the »human« with your smell organs.Aliens embody the threatening – the absolutely different – the foreign, the other, the incomprehensible, the feminine, the wild, the chaotic and the monstrous! Their bodies guard the boundaries of the possible and threaten all order. In »COSMICBODIES« seven alien bodies move from their own inner world into outer space – until outer space and inner space merge.
»COSMICBODIES« is a dance piece for people with and without visual impairments and integrates an artistic audio description. After »Blue Moon« and »Witches«, is it is the third work by Ursina Tossi from »EXCESSIVE SHOWING you can only dismantle the master’s house with the monster’s tools!«, a choreographic series of critical queer-feminist perspectives on the constructions of femininity and monstrous bodies in the context of mythology, history(-ies) and pop culture.
»a woman must have money and a room of her own… hence, enlightened, responsible and sensationalist women have no choice but to overthrow the government… to let hundreds of stories and genders bloom… to embrace masturbation… for Bitches are beautiful… and we have nothing to lose – except our fear.« Manifestos have accompanied feminist movements since the very beginning. Their authors criticize the status quo, imagine new futures, call for the collective solidarity of a »we« and state demands. When Virginia Woolf wrote her manifesto »A Room of One’s Own« in 1929, she could probably not have imagined that almost a hundred years later, people would still be fighting for spaces, access and independence. So many of the feminist manifestos of the last century still read as surprisingly contemporary.In the installation </A “Manifesto” of= {every} One.s Own>, visitors encounter an archive of texts, sounds and images, an ensemble of stage technology and an artificial intelligence with whom they collaborate to assemble the puzzle pieces of past struggles into new contexts. At the same time, the installation explores the encoded space as a place to conceive of collective political action while following the traces of feminist history to engage with possibilities of a utopian future. Swoosh Lieu (Johanna Castell, Katharina Pelosi, Rosa Wernecke) was founded in 2009 at the Institute for Applied Theater Studies and develops performances, installations, radio plays and films. The queerfeminist collective creates temporary spaces and images in real time while addressing their fabrication. </A “Manifesto” of= {every} One.s Own> is their first collaboration with Ballhaus Ost.
Steuerschulden treiben Peisetairos und Euelipides ins Exil zum freien Volk der Vögel. Machthungrig redet Peisetairos den Vögeln ein, einer überlegenen Art anzugehören. Die Manipulation gelingt und als Herrscher über Götter und Menschen organisiert er den neuen Staat Wolkenkuckucksheim, beseitigt unwillige Untertanen und rekrutiert ein sich für ihn und seine Ideen begeisterndes Vogelvolk.
Der 2400 Jahre alte Stoff »Die Vögel« hat nichts von seinem anarchischen Humor und seiner kritischen Aktualität verloren. Possible World lassen nun in ihrer Adaption taube Welt, Taubenkultur und hörende Welt aufeinandertreffen. Was heißt Inklusion in einer Demokratie – und im täglichen Probenprozess? Ein tauber und eine hörende Regisseur:in, zwei taube, zwei hörende Darsteller und ein »child of deaf adults« (Coda) entwickeln für die Bühne inklusive Kommunikationswege in Deutscher Gebärdensprache, Lautsprache und Visual Vernacular. Es wird von Macht und Machtmissbrauch, Grabenkämpfen und vielleicht auch von Lösungen erzählt.
Das inklusive Theaterkollektiv Possible World wurde 2009 gegründet. Ziel ist es, ein inklusives Modell für die Zusammenarbeit von Tauben und Hörenden beständig weiterzuentwickeln und in die Kulturlandschaft einzubringen. In den Jahren 2009-2020 entstanden vier Theaterproduktionen: »Frühling Erwache!« (2009), »ME DEA(F)« (2011), »Die Taube Zeitmaschine – eine Lecture-Performance über die Geschichte der Gehörlosen« (2014) und »Ein Sommernachtstraum« (2018) sowie die Filmproduktion »WIR. I & II« (2013). Alle Produktionen entstanden in Kooperation mit dem Ballhaus Ost. »Vögel« ist die erste Zusammenarbeit von Possible World Regisseurin Michaela Caspar und dem Gebärdensprachpoeten Giuseppe Giuranna.
After a long break, »Dirty Debut« is back at Ballhaus Ost. It is the last time for the time being that Dirty Debüt provides a platform for four emerging performance artists to show their sketchy, unfinished, dirty works on a specific theme or concept. After the performances and as far as hygiene regulations allow, the audience is invited for a drink or dinner with a toast to the artists. »Dirty Debut« #9 will take place at Ballhaus Ost on December 18; the theme is »after life«.
Unlike in dance or acting, there is no university context in Berlin where performance makers can accompany and learn from each other from the very beginning of their careers. Most of them come here only after graduation, and many find it difficult to establish contacts outside their existing circles for years. Björn Pätz and Sandra Umathum therefore launched »Dirty Debut« in 2018 to increase the visibility of emerging performing artists as well as to reflect the spectrum of the performance landscape and to bring them together on one stage. In addition, »Dirty Debut« aims to facilitate an exchange about the presented works that leaves behind the usual logics of judging and criticizing.
Interested artists apply with a project proposal. For each edition of »Dirty Debut«, a jury then selects four submissions whose artistic approach and qualitative standards are considered independent and promising. The invited performance makers receive a small budget for the production, a minimal stage design as well as for materials and transport.
Cool sein wollen wir doch alle – also die meisten zumindest. Freimütig stehen hierfür unsere Körper offen, werden permanent gelesen und bewertet: aha, so sieht dieser Körper also aus, oh, nein, nein, cool ist was anderes, oh, warte mal, dieser Körper da, ja der, ziemlich großer Coolness-Faktor, thumbs up! Aber wer legte eigentlich die Bewertungskriterien fest und wieso sind diese seit Jahren so ziemlich gleich: nämlich kapitalismusorientiert und weiß? Und was ist mit den ganzen Körpern, die richtig schön vielfältig sind und deswegen durch dieses eng geformte Raster fallen: worin liegt ihre Schuld?In »Ich lieb dich nicht, du liest mich nicht – aha« steht ein solcher, nicht in die Norm passender, Körper im Mittelpunkt, wird permanent beobachtet und verurteilt: Elektra, eine junge Performerin, ist gefangen in ihrer Garderobe, wird gezielt daran gehindert, aufzutreten. Wird sie ihren Weg ans Licht finden? Und wer oder was steckt hinter der Sabotage?
Wir sind Hysterisches Globusgefühl: Mitte dreißig, weder richtig jung noch richtig alt und in der Blüte unseres Schaffens. Seit 10 Jahren machen wir Kunst, die um politische Erneuerung ringt. Aber dieses jugendhafte Streben nach dem Neuen ist in die Jahre gekommen. Höchste Zeit für etwas wirklich Innovatives: »Die neue Performance«!
Wir laden euch ein, uns in unser hysterisches Nimmerland zu folgen. Eingehüllt von der Zuckerwatte eurer Kindheit könnt ihr hier der Zeit beim Tropfen zuhören und gemeinsam mit uns altern. Während wir uns der Musik aus unseren schwermütigen Backfischjahren hingeben, frönen wir unserer Sehnsucht nach dem Neuen und feiern den Verfall unserer Körper. Jedes Ende beginnen wir von Vorn und hören nicht mehr auf anzufangen. Als Grandes Dames blicken wir in unseren Memoiren auf eine ereignishafte Zukunft zurück. Seid dabei, wenn wir als ewige Kinder in unseren Jungbrunnen steigen, als alte Frauen* wieder herauskommen und die Zeit zu einer magischen Pause gefrieren lassen.
Für den Eintritt in unser hysterisches Zeitalter ist es jedoch vorgesehen, dass ihr nicht alle gleichzeitig kommt. Nur so kann es gelingen, die Fesseln des ewig Linearen zu lösen. Mit einem gestaffelten Einlass werdet ihr jeweils Zeug:innen eines anderen Ablaufs unseres Theaterabends. Lasst uns auf diese Art gemeinsam unsere Vorstellungen von Zeit und Altern zersetzen. Fordern wir zusammen das politische Potential des Neuen aufs Neue heraus.
Hysterisches Globusgefühl ist eine performistische Vereinigung aus Berlin und Wien. Sie richtet sich mit vollem Herzen und solidarischer Zusammenarbeit gegen das heteronormative Patriarchat und entwickelt Utopien für eine antirassistische, klassenbewusste, queerfeministische und respektvolle Zukunft.
In ihren Arbeiten bewegen sich die Performer:innen an der Schnittstelle zwischen Kunst und politischer Aktion. Formen des Protests und Ästhetik der Subkulturen werden bei Hysterisches Globusgefühl verfremdet, auf ihre Grundformen reduziert und daraus neu entworfen. Antrieb ist die Suche nach alternativen Möglichkeiten, sich angesichts der diffusen politischen Verhältnisse zu positionieren. Die Frage nach bewusstem Handeln, politischer Interaktion und was Politik eigentlich ist oder sein könnte steht dabei im Zentrum ihrer Arbeit. Hysterisches Globusgefühl formierte sich erstmals 2011 und arbeitet seit 2016 am Ballhaus Ost. Zuletzt zeigte sie hier ihre Arbeiten Beim Anblick des Urknalls und Die Vier in der Nähe.
Mehr als 50 Jahre haben die Fans auf die nächste Episode gewartet! Nun ist es soweit! Doch wird das Staffelfinale die während des Wartens gealterten Fans begeistern können? Durch die Augen des melancholischen Pferdes und renitenten Affen schauen wir auf das Geschehen. Pippi macht sich die Welt noch immer, wie sie ihr gefällt. Ihre regelfreien und anarchistischen Prinzipien sind nicht weniger geworden. Und wir beobachten Annika und Thomas, wie sie sich in ihrem Kampf um ein selbstbestimmtes Leben verheddern. Doch alles weist auf Pippi zurück und hier entscheidet sich das Drama um Freiheit, Erwachsenwerden und ein erfülltes Leben. Es ist die letzte Episode der letzten Staffel. Das letzte und kompromisslose Kapitel einer Geschichte von Kindheit und Altwerden und unserem Verhältnis zur Welt. Beim Erzählen helfen dem Helmi Menschen aus aller Welt: eine legendäre Tänzerin aus Japan, einer der stärksten Männer Mexikos, eine achtzigjährige Aktivistin ebenso wie die Kinder aller Hinterhöfe von Berlin. Das Helmi hat die Erzählung um Pippi und ihre Freund:innen seit der ersten Präsentation im November letzten Jahres weiter gesponnen, zusammen mit Pippis echtem Vater, und Astrid Lindgren hat auch geholfen. Multiperspektivische Ansätze, philosophische Ideen und Pippi verdeutlichen uns, dass es nie eine einfache Lösung gibt. Vor Verkrustungen im Leben helfen nur Freundschaften und Humor. Aufgeben gilt nicht, das wusste schon Pippi!
Die Mäusefamilie arbeitet im Sommer hart und hortet Nahrung für den Winter. Frederick jedoch sammelt Sonnenstrahlen, Farben und Wörter. Als dann der lange Winter immer mehr auf die Gemüter der Mäuse drückt, kann Frederick seine Schätze hervorholen und bringt in einem großen Auftritt den Sommer in die kalte Höhle.Leo Lionnis »Frederick« erzählt vom Wert künstlerischer Arbeit in einer arbeitenden Gesellschaft und von der Kraft dieser Arbeit, ein wohltuender, wenn nicht sogar überlebenswichtiger Teil dieser Gesellschaft zu sein. Mit vorschlag:hammer wird der Kinderbuchklassiker zum Bühnenstück, denn Fredericks Schätze sind nichts weniger als die Grundelemente des Theaters: Farben, Licht, Wörter und Töne. Mit Hilfe der Kinder bedient Frederick die Theatermaschine und lässt sie auch selbst zu aktiven und kreativen Zuschauer:innen werden, die spielerisch die Mittel der Bühne kennenlernen und so gemeinsam das Theater entstehen lassen. vorschlag:hammer entwickeln seit 2009 als Kollektiv Theaterproduktionen. Ihr performatives Erzähltheater hat sich in den vergangenen Jahren für unterschiedlichste ästhetische Strategien geöffnet, zu visuell-atmosphärischen oder körperorientierten Arbeiten. Dabei adaptieren sie sowohl frei bereits existierende Stoffe oder entwickeln recherchebasierte Inszenierungen zu immer neuen Themenfeldern. Im Ballhaus Ost zeigten sie zuletzt »Twin Speaks: Telegram Edition«.