Bodo ist 59, hat keinerlei musikalische Ausbildung und kann keine Noten lesen. Im Jahr 2014 hat er das Album North End fertiggestellt, auf dem er alle Tracks selbst komponiert und Ton für Ton mithilfe einer Computersoftware eingespielt hat. Ausgehend von Bodos Musik und Geschichte befassen sich Björnsson/Marx und ein Ensemble aus Profi-Musiker:innen mit dem Dilettantismus als kreative Kraft und ästhetische Strategie. In einer Welt voller Expert:innen wollen sie eine Lanze brechen für den Dilettanten, der den Mut hat, sich auf eigene Faust kreativ zu betätigen und dabei Fach- und Genre-Grenzen zu überschreiten.
Seit 2018 bilden Thorbjörn Björnsson und Julia Marx das Musiktheater-Duo Björnsson / Marx. Gemeinsam entwickeln sie Musiktheaterstücke, deren Themen sich oft an der Nahtstelle zwischen Alltäglichem und Existenziellem, Intimem und Abstraktem bewegen.
Was tun mit den Fotos von Großvätern in Nazi-Uniformen, die man in Schuhkartons, Fotoalben oder gerahmt auf der Anrichte findet? Unsere Großeltern sind tot, aber diese Fotos bleiben. Und sie werfen Fragen auf: nach dem Fortleben nationalsozialistischer Ideologie in der Familie, nach unserem ganz persönlichen Nazihintergrund und nach unseren Vorstellungen davon, was Männlichkeit sein soll.
Die Anrichte der Großeltern wird zur Bühne, auf der sich die Frontfotografien unserer Großväter in lebensgroße Zeichnungen verwandeln. Nach und nach entsteht so ein performativer Comic, in dem Marie Simons und ihr Kollektiv die alten Fotografien auseinandernehmen, sie übermalen und deren Auswirkungen auf ihre eigene queere Biografie befragen.
Marie Simons, Dennis Dieter Kopp, Nikolaus Kockel, Nora Schön und Angela Queins arbeiten an der Schnittstelle bildender und performativer Künste. Die Gruppe eint eine theoretische wie praktische Auseinandersetzung mit kritischer Männlichkeitsforschung sowie ein intersektionales Verständnis von Feminismus und queeren Identitäten.
Content note: Das Stück behandelt Nationalsozialismus und beinhaltet nationalsozialistische Sprache.
»You know the Feeling« ist eine Theaterperformance und ein Konzert. In fünf Covern des Popsongs »People, I’ve been sad« von Christine and the Queens setzen sich Blomen/Moré/Reiniger mit Identifikation, Aneignung und Populismus sowie den gesellschaftlichen Bedingungen von Einsamkeit und Zusammenkommen auseinander.
If you / Disappear, then I’m /Disappearing too
If you / Fall apart, then I’m / Falling behind you
Blomen/Moré/Reiniger sind ein Theaterkollektiv und kennen sich aus ihrem Studium an der Universität Hildesheim. Sie interessieren sich für die Verschneidungen von Theater und Wirklichkeit und lassen in ihren Bühnenstücken autobiografische Erzählungen auf fiktive Figuren treffen; als intime und zugleich öffentliche Verhandlung ihrer Gegenwart.
Am 10.2. im Anschluss an die Vorstellung: Karaoke Night mit Soroa an der Bar!
«Recycling of life» spekuliert über den ewigen Kreislauf des Lebens und der Dinge: Musikalisch, spielerisch, zwischen Ausstellungssetting und liebevollem Chaos. Auf jeden Fall mehr bless this mess als Marie Kondō. Antje Schupp und ihr Team verwerten Erinnerungen, Erfahrungen, Wissen und unser aller Krempel!
19:00 Café und Ausstellung
20:00 Vorstellung
im Anschluss Café und Ausstellung
Antje Schupp ist Regisseurin, Performerin, Autorin, Dozentin und liebt spartenübergreifende Projekte. Mit Ayman Nahle, Filmemacher aus Beirut, verbinden sie 4 Arbeiten, mit dem Ausstatter Christoph Rufer zahllose. Yanik ist Musiker und Komponist. Antje und Yanik sind 2023/24 Artists in Residence an der Kaserne Basel.
Die Performance ist Teil unserer Gastspielreihe Berlin Basel Smash: vom 23.2. bis 9.3. zeigen wir im Ballhaus Ost drei Stücke aus der Stadt am Rhein. Auf »Recycling of Life« von Antje Schupp | Ayman Nahle | Yanik Soland folgen »Court Fantasies« und »screening invisibilities« Zino Wey.
Mithilfe von Zukunftsvisionen rütteln die Performerinnen Salma Said und Miriam Coretta Schulte am starren, vermeintlich unveränderlichen Asylsystem. Sie laden das Publikum ein zu einem Blick in zukünftige Archive:
Es ist 2099 und weltweit herrscht das Recht auf Bewegungsfreiheit für alle. Die gigantische Fiktion, die Menschen einst in die Kategorien “verdient Visum” und “verdient kein Visum” eingeteilt hat, haben wir nach jahrelanger Anstrengung hinter uns gelassen. Aber was, wenn genau diese Freiheit bedroht wird? Heute Abend versammeln wir uns, um die aktuellen Verunsicherungen zu verstehen. Und uns zu erinnern, wie die Aktivist*innen von damals mit unglaublicher Arbeit die Zukunft hervorgebracht haben. Wir erwarten euch mit Liebe zu den Archiven und Leidenschaft für den Kampf, eure Salma und Miriam.
Über die Künstler*innen
Salma Said und Miriam Coretta Schulte sind Partnerinnen in crime, friendship und performance. Das Duo entwickelt seit 2018 eine künstlerische Praxis, in der das situative Wissen über ihre unterschiedlichen Hintergründe und Kontexte, die Lust am Experiment mit Aktivismus und Imagination verknüpft werden. Ihre erste gemeinsame Arbeit »behind your eyeballs« wurde 2023 als Teil von »Introducing…« beim Berlin Performing Arts Festival im Ballhaus Ost gezeigt.
Die Performance ist Teil unserer Gastspielreihe Berlin Basel Smash: vom 23.2. bis 9.3. zeigen wir im Ballhaus Ost drei Stücke aus der Stadt am Rhein. Auf »Recycling of Life« von Antje Schupp | Ayman Nahle | Yanik Soland folgen »Court Fantasies« und »screening invisibilities« Zino Wey.
»screening invisibilities« ist eine assoziative Auseinandersetzung mit der Unsichtbarkeit. Eine Begegnung mit der Ambivalenz dieses politischen Begriffs und eine Befragung unseres Umgangs damit.
Gemeinsam mit einem Ensemble aus hörenden und Tauben Künstler*innen initiiert der Basler Regisseur Zino Wey eine Befragung unserer Wahrnehmung. Wann wird der Körper zum Sprachmedium? Welchen Sprachformen sind wir uns gewohnt zu begegnen? Und wen machen wir unsichtbar, obwohl wir sie sehen können? Aus Gebärden, Gesten, Bewegung, Tanz und Musik werden eigene Körpersprachen entwickelt und ein neuer (Sprech-)Raum entworfen, der nach Gemeinsamkeiten und nicht nach Unterschieden fragt.
Ein poetisch-politisches Manifest für die Sichtbarkeit.
Eine Performance in Gebärden – und Lautsprache.
Für «screening invisibilities» versammelt Zino Wey ein diverses Ensemble aus Performance, Tanz, Gebärdensprachkunst und Musik zur gemeinsamen Auseinandersetzung und Begegnung.
Wey arbeitet seit 2012 als Regisseur, Bühnenbildner und Autor in unterschiedlichen performativen Kontexten an Stadt- und Staatstheatern wie auch in der freien Szene. Mit dem Ballhaus Ost verbindet ihn, wie auch viele der beteiligten Künstler*innen, eine kontinuierliche Zusammenarbeit.
Die Performance ist Teil unserer Gastspielreihe Berlin Basel Smash: vom 23.2. bis 9.3. zeigen wir im Ballhaus Ost drei Stücke aus der Stadt am Rhein. Auf »Recycling of Life« von Antje Schupp | Ayman Nahle | Yanik Soland folgen »Court Fantasies« und »screening invisibilities« Zino Wey.
Im Laufe der Geschichte wurde die weibliche Geschlechtsidentität oft durch das Fehlen des Phallus eingeengt. In »Falla« thematisieren die Choreografin Julia B. Laperrière und die Musikerin Pia Achternkamp diese problematische Idee aus einer queer-feministischen Perspektive und nutzen den Umschnalldildo als transformatives Werkzeug. Lustig, spielerisch und rock’n roll!
Julia B. Laperrière ist eine französisch-kanadische Choreografin, die seit 2016 in Berlin lebt. Als Künstlerin, die sich zwischen Berlin, Montpellier und Montreal bewegt, ist die heterogene Mischung aus Sprachen, Orten, Praktiken, Menschen und Genres – sowohl künstlerisch als auch identitätsbezogen – ein wesentlicher Bestandteil ihrer Praxis. In letzter Zeit hat sie sich für die Darstellung des weiblichen Körpers auf der Bühne, neue Intimitäten und gefährliche Tänze interessiert. Julia und Pia arbeiten seit 2020 zusammen.
Am 15.3. findet im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch mit den Künstlerinnen statt.
H I N W E I S :
Teil der Vorstellung sind laute Geräusche und flackernde Lichter.
Es gibt Nacktheit. Die Performer*innen erzählen während der Performance persönliche Sexgeschichten.
Ur-Oper #14 »ICH FRIDA Du DIEGO«
In der Kunstwelt ist das Verhältnis zwischen zwei Künstler*innen häufig ein Tanz zwischen Rivalität und Inspiration. Es gibt einen Funken des Wettbewerbs, der sie antreibt, sich selbst zu übertreffen, obwohl ihre Symbiose von der Leidenschaft für ihre Arbeit genährt wird. Im Atelier vermischen sich die Farben ihrer Leinwände in der Luft und erzeugen eine kreative Atmosphäre. Ihre Arbeiten unterscheiden sich von Tag und Nacht: einer zeichnet die Wirklichkeit in scharfen Kontrasten und harten Linien, der andere strahlt in den Farben von Traum und Fantasie. Trotz ihrer Unterschiede finden sie einen gemeinsamen Rhythmus. Ihre Augen sprechen eine Sprache. Doch unter der Oberfläche brodelt es. Jeder Erfolg des anderen ist ein Ansporn, sich selbst zu hinterfragen. Jede Anerkennung ist ein stiller Ruf nach Selbstverbesserung. Sie sind Gefährten und Konkurrenten zugleich, gefangen in einem ewigen Kreislauf aus Bewunderung und Eifersucht.
Gemeinsam mit der Künstlerin Okka-Esther Hungerbühler , die sich in ihren Werken mit traumhaftartigen Materialien im Mikrokosmus beschäftigt, begibt sich das Helmi auf die Suche nach der Uroper.
Das
Helmi Puppentheater Kollektiv aus Berlin ist seit 2006 am Ballhaus Ost. Sie verbinden viele künstlerische Sprachen und Richtungen in ihren Shows, in denen stets auch die Helmi-Puppen und eine selbstgeschriebene Musik Hauptrollen einnehmen.
Mit ihrer Reihe »Die Suche nach der Ur-Oper« bespielen sie seit Januar 2023 monatlich eine kleine neue Bühne an der Bar des Ballhaus Ost. Denn: Worüber man nicht sprechen kann, weil es irgendwie so groß und unfassbar ist, darüber kann man vielleicht singen. (Emir Tebatebai)
In einem Solo mit Polaroidkamera inszeniert Rodrigo Zorzanelli, ausgehend von persönlichen Erfahrungen der Einbürgerung und des Coming Out als nichtbinär, performative Selbstporträts. Die Fotos maskieren, brillieren, verstören den Raum und den Körper.
Rodrigo Zorzanelli performt, schreibt und produziert in der Berliner freien Theater und Performance Szene. Rodrigos Arbeit beschäftigt sich mit Non-Binarität, feministischer Autofiktion, unsichtbaren Strukturen, Bürokratie und Zugehörigkeit. »multiple memberships« ist Rodrigos erste Arbeit am Ballhaus Ost.
Tentacular Figurings laden zu einem undisziplinierten, r/evolutionären Familien*treffen ein. Die Zuschauer*innen begegnen spekulativen Verkörperungen unserer gemeinsamen, queeren Vorfahr*innen. Gebt euren „sapiens“ an der Garderobe ab und Meet Your Dancestors!
Tentacular Figurings ist ein forschendes, multi-disziplinäres Performancekollektiv. Kernteam sind Mika Bangemann und Eddie N. von Seckendorff. Seit 2021 entwickeln sie in ihren Performances uneindeutige Körper jenseits des Menschlichen. »Meet Your Dancestors!« ist ihre erste Arbeit am Ballhaus Ost.