In »None of my Business« untersucht das Kollektiv Filet + Friends in Zusammenarbeit mit Aktivist*innen Klima(un)gerechtigkeit: die Diskrepanz zwischen der Verantwortung für den Klimawandel und den Auswirkungen auf jene, die am wenigsten dazu beigetragen haben. Ausgangspunkt ist der Aufstand von 600 Frauen im Niger Delta: eine der erdölreichsten, aber zugleich am stärksten ausgebeuteten Regionen Afrikas. Zehn Tage lang besetzten sie die Büros von Shell und Chevron, unbewaffnet, aber mit einer mächtigen Drohung: den Machträgern ihre nackten Ärsche zu zeigen. Ein in Nigeria tief verankerter Akt spiritueller Verfluchung und Beschämung. In einer kapitalistischen Welt, in der fossile Energien, profitgieriges Business dominieren und koloniale Ungleichheiten bestehen, ist Klimagerechtigkeit nicht nur ökologisch, sondern vor allem eine politische und gesellschaftliche Angelegenheit. Acht Performer*innen erforschen, wie sich Widerstand in diesem Weltsystem anfühlen kann: persönlich, politisch, körperlich. Mit autobiografischen Texten, choreografischen Elementen und Live-Musik auf der Cajón bewegen sich die Performer in einem gemeinsamen Spannungsfeld auf der Bühne. Filet wurde 2024 von Flora Udochi Egbonu, Lena Kolle und Johanna Schwaiger gegründet. In ihren Stückentwicklungen beschäftigen sie sich mit Themen, die zugleich persönlich, politisch und universell sind. Für eine intersektionale Perspektive kooperieren sie für »None of my Business« mit Künstler*innen, die sie aus früheren Projekten kennen.
Archiv: Produktionen
Richard Wagner – The Drag Queen!
Richard Wagner ist eine Drag Queen, und Shlomi Moto Wagner’s Urgroßvater war ihre Drag-Mutter. Gemeinsam teilen sie nicht nur familiäre Wurzeln, sondern auch ein Drag-Erbe im jüdischen House of Mazeltov. Diese pseudo-dokumentarische Musiktheater-Performance gräbt nach vergessenen Gerüchten und verdrängten Fakten über Wagners Persönlichkeit: seine Obsession mit Rosa, die skandalösen Satin-Bestellungen, und die Frage, ob das Verstecken seiner Wünsche mit dem Hass zusammenhängt, den er zugleich in die Welt projizierte. Könnte dieses Projekt seine verspätete Coming-Out-Erklärung sein? Zwischen klassischen Wagnermotiven, elektronischen Beats, Lip-Sync, Videoprojektionen und viel rosa Satin entsteht ein queeres Musiktheater-Spektakel für das 21. Jahrhundert. Also, Mazeltov Queen Richard Wagner – let’s go! Inszeniert, performt und komponiert von Shlomi Moto Wagner – interdisziplinärer Performer*, ausgebildeter Opernsänger*, Komponist*, Author* und Dragqueen a.k.a. Mazy Mazeltov, der*die klassische Musik und Formen mit Popkultur und queerer Mythologie auflädt und neu zusammensetzt. Gemeinsam mit Dramaturgin und Co-Regisseurin Anne Welenc entsteht eine glitzernde und schonungslose Auseinandersetzung mit der wohl polarisierendsten Figur der Operngeschichte. Für die technische Magie sorgt Jones Seitz, während die 3D-Bildwelten in einer aufregenden neuen Zusammenarbeit mit dem digitalen Künstler Alejandro Spano entstehen. Die Kostüme entwirft Michel Wagenschütz – und verbindet darin historische Fantasie mit der Sinnlichkeit von Drag. Gemeinsam erschafft das Team eine immersive Performance über Geschlecht, Erbe und Erlösung – auf der Bühne und im Jetzt der Geschichte. Mit ganz besonderem Dank anMima Milo – die einzig wahre Yiddish IsoldeMendi Cahan – Jiddisch Übersetzung von Mild und LeiseMila Wagner Vishnavskaya – Shlomi’s Mutter, für die telefonischen BeiträgeDr. Reinhold Brunner und das Reuter-Wagner-Museum in Eisenach –für ihre Hilfe mit ArchivmaterialAnne Welenc – Die Stimme von Katherina WagnerStefanie Altenhofer – Die Stimme von Fräulein Bertha GoldwagAntina Christ – Fabelhafte Cosima-Hochsteckfrisur-PerückePhillip Lawton – Deutsche Oper Bibliothek, die die jiddische Partitur von Tristan und Isolde zur Verfügung stellt
Pophaus Ost: Jon Darc
»Morast« ist ein sumpfiges Ritual über Begierde, Gewalt, Aufmerksamkeit und all das klebrige Chaos, das wir Liebe nennen. Poetisch, queer, nackt, kathartisch und wunderschön. Jon Darc und Band laden zu einem Konzert ein, das irgendwo zwischen Darkroom und Klavierballade angesiedelt ist – ein Abend, an dem wir mit ihnen geboren werden, auseinanderfallen und neu wachsen. Also: Zieht euch schick an, zieht euch aus – es ist egal. Komm so schön, wie du bist – und lass dich in den Morast fallen. Pophaus Ost ist Teil der Late Night Shows: Auf der Side-Quest-Bühne laden fünf kurze, performative, musikalische und humorvolle Formate das Publikum dazu ein, im Anschluss an die Vorstellungen im Saal noch ein wenig zu bleiben. Um Künstler*innen zu sehen, die sonst in allen möglichen Settings auftreten – vom Keller deiner Ex bis zu den High Swings am Alexanderplatz.Als Nächstes: »Jokehaus Ost: Dinara Kerey, Abi Mohanty, Sofia May & EXPERT BY IDENTITY« am 6.12
Twaliwo
Twaliwo ist eine Redewendung in Luganda, der Sprache des Buganda-Stammes – eine der größten Volksgruppen des heutigen Ugandas – und bedeutet sinngemäß: „Wir waren einmal.“ Dahinter verbirgt sich die Vorstellung, dass es einmal eine Zeit gab, in welcher die Menschen in Harmonie miteinander lebten. Diese Zeit wird als ökonomisch und spirituell ausgewogen erinnert. Mittlerweile gilt sie als verloren, und Twaliwo ist zu einem Ausdruck für etwas Vergangenes geworden. Ein Material und eine Handwerkspraxis aus einer Zeit, die man mit „Twaliwo“ bezeichnen würde, ist die Herstellung von Lubugo: das Rindentuch aus Uganda. Die Praxis gehört zu den ältesten textilen Produktionsmethoden in der Menschheitsgeschichte und nutzt die Rinde des Feigenbaums Mutuba. Sie datiert 12.000 Jahre zurück, gehört mittlerweile zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit und wird durch die UNESCO geschützt. »Twaliwo« erzählt mit Mitteln des dokumentarischen Tanztheaters die Geschichte des Rindentuchs – und von der Vielzahl traditioneller Tänze und Lieder, die mit diesem Stoff verbunden sind. Christoph Winkler und Robert Ssempijja haben in den vergangenen Jahren mehrfach zusammengearbeitet und dabei einen künstlerischen Dialog zwischen Deutschland und Uganda vertieft. In »Twaliwo« findet diese Zusammenarbeit ihren vollen Ausdruck, mit Ssempijja als Co-Choreograf an Winklers Seite.
Jokehaus Ost: Dinara Kerey, Abi Mohanty, Tera Kilbride & EXPERT BY IDENTITY
Drei Comedians zeigen ihre Version der gemeinsamen Prämisse: Tragödie + Zeit = Komödie! Inspiriert von der 2025 Staffel der Reality-Show WELT, die wir derzeit durchleiden, werden ihre Witze persönlich und politisch! Gleiche Prämisse – anderes Ergebnis! ! Jokehaus Ost ist Teil der Late Night Shows: Auf der Side-Quest-Bühne laden fünf kurze, performative, musikalische und humorvolle Formate das Publikum dazu ein, im Anschluss an die Vorstellungen im Saal noch ein wenig zu bleiben. Um Künstler*innen zu sehen, die sonst in allen möglichen Settings auftreten – vom Keller deiner Ex bis zu den High Swings am Alexanderplatz.Als Nächstes: »Questhaus Ost: BroKolya und guests« am 20.12.
Archivierung als Widerständige Praxis – Eine Wissensressource der praktizierten Solidarität
Die Initiative Solidarität am Theater e.V. (ISaT) lädt ein zu einer zweitägigen Zusammenkunft gelebter intersektional-queerfeministischer Archivpraktiken. Ausgehend von der Bewegungsgeschichte marginalisierter Gruppen möchten wir dominante Erzählungen im Kulturbetrieb dezentrieren und gemeinsam »Archive des Widerstands« erarbeiten und fortführen, die marginalisiertes Wissen priorisieren. Wir fragen uns, wie ein Archiv zugänglich(er) werden kann und welche Lücken und Konflikte dazu geführt haben, dass manche Kämpfe kaum erinnert werden. Am 12. und 13. Dezember bringen wir das Archiv in den Theaterraum des Ballhaus Ost und laden Kolleg*innen und Publikum zur künstlerischen Interaktion und Begegnung mit dem unabgeschlossenen Archiv ein. Die Initiative für Solidarität am Theater (ISaT) gründete sich 2017 aus der Notwendigkeit heraus, fortwährenden Ungleichbehandlungen und Diskriminierungen im Kulturbereich entgegenzutreten. Es ist ein dezentral organisiertes Netzwerk, das aus einer machtkritischen Perspektive handeln will. PROGRAMMFREITAG 12.12.17:00: Begrüßung18:30-19:15: »BIOFUCK«, Performance, LIFT- Performance Kollektiv20:00-20:30: »Hungerstein«, Lecture Performance, Aidan Riebensahm & Lea Steinhilber21:30-22:30: Agnieszka Habraschka/Eszka, Konzert22:30-23:00: Soft Ending SAMSTAG 13.12.14:00: Begrüßung13:15-16:00: »Die Möllner Briefe« (96′), Filmscreening16:00-17:00: »FemmeFitness«, Lecture Performance & feministische Fitness Session19:00-20:00: »böse blicke_n«, Lecture Performance, Nuray Demir20:30-21:30: »Darf man etwa nicht so egozentrisch sein und seine Erfahrungen für sich behalten? Diasporisches Erinnern an Fasia Jansen«, performative Lesung »Brief an Fasia« mit anschließenden Filmcreening, Ali*ne B*enecke21:30-22:30: Austausch und gemeinsamer Ausklang22:30-23:00: Soft Ending Hier geht’s zur Webseite und zum Audioflyer für Archive des Widerstands
GOOD BYE
Die Sober Partyreihe Lemonade Queers geht (vorerst) zu Ende – leider hat die Reihe keine Finanzierung für das nächste Jahr. Aber wir sind nicht traurig. Stattdessen veranstalten wir eine große (vorerst) GOOD BYE Party. Wir möchten uns bei allen bedanken, die gekommen sind und uns unterstützt haben: allen unseren Gästen, allen Künstler*innen, allen Medien, CSD Berlin, SchwuZ und Ballhaus Ost. Wir sind wirklich dankbar und begeistert von dem, was wir in den letzten zweieinhalb Jahren auf die Beine gestellt haben. Lemonade Queers ist die einzige regelmäßige sober Party für Queers in Berlin. Nüchtern zu leben ist nicht einfach, besonders in einer Stadt wie Berlin. Deshalb haben die Gründer*innen Vlady und Momo beschlossen, die Nüchternheit zu feiern und alle nüchternen Queers, nüchtern interessierten Menschen und Verbündete zu einem fantastischen Abend einzuladen. Sie bieten einen Connection Space mit lustigen und spannenden Verbindungsspielen und Fragen. Für Menschen, denen das Sitzen auf Stühlen oder Bänken schwerfällt, stehen Sitzsäcke zur Verfügung. Ein besonderer Party-Host. Ein besonderes Warm-up. Und eine große Party. Mit großartigen DJs und fantastischen alkoholfreien Getränken. Es wird kein Alkohol ausgeschenkt oder sichtbar sein. Also schnappt euch all eure Freund*innen und stoßt mit Limonade an. 18:00 Doors18:30–19:30 Connections19:30–20:00 Warm Up20:00–00:00 Party
Play Pen&Paper
Bevor im Questhaus Ost vier Drag Royals den Klassiker der Pen&Paper Rollenspiele Dungeons&Dragons spielen, gibt es beim offenen Spieleabend die Möglichkeit, selbst in Abenteuer einzusteigen: Ob neugierige Einsteiger*innen oder Rollenspiel erfahren, ob allein oder in Gruppen – alle sind willkommen. Es wird zu Beginn eine kurze Einführung in den Ablauf von Pen&Paper Spielen geben, dann werden die mitgebrachten Spiele vorgestellt und zu jedem Spiel findet sich eine Gruppe zusammen. Kommt spontan vorbei oder meldet euch an (info@ballhausost.de), besonders wenn ihr ein Spiel mitbringen und leiten wollt. Es kann auf deutsch und englisch gespielt werden. Vor Ort gibt es Getränke und kleine Snacks. Der Eintritt ist frei. 16:30 Einführung17:00 Spielvorstellungen und Gruppenfindungbis 21:00 kann gespielt werden, im Anschluss ist die Bar geöffnet für Questhaus Ost Was ist Pen&Paper?In den meisten Rollenspielen führt eine Spielleitung durch das Spiel: schildert Szenen, beschreibt Orte, spielt alle Nicht-Spieler*innen Figuren und entscheidet über den Verlauf der Geschichte. Orientierung liefert dafür das Regelwerk des Spiels. Die Spieler*innen übernehmen die Rolle fiktiver Figuren und entwickeln die Handlung. Es gibt auch Rollenspiele mit einem Figurenbogen, der Hinweise zu Fertigkeiten und Fähigkeiten oder Fun Facts liefert.Viele Entscheidungen und Spielmomente, deren Ausgang ungewiss ist, werden über Würfel ermittelt. Auch das steht im jeweiligen Regelwerk. Es gibt unzählige Szenarien beim Pen & Paper. Ob als Vampir durch das London der 20er Jahre, als Dieb in der Zukunft, mit Magie, ohne Magie. Es ist alles möglich.In den sogenannten Regelwerken werden die Grundregeln und Spielsettings festgehalten. Wie sehr man sich selbst an diese Grundregeln hält ist eine Gruppenentscheidung. Hier gilt: Solange alle Spaß haben ist alles erlaubt.
Questhaus Ost: BroKolya und guests
Die Nacht bricht über Berlin herein. Drag-Kreaturen versammeln sich im Ballhaus Ost, um mit Improvisation, Queerness und Liebe gegen die Monster der modernen Geschichte zu kämpfen. Unter der Leitung des Drag-King-Master BroKolya begeben sich die Drag-Heroinen* Gonk the Griller und Raki Solale auf eine wilde Drags & Dragons-Quest, um die Welt zu retten. Questhaus Ost ist Teil der Late Night Shows: Auf der Side-Quest-Bühne laden fünf kurze, performative, musikalische und humorvolle Formate das Publikum dazu ein, im Anschluss an die Vorstellungen im Saal noch ein wenig zu bleiben. Um Künstler*innen zu sehen, die sonst in allen möglichen Settings auftreten – vom Keller deiner Ex bis zu den High Swings am Alexanderplatz.
BIOFUCK
Audioflyer Eine Linie. 5 Körper. 4 Räder. 3 mal 3 Beine. 2 Ohren pro Kopf. 1 aus Glas gemacht, 1 Zunge in jedem Mund. Arm an Arm, Schulter an Handgelenk, verschränkte Finger. Die fünf weißen Körper werden von etwas bewegt, das ich nicht greifen kann. Sie verlagern Gewicht, nutzen Momentum, fließen als Linie durch den Raum. Eine dreht sich um sich selbst. Die äußeren Ränder beschleunigen. Schnell, hektisch, mit Genuss und Frust, hacken sie die Struktur des Raumes. Sie schieben weiße Leinwände über den Boden – bereit für Projektionen. Sehnsüchte tauchen auf. Nach Lücken und der Bewegung zwischen alten Weisheiten und zeitgenössischen Begierden. Es wirkt unabdingbar, an dem Netz aus migrierten, queeren, Crip Körpern festzuhalten. Zeitweise scheinen sie verloren, auf der Suche nach Linearität. Sie spüren, dass es hier mehr gibt. Ich höre sie auseinanderfallen, trauernd-schluchzend, wütend-lachend, Unbekanntes verschluckend. Genährt, um das neue Hier zu enthüllen, wird es zu Ihrem, zu Unserem. Kitzelnd rührt sich Neugier in mir. In dir auch? Willkommen zu BIOFUCK! Eine Show über nicht-lineare Biografien. LIFT Tanzkollektiv (Liv Schellander, Irene Giró, Fia/Sophia Neises, Tanja Erhart) ist eine Konstellation von crip, queeren und migrantischen Körpern, die neue Begegnungs- und Erfahrungsräume schaffen und ästhetische Barrierefreiheit in den Mittelpunkt stellen.